|
Vereinszweig Ostwürttemberg der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg
Ostschwäbische
Naturforscher:
Kreismedizinalrat Josef Aloys Frölich (1766-1841) HANS WOLF, Ellwangen (Jagst)
Schriften von Frölich selbst. Frölich, Josef Aloys (1792): Differentia specifica Sonchi alpini australis, & S. canadensis L. In: Usteri P. (Hrsg.), Annalen der Botanik Erstes Stück: 24-32. - Zürich (Orell, Gessner, Füssli und Comp). - Frölich, Josef Aloys (1796a): De Gentiana dissertatio quam summi numinis auspiciis ex decreto gratiosae facultatis medicae in academia regia Friderico-Alexandrina pro gradu doctoris summisque in utraque medicina honoribus legtime obtinendis publico eruditorum examini subiicit Josephus Aloysius Froelich Oberdorfensis Algoicus. -Erlangen (Typis Kunstmannianis), 142 S + 1 Tafel von Jacob Sturm. - Frölich, Josef Aloys (1796b): De Gentiana libellus sistens specierum cognitarum descriptionibus cum observationibus. - Erlangen (W. Walter), 142 S. + 1 Tafel wie oben [Zweit- oder Parallelauflage des vorigen, vom Autor noch nicht gesehen]. - Frölich, Josef Aloys (1838a): Crepis. In: Candolle, A.P. de (Hrsg.), Prodromus systematis naturalis regni vegetabilis, Pars VII: 164-172. -Paris (Treuttel & Würtz). - Frölich, Josef Aloys (1838b): Hieracium. - In: Candolle, A.P. de (Hrsg.), Prodromus systematis naturalis regni vegetabilis, Pars VII: 199-240. Paris (Treuttel & Würtz). - Frölich, Josef Aloys (o. J. [Zeitraum von 1836 wohl bis 1841]): Pflanzenverzeichnis der Fürstpropstei Ellwangen. - In: Hiller, J. F. 1844, Chronik der Fürstpropstei Ellwangen (Hillersche Chronik): 601-608; Manuskript im Besitz der Katholischen Kirchengemeinde St. Vitus, Ellwangen. - Frölich, Josef Aloys (o. J. [Zeitraum wie oben]): Insektenverzeichnis der Fürstpropstei Ellwangen. - In: Hiller, J. F. 1844, Chronik der Fürstpropstei Ellwangen (Hillersche Chronik): 617-632; Manuskript im Besitz der Katholischen Kirchengemeinde St. Vitus, Ellwangen. Schriften von Frölichs Freunden. Frölich, Franz Anton Gottfried (1828): Enumeratio torticum Würtembergiae. Dissertatio inauguralis zoologica quam consistente facultate gratiosa medica praeside G. Schübler pro gradu doctoris medicinae publico examini submittit die […] mai MDCCCXXVIII. - Tübingen (Typis Schoenhardtianis), 104 S. -Hoppe, David Heinrich (1796): Bücher-Anzeigen. In: Botanisches Taschenbuch auf das Jahr 1796: 225-243. - Regensburg (Montag- und Weißische Buchhandlung). - Hedwig, Johann & Schwägrichen, Friedrich (1816): Species muscorum frondosorum. Supplementum primum. Volumen secundum. - Leipzig (J.A. Barth) und Paris (Treuttel & Würtz), VII + 374 S. + Tafeln L-C. - Schrank, Franz von Paula von (1793): Reise nach den südlichen Gebirgen von Baiern, in Hinsicht auf botanische, mineralogische, und ökonomische Gegenstände, nebst Nachrichten von den Sitten, der Kleidung, und anderen Merkwürdigkeiten der Bewohner dieser Gegend ec. auf Befehl der kurfüstl. Akademie der Wissenschaften unternommen im Jahre 1788 von Franz von Paula Schrank der kurfürstl. Akademie zu München Mitglied. - München (J. Lindauer), 424 S. - Steiner, Axel (2005): Geschichte der lepidopterologischen-faunistischen Forschung in Baden-Württemberg. In: Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 10. Ergänzungsband (Herausgeber Günter Ebert): 139-196. - Stuttgart (Eugen Ulmer), 431 S. Beschreibt und würdigt Frölichs lepidopterlogisches Werk, sagt dass er der wahre Autor von Franz Anton Gottfried Frölich (1828) ist und nicht sein Sohn. Richtiger Geburtsort des Vaters der früher Oberdorf und heute Marktoberdorf genannte Ort im Allgäu, nicht das angegebene Oberdorf an der Argen (Teilort von Langenargen). Erwähnt wird das oben genannte Insektenverzeichnis Frölichs für die Fürstpropstei Ellwangen, welches Manuskript in die zehn Schmetterlingsbände nicht eingearbeitet ist und einer Sonderveröffentlichung bedürfte. - Sturm, Jacob (1829): Deutschlands Flora in Abbildungen nach der Natur. I. Abteilung, 54 Heft. - Nürnberg, 16 Blätter + 16 handkolorierte Tafeln. Schriften weiterer Autoren. Ahles, Wilhelm Ernst (1873): Nekrolog des Professor Dr. Hugo v. Mohl. - Jahreshefte Verein Vaterländische Naturkunde Württemberg 29: 41-65. - Dienst, Michael (2004): Restaurierung und Katalogisierung des Herbariums Leiner in Konstanz - Beschreibung des Projekts. In: Beiheft 1 der Berichte der Botanischen Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutschland: 7-13. - Karlsruhe, 278 S. - Dussler, Hildebrand (1959): Alois von Frölich. - In: Pölnitz, Götz von (Hrsg.), Lebensbilder aus dem Bayerischen Schwaben, Band 7: 351-368. München (Max Huber). - Fenaroli, Luigi (1974): Der Karawanken-Enzian (Gentiana froelichii [Hladnik] Rchb.), ein Endemit der südöstlichen Kalkalpen. - Jahrbuch Verein zum Schutze der Alpenpflanzen und -tiere 39: 135-143. - Hemming, Francis (1937): Hübner. A bibliographical und systematic account of the entomologicals works of Jacob Hübner ... and of the supplements thereto by Gottfried Franz von Frölich. Volume one. - London (Royal Entomological Society of London), 605 S. Berichtigung: Josef Aloys Frölich hat Beiträge zur Fortsetzung Hübners Werk geliefert und nicht sein Sohn, der auch niemals geadelt worden ist. - Hermann, Mike (2004): Bemerkenswerte Pflanzenbelege im Leiner-Herbar des Bodensee-Naturmuseums Konstanz. In: Beiheft 1 der Berichte der Botanischen Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutschland: 185-191. - Karlsruhe, 278 S. - Hermann, Mike & Michael Dienst (2004): Herkunft und Alter der Pflanzen im Herbar des Bodensee-Naturmuseums Konstanz. In: Beiheft 1 der Berichte der Botanischen Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutschland: 47-53. - Karlsruhe, 278 S. - Klemun, Marianne u. a. (1999): Der Hochobir. Aus Natur und Geschichte. - Klagenfurt (Naturwissenschaftlicher Verein für Kärnten), 328 S. - Lauterborn, Robert (1938): Der Rhein. Naturgeschichte eines deutschen Stroms. Erster Band: Die erd- und naturkundliche Erforschung des Rheins und der Rheinlande vom Altertum bis zur Gegenwart. Zweite Hälfte: Die Zeit von 1800-1930. Abteilung II: Der Oberrhein mit den Schwäbischen Neckarlanden. - Ludwigshafen am Rhein (Verlag der Buchhandlung A. Lauterborn), 439 S. - Lippert, Wolfgang (2004): Josef Aloys Frölich und die Flora des Allgäus. In: Beiheft 1 der Berichte der Botanischen Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutschland: 149-159. - Karlsruhe, 278 S. - Raus, Thomas vom Botanischen Museum Berlin-Dahlem: Briefliche Mitteilung, dass das Bridel-Herbar im letzten Krieg vor der Zerstörung gerettet worden ist und dass Frölichs Biegezahnmoos darin enthalten ist. - Wolf, Hans (2004): Josef Aloys Frölich (1766-1841) und die Flora von Ostwürttemberg. - In: Beiheft 1 der Berichte der Botanischen Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutschland: 81-147. - Karlsruhe, 278 S. - Wikipedia ist nicht herangezogen worden; in der dortigen Frölich-Biografie sind mehrere, auch grobe Fehle enthalten. |
Jugend.
Josef Aloys Frölich
wird am 10. März 1766 als Wirtssohn im Allgäuer Marktort Marktoberdorf
als zweiundzwanzigstes Kind seiner Mutter geboren. Der Bub ist viel draußen
in freier Natur, hütet das Vieh und beginnt Pflanzen zu sammeln;
sein erster naturkundlicher Lehrer ist der Füssener Arzt Dr. Thwingert.
Im Schloss von Marktoberdorf, ein Ort des Hochstifts Augsburg, weilt öfters
der Augsburger Fürstbischof Klemens Wenzeslaus. Der Landesherr unterstützt
Frölichs Ausbildung mit Stipendien, um "für den Staat einen
nützlichen Arzt heranzuziehen" (Dussler 1959: 356). Frölichs
Studiengang: 1784 Philosophiestudium an der Universität Dillingen.
1786 Medizinstudium an der Universität Ingolstadt, einer der "vortrefflichsten
Zuhörer" (Schrank 1793: 131) des Naturforschers Franz von
Paula von Schrank (1747-1835).
1788 Medizinstudium an der Universität Erlangen, Schüler des
Naturforschers Johann Christian Schreber (1739-1810). 1791 Fußwanderung
vom Allgäu durch die Alpen nach Wien. In Klagenfurt Besuch des Priesters
und Botanikers Franz Xavier von Wulfen (1728-1805),
folgender Briefwechsel mit ihm. 1791 Medizinstudium an der Universität
Wien, wo sein Botaniklehrer der berühmte Nikolaus Jacquin
(1727-1817) ist. 1794 wieder in Erlangen,
1796 unter Schrebers Betreuung Promotion über De Gentiana, die Enziane.
Diese Monografie macht Frölich bekannt und verschafft ihm 1798 die
Mitgliedschaft der altehrwürdigen Leopoldino-Karolinischen Naturforscherakademie
in Halle mit dem Beinamen „Gentius“, eines der jüngstaufgenommenen
Mitglieder bis zum heutigen Tag.
Arztberuf. Nach Abschluss seiner für damalige Zeit langen, da vielseitigen Studien kehrt der Dreißigjährige in sein Allgäuer Vaterland zurück und wird durch bischöflich-augsburgisches Dekret 1796 in Sonthofen Oberallgäuer Landschaftsphysikus, das ist universitätsgebildeter Arzt, ferner Inspektor der dortigen Berg- und Eisenwerke. Bald bewirbt er sich um die freie Stelle eines Hof-, Stadt- und Landphysikus der Fürstpropstei Ellwangen und wird 1797 in die Stadt an der Jagst berufen; letzter Fürst der aus einem Benediktinerkloster hervorgegangen Propstei ist Klemens Wenzeslaus in Union mit seinen Ämtern als Fürstbischof von Augsburg und Trier. Schon 1803 fällt die Propstei durch die Säkularisation an Württemberg. Frölich wird in württembergische Dienste übernommen und bekleidet nach einigen Neu- und Umorganisationen das Amt eines Kreismedizinalrats des Jagstkreises mit der Hauptstadt Ellwangen. Dienstordnungen erlauben und verpflichten ihn, jedermann ob arm oder reich, auch privat ärztlich zu behandeln; arme Kranke behandelt er um Gottes Lohn. Als 1814 auf dem Heidenheimer Schloss Hellenstein kranke Soldaten aus Truppen Napoleons und nachrückenden Truppen seiner Gegner einquartiert werden, bricht eine als Nervenfieber und Unterleibstyphus beschriebene Epidemie aus, rafft 104 Soldaten, 36 Krankenhelfer und fünf Ärzte hinweg und droht sich über die ganze Gegend auszubreiten. Frölich eilt nach Heidenheim, lässt das Inventar, alle Betten und Bettgestelle des Hospitals verbrennen und schlägt die Seuche nieder. Dafür wird ihm am 1. Juni 1816 der Zivilverdienstorden verliehen, verbunden mit der Erhebung in den persönlichen Adelsstand. Frölich stellt niemals einen Antrag auf Versetzung in den Ruhestand und ist bis zu seinem Tod als Arzt im Dienst. Schwäbische Flora. Frölich erforscht die Pflanzenwelt des Allgäus und ist einer der frühesten und zugleich besten Kenner der Flora seiner Allgäuer Heimat. In Mooren von Seeg entdeckt er neu und erstmals für Deutschland die Moor-Binse Juncus stygius an seinem unten geschilderten Hochzeitstag. Im Gebiet des späteren Ostwürttemberg verfasst der Arzt Johann Hornung (geboren 1573, zuletzt erwähnt für 1625) aus Heidenheim eine Flora dieser Stadt an der Brenz. Das Werk ist verschollen und vermutlich zerstört durch den mörderischen Dreißigjährigen Krieg. Erst 1797 setzt Frölich die Erforschung der Flora Ostwürttembergs fort. Er ist ein Pionier der württembergischen Moosforschung (seine meisten Funde in der neuesten baden-württembergische Moosflora noch unberücksichtigt) und findet bei Ellwangen das Biegezahnmoss Anacamptodon splachnoides als weltweit neue Art. Bei den Farnen macht er den bis zum heutigen Tag einzigen baden-württembergischen Fund der Vielteiligen Mondraute Botrychium multifidum „bey den Lautenhöfen im Walde“ (Engelhardsweiler bei Ellwangen, Foto des Belegs links). Unter den Blütenpflanzen entdeckt er auf Bergen der Schwäbischen Alb die neue Art des Frölichschen oder Krainer Thymians Thymus froelichianus (links neben Frölich abgebildet), welcher sich auf der Ostalb kaum einmal mit dem Arznei-Thymian Thymus pulegioides vermischt, auch wenn beide Sippen nebeneinander wachsen. Frölichs ostwürttembergische Flora stellt aus seinen Herbarien und Manuskripten die Schrift links vor, darin ist auch eine größere Frölich-Biografie enthalten.
Botanische Systematik. Zu Frölichs Zeit gibt es an Universitäten noch keine naturwissenschaftlichen Fakultäten. Frölich studiert Botanik als Teil des Medizinstudiums und erforscht die Stellung der Pflanzenarten im System der Natur. Im Jahr 1791 findet er auf dem Nockerjoch bei Innsbruck und auf der Schneealpe bei Wiener Neustadt eine bisher unbekannte Moosart und sendet eine Probe Johann Hedwig nach Leipzig. Der berühmte Moosforscher benennt die neue Art nach dem schwäbischen Studenten Frölichisches Schirmmoos Splachnum froelichianum, beschreibt sie und bildet sie ab, heute nach Überführung in eine neue Gattung Tayloria froelichiana benannt. Frölich (1792) selbst beschreibt in den Annalen der Botanik, dem ältestem vom Züricher Arzt Usteri herausgegebenen botanischen Periodikum, einen Milchlattich des Erlanger Botanischen Gartens, von dem er glaubt, es sei die Art, die Carl Linné Sonchus canadensis nennt. Doch hat er die neue Art des Großblättrigen Milchlattichs Sonchus macrophyllus entdeckt, was einige Jahre später Willdenow erkennt, heute nach Überführung in eine neue Gattung Cicerbita macrophylla genannt. Frölich (1838a und b) beschreibt die vielgestaltigen Habichtskräuter oder Hieracien und eine Sektion von Pippau oder Crepis. An diesem Werk arbeitet er über dreißig Jahre und sammelt dafür über 6000 Hieracien (Im Naturhistorischen Museum Paris in den Sammlungen von Schultz-Bipontinus? Dieser Hieracienforscher bekommt von Frau Frölich die Uhr ihres verstorbenen Mannes. Auch seine Hieracien?). Die Monografie der zwei Gattungen erscheint im Prodromus Systematis naturalis Regni Vegetabilis des Genfer Pflanzensystematikers Augustin Pyramus de Candolle. Am bekanntesten ist die Doktorarbeit Frölichs (1796a, b) über die Enziane mit dem Titel De Gentiana. Darin teilt er die Enziane in die heute zum Teil noch gebräuchlichen Sektionen Coelanthae, Calathianae, Endotrichae und Crossopetalae ein. Er beschreibt neu die Art Gentiana linearis aus Nordamerika. Lange Zeit gilt Frölich als Erstautor des Triglav-Enzians Gentiana imbricata, doch hat Hacquet schon 1782 die Art unter dem Namen Gentiana terglouensis beschrieben, welcher ältere Namen Vorrang hat (nomenklatorisches Prioritätsgesetz). Am Schluss seiner lateinischen Dissertation schildert Frölich (1796a: S. 139) die Gewinnung von Enzianschnaps, hier in Übersetzung Hoppes (1796: S. 243): Aus den frischen Wurzeln [des Gelben und des Ungarischen Enzians] brennen einige Alpenbewohner in Berchtesgaden, Steiermark, Allgäu, Bayern usw. durch die Gärung einen sogenannten Enzian-Branntwein. Sie ziehen daher, sobald der Schnee geschmolzen ist, auf die Gebirge, oft mit Weib und Kindern, und verbleiben daselbst den ganzen Sommer. Sie haben ein eigenes erkauftes Privilegium darüber, und werden daher auch Enzianbranntweinbrenner genannt. Es ist ein alter Brauch der Botaniker, neu entdeckte Pflanzenarten befreundeten Botanikern zu widmen. Hladnik, Wulfen, Jan und Reichenbach benennen die 1804 „auf den Krainischen Kalkalpen an sonnenreichen felsichten Plätzen“ (Hoppe in Sturm 1829, 54. Heft: Blatt 11) neu entdeckte Enzianart des Karawanken-Enzians Gentiana froelichii nach dem schwäbischen Naturforscher (Fenaroli 1974). Sie ist erstmals aufgefunden worden auf der höchsten Kuppe der Steiner Alpen Velka Planava, wächst ferner in den Karawanken (Gipfel des Hochobir nach Franz und weiteren Autoren, Leute & Zwander in Klemun u.a. 1999: S. 176, S. 233f.), in den Julischen Alpen und Voralpen (Monte Plauris), sowie in den Venetianischen Voralpen, ist ein auf diese kleinen fünf Areale beschränkter Endemit der südöstlichen Kalkalpen (von griechisch endemos = an einem Ort verweilend). Herbarien. Frölichs gesammelte Pflanzen sind durch ihr Alter und durch die Internationalität der vertretenen weiteren Botaniker bedeutend. Sie galten lange Zeit als verschollen, bis 1970 Siegfried Künkele und Siegmund Seybold im Herbar des Konstanzer Apothekers Ludwig Leiner (Herbarkürzel KONL) Frölichsche Pflanzen wiedergefunden haben. Nach jüngsten Zählungen sind in Konstanz 2483 Pflanzen, 1811 von Frölich selbst, die übrigen von seinen Korrespondenten gesammelt. Leiners Herbar ist mittlerweile restauriert und katalogisiert und wird im Konstanzer Stadtarchiv als Teil des Bodensee-Naturmuseums aufbewahrt. Weitere Pflanzen haben 1993 Wilhelm Sauer, Cornelia Dilger-Endrulat und Hans Wolf im Herbarium der Universität Tübingen (TUB) gefunden. Es sind über zehntausend Flechten, Moose, Farn- und Blütenpflanzen, abgeschätzt nach dem Frölich-Anteil durchgesehener Faszikel (Sammelbünde). Sie hat der Tübinger Professor Hugo Mohl (1805-1872) aus Frölichs Nachlass erworben, ein Schüler seines „väterlichen Freunds“ Frölich (Ahles 1873: 44); Mohl ist in Strasburgers Zeittafel der Botanik an zwei Stellen genannt. Frölichs Pflanzen sind in die allgemeinen Sammlungen beider Herbarien inseriert, man findet sie mit Frölichs Schrift auf den Etiketten (Schriftprobe links oben), in Konstanz auch mit Herkunftsvermerken Ludwig Leiners (ebenfalls links oben) und mit einem digitalen Inventar. Schmetterlinge und Käfer. Frölich sagt in einem Brief vom 26. März 1828 seinem Esslinger Kollegen Ernst Gottlieb Steudel (Universitätsbibliothek Uppsala): „Seit ein paar Monaten bin ich gezwungener Weise Lepidopterologe (von gr. lepis = Schuppe und pteron = Flügel) geworden, weil mein Sohn zu faul war, seine inaug. diss. (Inauguraldissertation) selbst zu schreiben.“ Die Doktorarbeit des Sohnes Franz Anton Gottfried Frölich (1828) ist vom Vater! Ihm auch dankt Gustav Schübler, Tübinger Professor und Frölich-Schüler, für seine Mitarbeit am Ende der Arbeit. Sie enthält Beschreibungen von nicht weniger als 249 Kleinschmetterlingen Württembergs und des Allgäus, darunter auch eine ganze Anzahl neuer, die den Autornamen Frölich tragen. Es beschreibt die Wickler (Tortricidae), so wie sie der Autor umgrenzt, mit Fundorten vor allem in Ellwangen, ferner Bühlertann, Ehingen, Gerabronn, Heidenheim, Heilbronn, Tübingen oder Unterkochen. Inhalte daraus überträgt der Vater Frölich in die Fortsetzungen von Jacob Hübners Schmetterlingswerken (in seiner sonst vortrefflicher Hübner-Bibliografie verwechselt Hemming 1937 den Sohn mit dem Vater). Von Frölichs Schmetterlingssammlungen ist weniges in den Bayerischen Zoologischen Staatssammlungen erhalten. Bei den Käfern beschreibt er mehrere neue Arten von Laufkäfern, wofür er von Jacob Sturm im Schnellläufer Harpalus froelichii verewigt wird. Frölich hinterlässt ein Verzeichnis der selteneren Insekten der Fürstpropstei Ellwangen im Manuskript, welches bisher noch nicht für die faunistische Beschreibung Baden-Württembergs herangezogen worden ist, aber durch sein hohes Alter wichtig und wertvoll sein dürfte. Eingeweidewürmer. Frölich ist weltweit einer der frühesten Erforscher dieser Würmer, ein Pionier der Helminthologie (von gr. helmins = Wurm). In drei Schriften beschreibt er von 1789 bis 1802 eine Reihe neuer Eingeweidewürmer, besonders von Vögeln und Amphibien, von denen nicht wenige den Autornamen Frölich tragen. Er entdeckt den ersten Vertreter der merkwürdigen Zungenwürmer und somit, ohne das selbst zu wissen, einen neuen Stamm, also eine oberste Ordnung des Tierreichs, Linguatulida genannt. Dieser Name leitet sich her vom Artnamen Linguatula serrata oder „Sägezähniger Zungenwurm“, den Frölich seiner erstentdeckten Zungenwurmart wegen der Ähnlichkeit mit einer Spatzenzunge gibt, wie er selbst in die Erstbeschreibung schreibt. Deren geschlechtsreife Tiere leben in Nasen- und Stirnhöhlen ihrer Endwirte Hund, Wolf oder Fuchs. Heute kennt man zahlreiche weitere Zungenwurmarten, alle in fleischfressenden Endwirten lebend, Menschen werden selten befallen (Fehlwirte). Über Frölichs helminthologisches Werk, seine im allgemeinen exakten Beobachtungen und sehr guten Abbildungen wird in Kürze ein bisher ungedruckter Aufsatz von Günther Osche aus Freiburg hier erscheinen. Weiterer Lebenslauf. Am 16. August 1796 ist Frölich mit der elf Jahre jüngeren Maria Aloysia Veronika Rösch (1777-1862), Tochter des Füssener Hofrats Dr. Franz Anton Rösch, auf botanischer Exkursion in Seeg im Allgäu und findet erstmals in Deutschland die Moor-Binse Juncus stygius. Der Herbarbeleg ist erhalten (Rathgeb-Herbar in TUB). Am gleichen Tag heiratet Frölich seine Braut vor Eintreffen der damals für Beamte noch vorgeschriebenen Heiratsgenehmigung des Dienstherrn, denn im Gästezimmer des Pfarrhauses ist nur ein Bett vorhanden (Marianne Debler mündlich). Ein Trauzeuge ist der Ortskaplan Christoph Schmid, Dichter des Lieds „Ihr Kinderlein kommet“. Aus Frölichs Ehe gehen zehn Kinder hervor: Johann Aloys Paul (1798-1884), Creszentia Aloysia (1800-1827), Maria Anna Veronika (1803-1894), Franz Anton Gottfried (1805-1878), Carl August Eduard (1809-1892), August Carl (stirbt am Geburtstag des Jahres 1810), Carl Ernest (1811-1859), Emil Alexander (1815-1901), Ludwig Hieronymus (1816-1899) und Bertha Ludovika Franziska (1818-1889). In die Familie nimmt das Ehepaar Frölich aus den Händen von Napoleons Bruder Jérôme Bonaparte und dessen Ehefrau Katharina von Württemberg das Kind Christine Kuss (1814-1894) auf (ein Findelkind aus Triest, kein illegitimes Kind Jérômes), als der dicke württembergische König Friedrich I. in den Jahren 1815 und 1816 nach Napoleons Niederlage in Waterloo den Schwiegersohn Jérôme und seine mit ihm verheiratete Tochter auf dem Ellwanger Schloss in Halbgefangenschaft hält und diese Frölich als Leibarzt wählen und oft hinzuziehen. Die unverheiratete Pflegetochter Christine versorgt ihre Pflegemutter Aloysia Frölich bis zum Tod. Ihr Mann ist in seinem 75. Lebensjahr auf der Jagd, zieht sich eine Lungenentzündung zu und stirbt an deren Folgen am 11. März 1841. Josef Aloys Frölich und seine Frau sind begraben auf dem Ellwanger Friedhof bei St. Wolfgang. Das Grab ist nicht mehr erhalten, doch an die innere südliche Friedhofsinnenmauer das gusseiserne Grabkreuz angebracht.
|