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Gesellschaft für Naturkunde
in Württemberg
Die Rems fließt blau vor der Stadtmauer. Der höchste Bau der ummauerten Stadt Schwäbisch Gmünd ist das Münster mit dem hohen, langen Dach. Es steht auf Geröllen, die der Tierbach (auch Tierach) aus Bergen ins Tal anschüttet. Das meiste Bachwasser leitet man bei einer mittelalterlichen Stadterweiterung in einen Stadtgraben an die nach Westen vorgerückte äußere Stadtmauer um, dieser tiefe, jetzt für die Landesgartenschau angehobene Bachlauf heißt früher Tierbach (Werfer 1813: S. 34), heute Josefsbach oder Waldstetter Bach. Er mündet gegenüber der Pappelallee in die Rems. Aus dem Tal steigt links der Keuper in den beschatteten Zeiselberg auf, jenseits vom Tal des Waldstetter Bachs in den sonnenbeschienenen Straßdorfer Berg. An der scharfen Oberkante dieser Berghänge beginnt der Unterjura (Schwarzjura) und verebnet sich. Den Fuß der drei kegelförmigen Berge Stuifen, zweigipfeliger Rechberg und rechts Hohenstaufen bildet der Mitteljura (Braunjura). Ihre Hänge und Gipfel sind Oberjura (Weißjura), ebenso die im Hintergrund aufragende zusammenhängende Bergkette der Schwäbischen Alb (Albtrauf).
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GEOLOGIE. Das schwäbische Hügelland bauen Schichten des Muschelkalks und des Keupers, die Schwäbische Alb des Juras auf. Am Übergang der beiden Schichtstufen liegt Schwäbisch Gmünd im Remstal. Aus dem Tal steigen steile Keuperhänge auf, unten helle, feste Stubensandsteine, darüber rote, zu Rutschungen neigende Knollenmergel, die Hangoberkante aus harten, braunen Felsen. In ihnen beginnt der Unterjura, auf ihnen liegen oben graue bis braune Lehme auf und breiten sich in Ebenen aus. In der Jurazeit hat ein Meer diese Gegenden bedeckt. Aus dem Jurameer findet man Versteinerungen von Meerestieren wie Krebsen, Muscheln, Schnecken, Korallen oder Seelilien (Tiere!). Besonders aber Belemniten und Ammoniten, heute ausgestorbene Weichtiere aus der Klasse der Kopffüßer, den rezenten Tintenfischen am nächsten verwandt. Die Gehäuse der Ammoniten ähneln Hörnern männlicher Schafe Ovis ammon, sie sind gekammert mit nach außen austretenden Scheidewänden, der Kopf der Tiere mit guten Augen und Fangarmen versehen. Manche Arten der artenreichen Gruppe haben sich (in geologischen Zeitmaßstäben betrachtet) schnell auf neue Umweltbedingungen spezialisiert, sind aber mit deren Änderungen ebenso schnell wieder ausgestorben. Gerade diese spezialisierten Arten sind zur zeitlichen Gliederung und Ordnung der Gesteinsfolgen vorzüglich geeignet als Leitfossilien oder Zonenleitarten der Schichtenfolge und in die folgende Tabelle aus dem Buch von Werner K. Mayer (2010) über den Gmünder Unterjura zusammengestellt.
SCHRIFTEN. Geologie. Fraas, Eduard (1913): Leitfaden für den Geologischen Unterricht in den württembergischen Schulen. - Stuttgart (Verlag des Württembergischen Lehrervereins für Naturkunde), 58 S. + 8 Tafeln mit Versteinerungen. Didaktisch vorzügliche Übersicht. - Scherzer, Hans (1922): Erd- und pflanzengeschichtliche Wanderungen durchs Frankenland II. Teil: Die Juralandschaft. 1. Band. - Nürnberg (Spindler), 192 S. - Frank, Manfred (1942): Der Gesteinsaufbau Württembergs. Eine Einführung in praktisch-geologische Fragen, insbesondere für Bau- und Bergingenieure, Chemiker und Forstmann. - Stuttgart (Schweizerbartsche Verlagsbuchhandlung), 168 S. - Trauzettel, Gerhard (1962): Die Rutschungen der Württembergischen Knollenmergel. - Stuttgart (Arbeit Nr. 32 aus dem Paläonthologischen Institut der Technischen Hochschule), 183 S. + 12 Faltblätter. Rutschungsursache sind Gleichgewichtsstörungen der Hänge. Typologie der Rutschungen in Gleitflächenbruch-Rutschung, flache Schuttrutschung, Rutschungsfließung. Biologische Stabilisierung mit flach- wie tiefwurzelnden Pflanzen. - Mayer, Werner K. (2010): Der Unterjura in der Umgebung von Schwäbisch Gmünd. - München (Verlag Dr. Friedrich Pfeil), 256 S. Beschreibt Stellung des Unterjuras im Gefüge der Erdkruste, Gliederung in Schichtstufen, wichtigste Fossilgruppen, Nutzung der Unterjuragesteine für Handwerk, Bauwesen, Industrie und Kunst, enthält Biografien der Sammler und Forscher und schönste Fossilienfotos und ein Verzeichnis aller wichtigen Vorgängerschriften.
Naturgeschichte. Werfer, Franz Joseph (1813): Versuch einer medizinischen Topographie der Stadt Gmünd an der Rems im Königreich Württemberg. - Schwäbisch Gmünd (gedruckt bei Johann Georg Ritter), [3] + 293 S. + 1 gefaltetes Blatt + 2 farbige Kupferstiche. Das Buch ist bloß von vier öffentlichen Bibliotheken bekannt, darunter dem Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, wegen seiner Seltenheit bisher kaum für die Wissenschaft benutzt worden. Jetzt im Internet. Der ganz oben zitierte Satz von S. 223. - Fischer, Hermann (1908): Schwäbisches Wörterbuch. Zweiter Band. - Tübingen (Verlag der Lauppsche Buchhandlung), 1904 Spalten. - Fischer, Hermann (1913): Schwäbisches Wörterbuch. Vierter Band. - Tübingen (Verlag der Lauppsche Buchhandlung), 2098 Spalten. Nach Spalte 1863 Näber = Bohrer. - Klein, Walter (1948): Bilder aus Alt-Gmünd. - Lorch (Alfons Bürger Verlag), 148 S. Auf S. 37 Biografie von Johann Sebald Baumeister, Maler der obigen Gmünder Stadtansicht: Am 2. Oktober 1775 in Augsburg geboren, wird 1805 zum öffentlichen Zeichenlehrer nach Gmünd berufen, stirbt dort am 9. März 1829. Neben vielen Ansichten von Gmünd und Umgebung schafft er drei Skizzenbücher mit Federzeichnungen Gmünder Bürgertypen, worin er sich selbst als Vierzigjähriger lustig abbildet mit gebogener Nase, Nickelbrille, eirundem Kopf (Bild). - Werfer, Franziska (1974): Die Familie Werfer in der Geschichte der Stadt Ellwangen. - Ellwanger Jahrbuch 25: S. 321-391. Auf S. 341-355 Biografie von Dr. Franz Joseph Werfer (1778-1823) und seiner Frau Therese geborene Schmid (1773-1854). - Lahnstein, Peter (1980): Württemberg anno dazumal. Streifzüge in die Vergangenheit. - Stuttgart (W. Kohlhammer), 196 S. Zeigt und bespricht auf S. 38f. die Gmünder Stadtansicht Baumeisters. - Spranger, Peter & Klaus Graf (1984): Schwäbisch Gmünd bis zum Untergang der Staufer. In: Herrmann, Klaus Jürgen (Herausgeber): Geschichte der Stadt Schwäbisch Gmünd: S. 53-86. - Stuttgart (Konrad Theiss Verlag), 660 S. Aus S. 67ff. die Bach- und Wasserbaugeschichte von Tierach (Tierbach, Josefsbach, Waldstetter Bach) geologisch und hydrologisch erschlossen für obige Bildunterschrift. - Rodi, Dieter (2010): Landschaft, Boden und Vegetation des Unterjuras um Schwäbisch Gmünd. - In: Werner K. Mayer (2010): S. 154-161. - Schweigert, Günter, Thomas Balle & Hans Mischke (2010): Einsame Koralle [über Fund von Trigerastraea in Westhausen]. - Fossilien. Zeitschrift für Hobbypaläonthologen. Jahrgang 2010, Heft 6: S. 348-353.
Botanik.
Besler, Basilius (1613 in zwei Auflagen erschienen, erste dem
Eichstätter Fürstbischof Conrad von Gemmingen, zweite seinem Nachfolger
Christoph von Westerstetten gewidmet): Hortus Eystettensis. - Eichstätt
& Nürnberg (Verlag des Autors), Titelkupfer + 4 Zwischentitelkupfer
+ 367 Kupferstiche mit 1084 Figuren + rückseitige Texte. Zeigt auf Tafel
37, Figur IV Scilla bifolia unter dem Namen Hyacinthus parvus
stellatus vernus aus dem Eichstätter Bischofsgarten, auf der
Willibaldsburg über dem Altmühtal gelegen. Anmerkung: Im Schloss Ellwangen findet man die alte Schlossgartenpflanze noch im Schlossgarten auf der Ostbastei (Bild). Das Schloss Heuchlingen im Leintal ist
ein Ellwanger Amtsschloss. Aus Verwilderungen aus diesem und weiteren Leintalschlössern kann man das Vorkommen von Scilla bifolia in das Leintal am einfachsten und besten erklären, da disjunktes, isoliertes Vorkommen. - Kreh, Wilhelm
(1938): Verbreitung und Einwanderung des Blausterns (Scilla bifolia)
im mittleren Neckargebiet. - Jahreshefte Verein vaterländische Naturkunde
94: S. 41-94. Vorkommen des Leintals in Wiesen und Obstgärten
isoliert von anderen Vorkommen des Neckargebiets. Erklärt disjunkte
Verbreitungen mit unvollständiger Einwanderung, welche Erklärung ihn
aber später selbst nicht mehr voll befriedigt (Sebald u. a. 1998. S.
133). Anmerkung: Kultur in Schlossgärten, Verwilderungen und Anpflanzungen draus nicht
angesprochen, vom Autor offenbar übersehen. - Sebald, Oskar, Siegmund Seybold, Georg Philippi &
Arno Wörz (1998): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs.
Band 7. - Stuttgart (Eugen Ulmer), 596 S. |
Albertus-Magnus-Tagung
in Schwäbisch Gmünd
Samstag, 13. November 2010 Keuper und Unterjura von Schwäbisch Gmünd und Umgebung. Geologie, Fauna, Flora. EXKURSION ZUM SALVATOR UND INS TAUBENTAL
Rund fünfzig Naturfreunde begrüßten Dipl.-Ing. Hans Wolf, Leiter des Vereinszweigs Ostwürttemberg der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg, und Prof. Dr. Friedrich Bay, Vorsitzender des Naturkundevereins Schwäbisch Gmünd. Werner K. Mayer vom Naturkundeverein führte zum Sankt Salvator, einem Gmünder Wallfahrtsort am rechten Hang über dem Remstal. Dort stehen Felsen aus Stubensandstein. Sie nennt der Gmünder Stadtphysikus Franz Joseph Werfer (1813: S. 30) den Epperstein; so ein Name gehört meistens zu den alten Personennamen Eppo oder Eppe (Epple) nach Fischers Schwäbischem Wörterbuch (1908: Spalte 747). In seine Felswände sind mehrere Höhlen eingegraben. Die zwei größten zur Unter- und Oberkapelle der Wallfahrtsstätte ausgebaut. Den Gottesdienst darin führt die Sage in die Tage der Einführung des Christentums und seiner Verfolgungen zurück; von einer Lyoneser Christenverfolgung im Jahr 177 berichtet Bischof Irenäus von Lyon und von Christengemeinden, die selbst in den Provinzen Germania superior (und inferior) den rechten Glauben besitzen (Lorenz 2003: S. 68). Gleich über der obergermanischen Grenze liegt Gmünd in der römischen Provinz Rätien, der Salvator an der römischen Grenzmauer, unten im Remstal das Römerkastell Schirenhof. Sichere Nachweise der Salvator-Wallfahrt gibt es freilich erst seit dem 15. Jahrhundert (Gradmann 1907: S. 415).
Der Salvator steht auf dem Nepperberg. Sein Name kommt vom Epperstein, oder von Neberberg und Nepper-Berg, so wie diesen Berg die Urkarte um 1830 bezeichnet; Nepper ist nach Fischers Schwäbischem Wörterbuch (1913: Spalte 1863) ein Bohrer. Höhlen sind in die Felsen aus Stubensandstein eingebohrt (Foto oben).
Über den Höhlenzweck weiß man nichts, sicher ist von anderen Orten nur, dass man früher Stubensandstein ausgebrochen, gemahlen und zum Aufstreuen und Ausfegen der alten hölzernen Stubenböden verwendet hat. Auf den Nepperberg baut 1863 der Gmünder Kaufmann Johannes Buhl (1804–1882) die Buhlsche Villa. Ihren Garten überwuchtert später die Wildnis. Jetzt wird er von den neuen Eigentümern liebevoll gepflegt, darin sprudeln Quellen, laufen Brunnen, überrieselt ein Bach die Felsen. Der erneuerte Buhlsche Garten mischt sanft die Natur von aufblühenden Wildpflanzen mit der Kultur mannigfacher Gartengewächse, so besonders Tulpen, Lilien und Rosen zu märchenhafter Gartenidylle. Ungern verlässt man den zauberhaften Garten in das von Technik, Computern und Internet entzauberte Remstal. In das Remstal mündet oberhalb vom Salvator das Taubental ein. Diesen Gmünder Stadtwald besuchen viele Gmünder zu gesunder Leibes- und Geistesorganisation, jeder der zwei Teile eine vita propria (Goethes Maximen und Reflexionen). Ihren Leib und seine Grenzen erforschen Jogger, Runner, Nordicwalker, Mountainbiker und Marathonläufer. Zum geistigen Erleben auch der äußeren Natur wandern und spazieren Kinder und ihre Eltern geruhsam auf dem Erlebnispfad Naturatum und verweilen an Stationen wie Baumarten, Fuchsbau, Geologie und Boden, Barfußpfad, bei den Spechten, in Schlucht und Bach. Man tritt unten im Tal aus dem Wald heraus. Der bisher freifließende Taubenbach ist sogleich verdolt, über die Verdolung (Dole ist schwäbisch gleich Rohr) ist Gras eingesät zum dromophilen Rasenmähen. Man könnte, ja sollte den Bach aufmachen, sein lebendiges Wasser offenlegen bis an den Punkt, wo er unter die Straßenfläche verlegt ist und erst wieder an seiner Einmündung in die Rems an das Tageslicht tritt.
VORTRÄGE IM PREDIGER Das ehemalige Dominikanermännerkloster ist jetzt städtisches Kulturzentrum. In seinem Refektorium begrüßte Bürgermeister Dr. Joachim Bläse von der Stadt Schwäbisch die Tagungsteilnehmer. Dipl.-Ing. Hans Wolf berichtete über die jährlichen Albertus-Magnus-Tagungen des Vereinszweigs Ostwürttemberg der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg und ihre Benennung nach dem ostschwäbischen, 1193 in Lauingen an der Donau geborenen und 1280 in Köln gestorbenen Dominikanermönch und Naturforscher Albertus Magnus. Im Januar 1279 hat er sein Testament errichtet und neben anderen Vermächtnissen Legate (Erbschaften) an die Dominikanerinnenklöster St. Katharina in Würzburg, St. Marx in Augsburg und Gotteszell in Schwäbisch Gmünd gemacht. Dass er zuvor die Gmünder Dominikanerinnen und die Stadt Gmünd auf einer oder mehrerer seiner vielen Reisen besucht hat, kann als fast sicher gelten. Dass Albert als Mönch persönliches, vererbares Eigentum gehabt hat, ist eine päpstliche Befreiung vom Mönchsgelübde der Armut, die er in seinem Testament erwähnt.
Werner K. Mayer vom Naturkundeverein Schwäbisch Gmünd führte durch eine Ausstellung über den Unterjura von Schwäbisch Gmünd. Ungefähr 25 Millionen Jahre lang bedeckt das Jurameer das heutige Gmünd mit Verbindung zu großen Ozeanen, das Klima war subtropisch, das Wasser wohl 20 bis 25 Grad dauerwarm, Folge der damals anderen Verteilung von Land und Meer. Fossilfunde versteinerter Meerestiere aus dem Unterjura hat man in letzten Jahrzehnten in reicher Zahl gemacht, sind doch überall Siedlungen und Bauten aus den fossillosen Keupertälern auf die Jurahöhen hinaufgewachsen. Die Hauptgruppe der Petrefakten bilden Ammoniten mit Durchmessern von wenigen bis zu 70 Zentimetern. Besonderheit ist eine Seelilienkolonie der Gattung Seirocrinus, welche Tiere auf einem Baustamm durchs Jurameer getrieben sind (gefunden beim Kanalbau in Böbingen an der Rems1994). Eine weitere Rarität ist ein Stock von Korallen aus dem obersten Toarcium Lias zeta (nicht Opalinuston Dogger alpha) wahrscheinlich aus der Gattung Trigerastraea (Schweigert, Balle & Mischke 2010), Nesseltiere in warmem, sauerstoff-, licht- und salzreichen Wasser ähnlich heutigen Korallen, (gefunden beim Autobahnbau in Westhausen 1986). - Ein Buch dazu: Mayer, Werner K. (2010): Der Unterjura in der Umgebung von Schwäbisch Gmünd. - München (Verlag Dr. Friedrich Pfeil), 256 S.
Udo Gedack vom Naturkundeverein Schwäbisch Gmünd sprach über typische Pflanzen und Tiere beim Salvator und im Taubental. Das Tal hat steile Hänge, ihre Oberkante bildet der Unterjura, die Hangflächen der Knollenmergel und darunter der Stubensandstein. Tierwelt: An Reptilien kommen Ringelnatter in und am Wasser, Schlingnattern, Zauneidechsen und Blindschleichen an trockenen, auch sonnigen Orten vor. In Wasserrinnsalen und feuchter Waldluft leben von Amphibien Feuersalamander, Erdkröte, Grasfrosch. Pflanzenwelt: Am Rand des Taubentals stehen etliche Streuobstwiesen mit dem Wiesen-Salbei Salvia pratensis. Der größte Teil des Tals aber ist bewaldet, von Natur ein Tannen-Buchenwald, natürlich eingemischt Berg-Ulmen Ulmus glabra, künstlich eingebracht viele Fichten Picea abies (und etliche Douglasien Pseudotsuga menziesii, ein aus Amerika stammender Baum, stattliche Exemplare hat man bei der Exkursion gesehen). Die Krautschicht des Waldes steht im Halbdunkel. Aus einigen Bodenhorizonten wird Kalk ausgespült, dort wächst das kalkzeigende Ausdauernde Silberblatt Lunaria rediviva. Gewöhnlich aber ist der Boden kalkarm, Kalkflieher und Säurezeiger sind Rippenfarn Blechnum spicant oder Berg-Ehrenpreis Veronica montana. Wo viel Sickerwasser aus dem Hang austritt, den Boden durchnässt und ihn mit genügend Nährstoffen versorgt, blüht im Vorfrühling die Weiße Pestwurz Petasites albus aus dunkler Schlucht auf.
Prof. Dr. Dieter Rodi von der Gesellschaft für Naturkunde und vom Naturkundeverein Schwäbisch Gmünd stellte Landschaft, Boden und Vegetation des Unterjura um Schwäbisch Gmünd im Verhältnis zu Gesteinsart, Boden, Wasserhaushalt und Vegetation vor. Natürliche Vegetation auf den entkalkten, an der Oberfläche verlehmten Angulatensandsteinen ist der Waldmeister-Buchen-Tannenwald. Im Feld stehen auf Steilstufen Hecken aus Schlehen, Hasel, Heckenrosen, Weißdorn, Holunder. In Hecken über Arietenkalksteinen treten Liguster, Roter Hartriegel, Wolliger Schneeball hinzu. Aus Arietenkalkhängen erblühen im Frühlingslaubwald Kalk- und Nährstoffzeiger wie Hohler Lerchsporn, Gelbe Anemone oder Bärlauch, im Leintal bei Heuchlingen und Horn auch der seltene Zweiblättrige Blaustern Scilla bifolia (Anmerkung unten). Über eben ausgebreiteten Arietenkalksteinen trifft man Kalkscherbenäcker an, darin Acker-Wachtelweizen, Acker-Rittersporn und Sommer-Adonisröschen, wo Landwirt Johannes Hudelmaier aus Mögglingen seine Felder noch herbizidfrei zu farbenfoher Ackerflora bewirtschaftet. Turneritone, Numismalismergel und Amaltheentone, Posidonienschiefer und Jurensismergel bilden verwitternd schwere, dichte, speckige, staunasse Lehmböden. Man dräniert, entwässert, lockert sie für den Ackerbau auf. Auf die schwersten Böden baut man Wiesen an. In einigen Nasswiesen wachsen Wiesen-Knöterich und Trollblumen, an Bach- und Grabenrändern Bach-Nelkwurz und Kuckucks-Lichtnelke. Zwischen Mögglingen und Heuchlingen läuft der römische Limes im Jurensismergel durch das Grubenholz. Diese Grenzmauer, von den Alemannen Teufelsmauer genannt, haben die Römer aus ortsfremdem Arietenkalk gebaut, sie zerfällt nach einem großen Alemanneneinfall seit Ende des 3. Jahrhunderts, auf den Fundamentresten steht als Kulturfolger das Bingelkraut, dem Jurensismergel sonst fehlend. - Buchbeitrag: Rodi, Dieter (2010): Landschaft, Boden und Vegetation des Unterjuras um Schwäbisch Gmünd.
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