Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg
Vereinszweig Ostwürttemberg

Königsbronn und das Brenztal

Fünfzig Schritt von Kloster Königsbronn
Bei ei'm Fels, quillt der Brenz Ursprung.
An Wasser ist so reich die Quell',
Daß sie sieben stark Räder schnell
Treibt gleich ein' Eisenschmied' dabei,
Die Wahrheit tu' ich schreiben frei.
Kaum fünfzig Schritt vom Kloster über
Steht ein' Schmelzhütt' erneuert wieder,
Welche stark treibt der Pfefferbronn.
-
       Johann Hornung, 1618.

Zisterzienserkloster Königsbronn rekonstruiert auf die Zeit um 1540, 1552 zerstört.

ZISTERZIENSER UND KÖNIGSBRONN

Das Gemälde zeigt das Zisterzienserkloster Königsbronn rekonstruiert auf die Zeit um 1540. Wir blicken auf Berge der Schwäbischen Alb, davor das Brenztal. Der Brenzfluss entspringt (auf dem Bild unsichtbar, Karte rechts) aus dem Schmiedefelsen, dort wo im Hintergrund Schmiede- und Schmelzöfen rauchen, fließt längs der südlichen Klostermauer talab. Vor der dem Betrachter zugewandten nördlichen Mauer läuft ein Abzweig aus dem Ziegelbach, mündet unterhalb des Brückles in die Pfeffer. Dieser kleine Fluss entspringt aus einer Quelle am linken Rand des Brenztals (nicht sichtbar, Karte), treibt die Klostermühle und mündet bald danach in die Brenz (Karte). Von Westen her geht man unter dem Türmle durch das Torhaus in den äußeren Klosterhof, darin Gästehaus, Brunnen, Fremden- und Frauenkapelle, Bäckerei, Melkstall, Fruchtkasten (Scheuer), Mühle, Schmiede, Werkstätten. Im inneren Klosterbezirk die nach Osten ausgerichtete gotische Kirche, Kreuzgang, Abtshaus (Prälatur), Mönchshaus (Klausur), Krankenhaus (Infirmarium) und Garten.

Königsbronn. Sein Name erinnert zugleich an seinen Stifter, den deutschen König Albrecht I., den Sohn Rudolfs von Habsburg, und an seine Lage bei der Quelle des Brenzflusses, deren blaue Gewässer in reichlicher Fülle unter mächtigen Felsen hervorsprudeln. - Karl Pfaff, 1857.

In burgundischen Kloster Cîteaux, von Wasser umgeben, entsteht im Jahr 1098 der Zisterzienserorden. Die Mönche leben den Ordensregeln des Heiligen Benedikt und legen drei Gelübde ab: Gegen Besitztrieb Armut. Gegen Sexualtrieb Keuschheit und Ehelosigkeit. Gegen Machttrieb Gehorsamkeit zum Abt. Ihr Kloster bildet eine Gemeinschaft aus Abt, Abtstellvertreter (Prior), Kellerverwalter und weiteren Chormönchen, alles geweihte Priester, sowie Laienbrüdern oder Konversen (ins Kloster übergetretene Männer). Ihren Tagesablauf bilden gemeinsames Essen, Schlafen, Arbeiten und an oberster Stelle Beten mit Eucharistie und Stundengebeten. Sie tragen ein weißes Wollgewand, darüber ein schwarzes Skapulier (Glasbild aus dem Kölner Dom). Im Kloster gibt es bloß zwei Wärmestuben. Genuss von Säugetierfleisch ist verboten, Fischverzehr erlaubt. Kein Mönch darf lange Zeit außerhalb des Klosters und an anderen Orten verweilen, stabilitas loci ist eine wichtige Klosterregel. Ihre Klöster bauen die Zisterzienser nach einer weiteren Ordensregel auf das Land, in keine Städte oder Dörfer, oft an fließendes Wasser.

Im Schweiße Deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zum Ackerboden; von ihm bist du ja genommen. Genesis. - Die Mönche unseres Ordens müssen von ihrer Hände Arbeit leben. Daher dürfen wir zum eigenen Gebrauch besitzen: Gewässer, Wälder, Weinberge, Wiesen, Äcker sowie Tiere. Ordensregel der Zisterzienser Kapitel XV.

Natürliche Lebensgrundlage für ihr Gottesleben, nicht Lebenszweck als solcher, ist Zisterziensern die Handarbeit. In Königsbronn befischen sie den einstigen See am Seegartenhof oberhalb ihres Klosters, den Abt Melchior Ruff (1513-1540) vermehrt und verbessert, sowie den noch bestehenden Itzelberger See. Sie betreiben am ersten See den Seegartenhof mit der Ziegelhütte, in Itzelberg einen zweiten Hof, der nach Größe, Ummauerung und naheliegender Kapelle, welche die Karte von 1737/38 noch zeigt (rechts), ebenso eine Grangie ist, so wie allein Zisterzienser ihre Bauernhöfe nach granicum oder Kornspeicher benennen. Über dem Brenztal roden und bewirtschaften sie Albwälder, besonders in Ochsenberg und Zang, zwei vom Kloster angelegte Walddörfer, ferner um Steinheim und Sontheim herum, im Jahr 1471 etwa 12.000 Hektar Wald auf dem Härtsfeld und dem Albuch (Weis 1986). Sie arbeiten in den eigenen Eisenwerken von Köngisbronn, verleihen allerdings 1479 die Itzelberger Schmiede den Brüdern Jörg und Weinhart als Erblehen, bringen sie später zum Teil wieder in eigene Hand.

Ora et labora, Beten und Arbeiten, ist keine Ordensregel schon des Heiligen Benedikt. Arbeiten wird erst seit dem Spätmittelalter auf gleiche Höhe wie Beten gestellt, so wie der schwäbische Maler Jörg Breu im Jahr 1500 neben den betenden Heiligen Bernhard feldarbeitende Mönche malt (Stift Zwettl in Niederösterreich). Seit jener Zeit erst glaubt man, asketische Arbeit und erzielter Arbeitserfolg seien ein irdischer Weg, um Gott im Himmel wohlzugefallen. Zum Lesen, Beten und zu feuriger Arbeit ruft der Schöntaler Zisterzienserabt Benedikt Knittel (1650-1732) 1714 seine Mitmönche auf, da Gott überall alles sieht: Nunc lege, nunc ora, nunc cum fervore labora; Fac ninhil oblique, DEUS omnia cernit ubique. Die seither herrschende Arbeitsfrömmigkeit, ja Arbeitsheiligung ist nicht auf Protestanten, Calvinisten oder Pietisten beschränkt, wie Max Weber (1904, 1905) glaubt, sondern auch unter Zisterziensern und Katholiken verbreitet, schwäbisch Schaffen genannt.

In seinem Todesjahr 1732 nimmt Abt Knittel ein Sabbatjahr. Nun entsteht der den ursprünglichen Zisterzienserregeln widersprechende, mittlerweile überall auch in die bürgerliche Freizeit- und Urlaubsgesellschaft eingedrungene Glaube, harte Arbeit müsse man mit Urlaub, Reiselust, ja Reiseflucht vom und vor dem gewöhnlichem Aufenthaltsort ausgleichen. Kaisheimer und Salemer Zisterzienseräbte verbringen die Sommer auf den Grangien Birnau und Leitheim zwischen Weinbergen in feinsten Schlössern, bei klosterabgelegenen kleinen Kirchen (alles vom Besten, was schwäbischer Barock und Rokoko geschaffen haben), blicken in Mußestunden auf den still daliegenden Bodensee, in Leitheim auf die ruhig dahinströmende Donau, damals (im Vergleich zu heute) fast noch paradiesische Landschaften. Betend schauen sie am Altar des Heiligen Bernhard auf zum sehr irdischen Birnauer Honigschlecker, geschaffen von Joseph Anton Feuchtmayer um 1750, erinnernd an den honigsüß sprechenden Bernhard, größter Heiliger ihres Ordens.

Für den Reformator Martin Luther sind weltliche Berufsarbeit, Ehe und Familie äußerer Ausdruck der Nächstenliebe und somit Christenpflicht, er will Auflösung der Klöster. Nach der Reformation Altwürttembergs entlässt Herzog Christoph die Mönche der unter seinem Schutz stehenden Klöster, setzt in die Zisterzienserklöster Königsbronn 1553, Herrenalb 1555, Maulbronn 1557, Bebenhausen 1560 evangelische Äbte ein, belässt den beiden letzten Klöstern aber Klosterschulen, da Luther in ihnen den ursprünglichen Zweck des Mönchtums erblickt. Gänzlich werden die evangelischen württembergischen Klöster 1806 säkularisiert. Katholisch gebliebene Klöster fallen schon durch die napoleonische Säkularisation und Enteigung 1802/1803 in weltliche Hand, das Königsbronner Stammkloster Salem an das Haus Baden, Schöntal und mehrere weitere an den württembergischen Staat, etliche an Fürsten und Grafen (Erzberger 1902). Es bleiben von schwäbischen Zisterziensern Höhepunkte der Religiosität, Kunst und Technik: Kirchen und Klosterbauten von Bebenhausen, Kaisheim, Salem, Maulbronn (Weltkulturerbe), die Wallfahrtskirche Birnau mit Schlössle, das Abtsschloss Leitheim mit kleiner Kirche, die Königsbronner Eisenwerke.

NATURKUNDE DES BRENZGEBIETS

Hydrologie. Die Brenz ist der wasserreichste Donauzufluss der Schwäbischen Alb. Sie entspringt in Königsbronn aus einem Albfelsen in einen blauen Quelltopf (Bild links), durchfließt den künstlich gestauten Itzelberger See, dann Heidenheim, Herbrechtingen, Giengen und mündet bei Faimingen von links in die Donau ein. Alles Flusswasser der Brenz entstammt abzüglich der Luftverdunstung dem Niederschlag. Ein Teil fließt ihr unmittelbar von der Bodenoberfläche zu, viel Wasser versickert in den Boden und gelangt aus Quellen in die Brenz. Regen- und Schneewasser nämlich dringen in Ritzen, Spalten, Klüfte, Rinnen und Höhlen des durchlässigen Jurakalkgebirges ein, versickern in diesem Karstgebirge, sinken der Schwerkraft folgend auf un- und schwerdurchlässige Mergel herab und laufen in zwei Quelltypen aus: 1.) Schichtquellen ergießen ihr Wasser aus dem seichten Karst frei und ungespannt an die Erdoberfläche. Solche Quellen kommen auf Höhen des Brenzgebiets vor (im Prinzipschnitt an der Mergelschicht ki5), sind nur schwach und unbedeutend gegenüber den zwei Kocherquellen auf der gegenüberliegenden Rheinseite der Alb aus dem dortigen seichten Karst.


Weißjura = Oberjura: Oxfordium (ox), Kimmeridgium (ki) und Massenkalke (joM). Braun undurchlässige Mergel. Blau verkarstete, wasserführende Kalke (Bankkalke, Massenkalke). Obenauf Feuersteinlehmen (Fl).

Im donauseitigen Brenzgebiet fallen die wasserstauenden Hauptmergel südostwärts immer mehr in die Tiefe. Wo den mächtigen überlagernden Karstwasserkörper ein tiefer Talgrund anschneidet und der Karstwasserzustrom den Fels durchbricht, drückt das Wasser von unten her aus tiefem Karst in 2.) Tiefenquellen empor. Das austretende Quellwasser ist kühl, klar, die Farbe in den Quellen blau und etwas ins Grünliche spielend, blaugrün strömt das Brenzwasser weiter. Fünf solche Felsenquellen gibt es im oberen Brenztal: Ganz oben am Seegartenhof die schwache Quelle vom Ziegelbach. In Königsbronn die wasserreiche Brenzquelle. Gegenüber die Quelle der Leeraus, leer auslaufend, wenn der Karstwasserspiegel unter ihre Austrittshöhe sinkt, der folgende Leerausbach dann oft über Monate trocken liegend. Dreihundert Schritte abwärts die Quelle der Pfeffer mit mittlerer Schüttung. Die Heidenheimer Brunnenmühlquelle schüttet am meisten, im Mittel 1500 Liter pro Sekunde:

Quellen im
oberen Brenztal

Talseite

Ort

Abflussjahre

Mittelwasser-
abfluss
Liter pro Sekunde

Ziegelbach

rechts

Königsbronn

geschätzt

3 bis 7, im Mittel vielleicht 5

Brenz selbst

rechts

Königsbronn

1892-1901

1194

 

 

Königsbronn

1954-2001

1270

Leerausbach

links

Königsbronn

geschätzt

fast Null (Hochwasser bis 200)

Pfeffer

links

Königsbronn

1954-1995

322

Brunnenmühle

rechts

Heidenheim

langjährig

etwa 1500

Eisen der Ostalb. Auf der Albhochfläche der Ostalb steht Weißjurakalk an. Er verwittert in der Tertiärzeit zu Bohnerzen, man findet sie in Lehmmulden (Letterze), in Felsspalten und Felshöhlen (Felsenerze), in Größen von wenigen Millimetern bis zu zehn Zentimetern. Am rheinseitigen Steilabfall gibt es bei Aalen und Wasseralfingen Stufenerze der Jurazeit (Erzflöze), wohl auch im donauseitigen Königsbronner Zahnberg (kaum erforscht). Bohnerze bauen schon die Kelten, die Römer und die frühen Alamannen über Tag ab, Stufenerze werden erst seit dem Spätmittelalter im Tagbau, seit Ende des 18. Jahrhunderts mit Stollen ergraben. Beide Erze zusammen geben das beste Eisen. Man schmilzt sie mit Feuer aus Holzkohle, auch aus Torf, seit den Eisenbahnanschlüssen aus Steinkohle in Hoch- und Horizontalöfen zu Eisen; die nötige Feuerungsluft erzeugen wasserkraftgetriebene Blasebälge. Das Eisen gießt man in Formen, schmiedet es, hämmert und walzt es mit der Wasserkraft. Bloß eine Bohnerzgrube noch ist 1893/1894 in Betrieb, 1925 wird in Wasseralfingen der letzte Hochofen abgeblasen, 1948 der Aalener Stufenerzabbau beendet, welches Erz zuletzt ins Ruhrgebiet zur Verhüttung verschickt worden ist. Jetzt beziehen die Eisenwerke der Ostalb, voran Königsbronn und Wasseralfingen, externe Eisen und führen ihre zu höchster Vollkommenheit entwickelte Eisenverarbeitung fort.

Ofenplatte, nach 1528 und vor 1553 im Königsbronner Zisterzienserkloster gegossen. Der Adler weist es als Stiftung des Erzhauses Habsburg aus. Die dicke Völlerei trägt eine Kanne zum viel Trinken und ein Schwein zum Schlachten, daneben die noch dickere Träg- oder Faulheit. Zu viel Trinken, Fleischverzehr ausgenommen Fisch sind den Zisterziensermönchen verboten, in ihrem Kloster dürfen bloß zwei Wärmestuben sein.

Königsbronner Eisenwerke. Im Jahr 1366 verleiht Kaiser Karl IV. dem Abt und Konvent vom Kloster Königsbronn das Recht, "daß sie Eisen mühlen und hemer an der Brenz und kocher unnd andernwen wassern überall wo sie wöllen mügene machen und im Zamberg bey Kunigsbrunnen gelegen Ysen ertz graben und suchen sollen und mügen" (Besold 1636: S. 648, Pfaff 1857: S. 109; Thier 1965 kennt diese Quelle nicht), welches Recht sie schon vorher geübt haben sollen (Beschreibung des Oberamts Aalen 1854: S. 64). Für die Folgezeit nachweisbar sind 1471 bis 1479 der Bau einer Schmiede in Itzelberg, 1529 einer Schmelzhütte und Schmiede am Brenzursprung, zu gleicher Zeit einer Schmelzhütte an der Pfeffer. Erz liefert der Boden der Ostalb, der dortige Wald die nötige Holzkohle, Wasserkraft zum Antrieb der Blasebälge, Hämmer und Walzen die Flüsse Brenz und Pfeffer. Die Eisenwerke bleiben 1553 beim evangelisch gewordenen Kloster, werden aber von herzoglichen Beamten verwaltet, hin und wieder an Pächter (Faktoren, Admodiatöre) verliehen, aus denen der in Königsbronn selbst geborene Johann Georg Blezinger (1717-1795) herausragt, sich am Brenzursprung ein kleines Schlössle baut (jetzt Rathaus, Bild oben rechts). Man gießt Ofenplatten (Bild oben), Brunnenplatten (Klosterbrunnen mit 1741 gegossenem eisernen Kasten oben links), Röhren, Walzen, Gewichte, Glocken, Geschützkugeln, Bomben, Kanonenrohre, walzt und schmiedet Bleche, Töpfe, Pfannen. Nach der Klosterauflösung 1806 werden die Werke in das Staatsunternehmen der Königlichen Hüttenwerke zusammengeführt mit folgenden Werken: An der Brenz Königsbronner Schmelz- und Itzelberger Blechwerk. Am Kocher Haupteisenwerk Wasseralfingen, Hammerwerk Abtsgmünd, Hammer- und Walzwerk Unterkochen. Im Schwarzwald Eisenwerke Friedrichstal (früher Christophstal) und Ludwigstal. In Oberschwaben Schussenrieder Wilhelmshütte. Alle gehen 1921 in die Schwäbischen Hüttenwerke (SHW) über, Gesellschaft der Gutehoffnungshütte mit dem württembergischen Staat, der seinen Anteil 2005 abgibt. Heute produziert SHW Königsbronn Walzen für die Papierherstellung, Kolben, Gussformteile.

Schon am 13. Juli 1361 verleiht Kaiser IV. dem Kloster Königsbronn das Recht, an seinen Flüssen und Wasserläufen Mühlen zu errichten. Die Brenz stauen die Mönche im 14. oder 15. Jahrhundert zum Itzelberger See mit einem Damm künstlich auf. Er ist zum Entleeren und Abfischen ablassbar, stellt also einen Weiher dar, wie man solche künstlichen Stehgewässer nach römisch vivarium schwäbisch und fränkisch gewöhnlich benennt (statt norddeutsch Teich), hier in Königsbronn, Altwürttemberg und Schwäbisch Hall aber oft auch See, obgleich keinen natürlichen See bildend wie etwa den Bodensee. Die Wasserkraft des Itzelberger Sees treibt im historischen Wechsel: die schon erwähnte Schmiede, einen Schmelzofen, eine Sägmühle, ein Walzwerk, Blech- und Kugelhämmer, eine Dreherei. Seit 1901 treibt sie Wasserräder und dann Turbinen, diese mit elektrischen Generatoren Pumpen, um aus Tiefbrunnen des Brenztals Trinkwasser auf das Härtsfeld und den Albuch hochzufördern in die zwei verkarsteten, vorher immer wieder unter bitterer Wassernot leidenden Ostalbhochflächen, wo früher Mensch und Vieh bloß schwache Quellen, künstliche Zisternen (Wasserbehälter) und Hülben (lehmabgedichtete Wasserstellen) mit Wasser versorgt haben, wohin man in Trockenzeiten Wasser aus dem Brenztal mit Fässern herauffahren musste auf die Hochfläche der Schwäbischen Alb.

Brunnenmoos Fontinalis antipyretica vom Pferrtopf
Reich sind Brenz und Itzelberger See an tauchenden und flutenden Wasserpflanzen, Wasserkraut genannt. Am häufigsten unter den höheren Wasserpflanzen (Makrophyten) ist der Haarblättrige Hahnenfuß Ranunculus trychophyllus, der in der Heidenheimer Kreisbeschreibung (Landesarchivdirektion 1999) zuerst angegebene Flutende Hahnenfuß Ranunculus fluitans ist weitaus seltener. Häufig auch Aufrechter Merk Berula erecta, Nussfrüchtiger Wasserstern Callitriche obtusangula, Kanadische Wasserpest Elodea canadensis, Krauses Laichkraut Potamogeton crispus und Sumpf-Teichfaden Zannichelia palustris. Etwas weniger verbreitet Brunnenmoos Fontinalis antipyretica (17. Oktober 2009 im Pfeffertopf), Dichtes Fischkraut Groenlandia densa (17. Oktober 2009 ebenda), Tannenweldel Hippuris vulgaris, Ähriges Tausendblatt Myriophyllum spicatum, Einfacher Igelkolben Sparganium emersum. Die in der Kreisbeschreibung (Landesarchivdirektion 1999) für den Itzelberger See angegebenen Teichrosen Nuphar lutea und Weiße Seerosen Nymphaea alba kommen dort seit Jahrzehnten nicht mehr vor, bloß noch in wenigen Altwassern der mittleren Brenz und in einigen Waldhülben und wassergefüllten Bohnerzgruben der Ostalbhochfläche, in welche uralten künstlichen Wasserspeicher diese schönen Pflanzen wohl nicht künstlich eingebracht worden sind, wie die Kreisbeschreibung (Landesarchivdirektion 1999) vermutet, sondern natürlich eingewandert vergleichbar den Einwanderung in künstliche Weiher des benachbarten Virngrunds oder Oberschwabens.

GESCHICHTE. Hornung, Johann (1618): Beschreibung der württembergischen Stadt und Herrschaft Heidenheim in dem Brenztal gelegen. - Lauingen (Jakob Senfft). Abgedruckt auf den S. 1 bis 9 von Meck (1910). - Königlich statistisch-topographisches Büro (1844): Beschreibung des Oberamts Heidenheim. - Stuttgart und Tübingen (Verlag der Cottaschen Buchhandlung), 292 S. + Oberamtskarte + 4 Tabellen. - Meck, Karl Kaspar (1910): Heidenheim nebst Hellenstein. 1. Teil. - Heidenheim (Selbstverlag), 247 S. - Linck, Otto (1953): Mönchtum und Klosterbauten Württembergs im Mittelalter. - Stuttgart (W. Kohlhammer Verlag), 172 S. + 96 Fotos auf vielen Tafeln. - Burr, Karl (1980): Königsbronn. Gesicht und Geschichte einer Gemeinde. - Heidenheim (Verlag der Heidenheimer Zeitung), 110 S. - Landesarchivdirektion Baden-Württemberg (1999): Der Landkreis Heidenheim. Band I. - Stuttgart (Jan Thorbecke Verlag), 636 + 3 Kartenbeilagen. Auf S.367-395 Geschichte von Königsbronn, seinem Kloster und seiner Gemeindeteile. Auf S. 342 Urkarte Königsbronns von 1830 mit Darstellungen der Wasserläufe um das Kloster herum. - Kiefer, Bruno (2002): 700 Jahre Itzelberg. - Königsbronn (Gemeindeverwaltung), 61 S. - Drauschke, Jörg & Sunhild Kleingärtner (2007): Spurensuche in der Brenzregion. - Heidenheim (Landratsamt), 300 S. + 17 Wanderkarten. - Führer zu hier besprochenen Orten, auch mit historischer Schilderung der Königsbronner Eisenwerke.

ZISTERZIENSER. Besold, Christoph (1636): Documenta rediviva monasteriorum praecipuorum in Ducatu Wirtembergico situorum [Wiedereröffnete Urkunden einiger vorzüglicher im Herzogtum Württemberg gelegener Klöster]. - Tübingen (Philibert Brunn), 980 S. Besold war Tübinger Jurist, machte seine heimliche Konversion zum katholischen Glauben 1635 öffentlich, nachdem die Katholiken 1634 in Nördlingen gesiegt haben, war dann Professor in Ingolstadt. - Knittel, Benedikt (1714): - Antiquo-moderna speciosae vallis vallis abbatia s[acri] et exempti or[dinis] Cisterziensis. - Schwäbisch Hall (ein Exemplar in der Universitätsbibliothek Tübingen). - Pfaff, Karl (1857): Geschichte des Klosters Königsbronn. In: Württembergische Jahrbücher für vaterländische Geschichte, Geographie, Statistik und Topographie, Jahrgang 1856, Zweites Heft: S. 100-150. - Stuttgart (Verlag Karl Aue), 209 S. - Enslin, Christian (1894): Das Kloster Königsbronn. - Blätter des Schwäbischen Albvereins 6: S. 224-227. Gute Zusammenfassung der Oberamtsbeschreibung von 1844, von Pfaff (1857) und einem Lagerbuch von 1471. - Erzberger, Matthias (1902): Die Säkularisation in Württemberg von 1802 bis 1810. - Stuttgart (Verlag der Aktien-Gesellschaft Deutsches Volksblatt, Nachdruck Scientia Verlag Aalen 1974), 448 S. - Weber, Max (1904, 1905): Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus. - Köln (Nachdruck Anaconda Verlag 2009), 286 S. S. 69 über Luthers Verhältnis zum Mönchtum, über mittelalterliche und neuzeitliche Arbeitsbegriffe. - Enslin, Christian (1907): Die Waldungen des ehemaligen Klosters Königsbronn. - Blätter des Schwäbischen Albvereins 19: S. 174-175. Zusammenstellung der auf dem Albuch gelegenen Klosterwaldungen aus einer nicht näher angegeben Quelle von 1471 mit Flächenangaben der einzelnen Wälder in Jauchert. - Hölzle, Erwin & Helmut Kluge (1938): Der deutsche Südwesten am Ende des alten Reichs. Beiwort zur Geschichtlichen Karte des reichsdeutschen und benachbarten Gebiets. - Stuttgart (Württembergisches Statistisches Landesamt), 175 S. + 1 Karte zum Beiwort. S. 30-34 Übersicht der evangelischen württembergischen Klöster, Stiftsämter und Klosterhofmeistereien: Adelberg , Alpirsbach, Anhausen, Backnang, Bebenhausen, Blaubeuren, Denkendorf, Herbrechtingen, Herrenalb, Hirsau, Königsbronn, Lichtenstern, Lorch, Maulbronn, Murrhardt, Offenhausen, Pfullingen, Rechentshofen, Reichenbach, Reutin, St. Georgen, Weil. - Weis, Alfred (1986): Der Klosterwald Königsbronn. Jahrbuch des Heimat- und Altertumsvereins Heidenheim an der Brenz 1985/1986: S. 148-156. - Albrecht, Friedrich (1998): Abt Benedikt Knittel und das Kloster Schöntal als literarisches Denkmal. - Marbach am Neckar (Deutsche Schillergesellschaft), 113 S. Zusammenstellung sämtlicher für Schöntal und seine Besitzungen verfertigten Inschriften und Gedichte Knittels von 1683 an. Auf S. 12 sein begonnenes Sabbatjahr, bald beendet durch seinen Tod. Auf S. 46 zitiertes Gedicht. - Eberl, Immo (2002): Die Zisterzienser. Geschichte eines europäischen Ordens. - Ostfildern (Jan Thorbecke Verlag), 616 S. - Meffert, Ekkehard (2010): Die Zisterzienser und Bernhard von Clairvaux. Ihre spirituellen Impulse und die Verchristlichung der Erde Europas. - Stuttgart (Verlag Engel), 359 S. Auf S. 128-131 Gedanken über die Erdfrömmigkeit der Zisteziensermönche, ihr Verhältnis zur den Geheimnissen der Erde. S. 135-144 über soziale Organisation des Klosters und Tagesabläufe. S. 313-321 Originaltexte der wichtigsten Ordensregeln.

ERZ UND EISEN. Königlich statistisch-topographisches Büro (1854): Beschreibung des Oberamts Aalen. - Stuttgart (J. B. Müllers Verlagshandlung), 333 S. + Tabellen + Karte des Oberamts. S. 64 über ein kaiserliches Recht von 1366 an das Kloster Königsbronn, auf eigenem Grund Eisenerz zu graben, wonach Eisengruben errichtet worden sind am Burgstall bei Aalen und gegenüber am Rotenstich beim Grauleshof. - Pfaff, Karl (1857): Geschichte des Klosters Königsbronn. In: Württembergische Jahrbücher für vaterländische Geschichte, Geographie, Statistik und Topographie, Jahrgang 1856, Zweites Heft: S. 100-150. - Stuttgart (Verlag Karl Aue), 209 S. - Fraas, Oscar (1860): Die nutzbaren Minerale Württembergs. - Stuttgart (Verlag Ebner & Seubert), 208 S. Bohnerze der Alboberfläche und Stufenerzen der Toneisensteine versorgen die württembergische Eisenindustrie. Lange Zeit beide Erze aus Gruben gewonnen, erst 1797 Anlegung des Wasseralfinger Clemensstollens nach allen Regeln der Bergbaukunst und Beginn des Untertageabbaus. - Ehmann, Emil A. (1930): Chemische Untersuchungen über die Entstehung württembergischer Bohnerze. Dissertation Stuttgart. - Sonderabdruck aus Chemie der Erde. Sechster Band. 1. Heft: S. 117-142. - Heusel, Wilhelm (1936): Königsbronn. Das Kloster und die Eisenwerke. Sonderdruck zum Album des Hüttenwerks Königsbronn. - Königsbronn (Schwäbische Hüttenwerke), 63 S. - Heusel, Wilhelm (1936): Johann Georg Blezinger. Admodiatör. 1717-1795. In: Schwäbische Lebensbilder, Band I: S. 31-37 mit Porträt. - Stuttgart (W. Kohlhammer Verlag), 582 S.- Brachert, Thomas (1958): Der schwäbische Eisenkunstguss. Öfen und Ofenplatten. - Wasseralfingen (Schwäbische Hüttenwerke), 147 S. + 59 Abbildungen auf vielen Tafeln. S. 23-24: Beschreibung der dargestellten Ofenplatte und Nachweis, dass sie in Königsbronn gegossen ist. - Schwäbische Hüttenwerke (1963):1813-1963. 150 Jahre Bergkapelle. Ein Beitrag zur Geschichte der Schwäbischen Hüttenwerke GmbH und der Stadt Wasseralfingen - Aalen (Süddeutscher Zeitungsdienst), unpaginiert. - Thier, Manfred (1965): Geschichte der Schwäbischen Hüttenwerke 1365-1802. - Aalen (Verlag Heimat und Wirtschaft), 360 S. Die Aussage von S. 7, erst 1471 nehme das Kloster Königsbronn für sich das Recht in Anspruch, Erz zu graben und Eisenwerke zu errichten, ist unrichtig. Das Kloster hatte dieses Recht schon 1366 erhalten, die betreffende Urkunde bei Besold (1636: S.648), siehe oben. S. 32 richtiges Todesjahr des Abts Melchior Ruff 1540 statt dem oft angegebenen 1539. - Bayer, Joachim (1987): Chronik des Eisenerzbergbaus in der Aalener Bucht. - Ostalb/Einhorn 55. S. 290-295. - Bayer, Joachim & Gerhard Schuster (1988): Besucherbergwerk Tiefer Stollen. Erzbergbau in Aalen-Wasseralfingen. - Stuttgart (Konrad Theiss Verlag), 174 S. - Lutz, Thomas (1990): Die alte Flammofen-Gießerei in Königsbronn - ein Industriedenkmal im schwäbischen "Revier". - Denkmalpflege in Baden-Württemberg 19: S. 162-166. - Reiff, Winfried & Martin Böhm (1995): Die Eisenerze und ihre Gewinnung im Bereich der östlichen und im Vorland der mittleren Schwäbischen Alb. In: Beiträge zur Eisenverhüttung auf der Schwäbischen Alb: S. 15-36. - Stuttgart (Konrad Theiss Verlag)340 S. Nachweise keltischer, römischer und frühalamannischer Eisenverhüttung der Bohnerze, mittelalterlicher der Stufenerze. - Fliegauf, Uwe (2007): Die Schwäbischen Hüttenwerke zwischen Staats- und Privatwirtschaft. Zur Geschichte der Eisenverarbeitung in Württemberg (1803-1945). - Stuttgart (Jan Thorbecke Verlag), 472 S. + 30 S. Bildtafeln.

WASSER UND HYDROLOGIE. Capitulare de villis vel Curtis Imperii Caroli Magni (um 800) = Landgüterordnung Karls des Großen. Hg. von H. Brandsch. - Berlin 1990 (Deutscher Landwirtschaftsverlag), 132 S. Nach Nr. 21 sind vivarii, also Weiher zu erhalten, womöglich zu vergrößern und wo sie noch fehlen und doch mit Wasser gespeist werden können, neu anzulegen. - Königliche Ministerialabteilung für den Straßen- und Wasserbau (1903): Verwaltungsbericht für die Rechnungsjahre 1899 und 1900. II. Abteilung. Wasserbauwesen. - Stuttgart (Strecker & Schröder), 160 S. + 41 Plan- und Kartenbeilagen. S. 73-142 bisher einzige Monographie der Brenz und ihres Einzugsgebiets. S. 94ff. Verzeichnis aller Triebwerke an der Brenz, rohe Wasserkraft aus dem Itzelberger See auf Turbine und Wasserrad 52 PS. - Thier, Manfred (1965): Geschichte der Schwäbischen Hüttenwerke 1365-1802. - Aalen (Verlag Heimat und Wirtschaft), 360 S. S. 5: Verleihung des Mühlenrechts an das Kloster Königsbronn von 1361. S.12: Urkundentext über die Mehrung des Sees zu Seegarten mitsamt drei Weihern unter Abt Melchior Ruf (1513-1540). - Rehm, Max (1972): Karl und Hermann Ehmann. Staatstechniker für das öffentliche Wasserversorgungswesen in Württemberg 1827-1889 und 1844-1905. In: Lebensbilder aus Schwaben und Franken, Band XII: S. 237-257. Baurat Hermann Ehmann, Schöpfer und Planer der württembergischen Albwasserversorgung, am 2. April 1890 bei der "Constituierungs-Verhandlung" der Härtsfeld-Albuch-Wasserversorgung im Königsbronner Rathaus dabei (Kiefer 2002: S. 18-19). - Bauer, Albert (1993): Trinkwasser für die Ostalb - einst und heute. In: Karst und Höhle 1993. Karstlandschaft Schwäbische Ostalb: S. 225-251 + Tafeln. - München (Verband der Deutschen Höhlen- und Karstforscher ), 480 S. + XVI Tafeln + 1 topographische Karte.- S. S. S. 427-442 Geschichte der Albwasserversorgung und des Pumpwerks Itzelberg. - Plum, H., R. Prestel, W. Schloz & V. Kolokotronis (2002): Hydrogeologische Karte von Baden-Württemberg. Ostalb. - Freiburg (Landesamt für Geologie), 131 S. + 10 Karten + 1 CD. - Nach Abb. 4 von S. 19 der obige, dort etwas veränderte Prinzipschnitt. Aus diesem Werk ferner die Quellschüttungen von Brenz, Leerausbach, Pfeffer, Brunnenmühlquelle. - Mayer, Werner (2004): Geowissenschaftliche Bibliographie der Region Ostwürttemberg - Schwäbisch Gmünd (Regionalverband), 238 S. Auf S. 54-63 zahlreiche Schriften zu Karst, Dolinen und Höhlen der Ostalb zusammengestellt. Frühestes aufgeführtes Werk von Gustav Schübler (1824) über die Höhlen der württembergischen Alp [1924 Schreibfehler]. - Schmid, Hans-Rainer (2008): Die Brenz als Energiequelle. Triebwerke zu Mühlen, Textilfabriken und Eisenverarbeitung. Veröffentlichungen des Museumsvereins Geschichtswerkstatt Nattheim. Band 16. - Nattheim (Gemeinde Nattheim und Museumsverein), 397 S. + 41 S. Bildteil. Mühlengeschichte anhand der manchmal bis ins 17. Jahrhundert zurückreichenden Wasserrechtsakten des Landratsamts Heidenheim. - Wolf, Hans (2009): Ellwanger Weiher und die Schlossweiher. - Blätter des Schwäbischen Albvereins 115 (2): 14-15.

WASSERLEBEWESEN. Baldner, Leonhard (1666): Vogel-, Fisch- und Tierbuch. - Straßburg (Handschrift der Murhardschen Bibliothek der Stadt Kassel), 271 Blätter. - Bloch, Marcus Eliser (1782-1784): Oeconomische Naturgeschichte der Fische Deutschlands. 3 Teile. - Berlin (Teil 1 von 1782 bei Buchhändler Hesse, Teil 2 von 1783 in der Buchhandlung der Realschule, Teil 3 von 1784 ebenda), 258 +192 + 234 S. + 108 Tafeln. - Günther, Albert (1853): Die Fische des Neckars. - Jahreshefte des Vereins für vaterländische Naturkunde Württemberg 9: S. 225-360. - Fischer, Hermann (1911). Schwäbisches Wörterbuch. Dritter Band. - Tübingen (Lauppsche Buchhandlung), 1940 Spalten. Spalte 850 über den Groppfisch und seine zitierten schwäbischen, maskulinen Namen. - Schneider, Fritz (1938, Herausgeber): Heidenheimer Heimatbuch. - Heidenheim (C. F. Rees), 416 S. Auf S. 183-258 vortreffliche Schilderung der Tier- und Pflanzenwelt von Hermann Hähnle, Richard Vogel, Walter Gölkel, Hans Schwenkel & Heinrich Wägele. Auf S. 234 Letzterwähnung der Gelben Teichrose Nuphar lutea und der Weißen Seerose Nymphaea alba für den Itzelberger See durch Walter Gölkel. - Bezirksschulamt Heidenheim (1962): Heimatbuch des Kreises Heidenheim. - Heidenheim (Carl Edelmann), 543 S. Auf S. 39-61 naturkundliche Schilderungen von Paul Dolderer & Karl Mahler. - Würz, Roland (1972, Herausgeber): Der Kreis Heidenheim. - Stuttgart und Aalen (Konrad Theiss Verlag), 393 S. Auf S. 53-65 Schilderung der Pflanzenwelt durch Ernst von Heydebrand. - Berg, Rainer, Siegfried Blank & Thijlbert Strubelt (1989): Fische in Baden-Württemberg. Ergebnisse einer landesweiten Fischartenkartierung. - Stuttgart (Ministerium für Ländlichen Raum), 158 S. - Kahnt, Uta, Werner Konold, Georg-Heinrich Zeltner & Alexander Kohler (1989): Wasserpflanzen in Fließgewässern der Ostalb. Verbreitung und Ökologie. - Weikersheim (Verlag Josef Margraf), 148 S. + 6 Tabellen + Kartenbeilage. - Fritz, Roland (1994): Flora und Vegetation von Brenz und Hürbe (Ostalb). Ihre Entwicklung von 1987 bis 1993. - Universität Hohenheim (Institut für Landschafts- und Pflanzenökologie), 113 S. + 1 Karte. - Hoppe, Manfred (seit 1993, Manuskript): Vogelbeobachtungsdaten vom Itzelberger See. - Hoffmann, Rainald und fünf weitere Autoren (1995): Fische in Baden-Württemberg. Gefährdung und Schutz. - Stuttgart (Ministerium für Ländlichen Raum), 91 S. - Landesarchivdirektion Baden-Württemberg (1999): Der Landkreis Heidenheim. Band I. - Stuttgart (Jan Thorbecke Verlag), 636 + 3 Kartenbeilagen. Auf S.97-103 Schilderung der Vegetation von Theo Müller. - Dußling, Uwe & Rainer Berg (2001): Fische in Baden-Württemberg. Hinweise zur Verbreitung und Gefährdung der freilebenden Neunaugen und Fische. - Stuttgart (Ministerium für Ernährung), 176 S. - Trittler, Jürgen (2006): Die Flora des Kreises Heidenheim. Farn- und Blütenpflanzen. - Heidenheim (Uwe Siedentop), 608 S. Verbreitungskarten aller Arten. Nach S. 362 Gelbe Teichrose Nuphar lutea und Weiße Seerose Nymphaea alba nicht mehr im Itzelberger See, nur mehr an wenigen Stellen der Brenz und in einigen Waldhülben.

NATURSCHUTZRECHT. Der § 32 vom Landesnaturschutzgesetz Baden-Württemberg bestimmt. Absatz 1: Die folgenden Biotope ... sind besonders geschützt: ... 5. ... Dolinen. ... . Absatz 2: Alle Handlungen, die zu einer Zerstörung oder erheblichen oder nachhaltigen Beeinträchtigung der besonders geschützten Biotope führen können, sind verboten: Demnach darf keine Doline unbefugt zugeschüttet werden. - Nach dem § 28 des Bundesnaturschutzgesetzwa und dem § 31 des Landesnaturschutzgesetzes sind flächenhafte Naturdenkmale mit einer Fläche bis zu 5 Hektar auszuweisen, falls deren Schutz und Erhaltung zur Sicherung und Entwicklung von Lebensgemeinschaften oder Lebensstätten bestimmter wild lebender Tier- und Pflanzenarten aus wissenschaftlichen, ökologischen, naturgeschichtlichen, landeskundlichen oder kulturellen Gründen oder wegen ihrer Eigenart, Seltenheit, Schönheit oder landschaftstypischen Kennzeichnung erforderlich sind: Diese Voraussetzungen sind am oberen Itzelberger See gegeben, wonach die Erfordernis zur Ausweisung eines Naturdenkmals besteht. In eine zugehörigen Rechtsverordnung wären der Schutzgegenstand, der wesentliche Schutzzweck, die dazu erforderlichen Verbote und Erlaubnisvorbehalte, sowie die Schutz- und Pflegemaßnahmen für das Naturdenkmal sowie seine geschützte Umgebung zu bestimmen. - EU-Vogelschutzrichtlinie vom 2. April 1979 über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten (79/409/EWG): Der am Itzelberger See nistende Eisvogel ist eine Vogelart des Anhangs I dieser mit Gesetzeskraft versehenen Richtlinie; nach ihrem Artikel 4 sind besondere Schutzmaßnahmen hinsichtlich seiner Lebensräume anzuwenden, um sein Überleben und seine Vermehrung sicherzustellen, für seine Erhaltung die zahlen- und flächenmäßig geeignetsten Gebiete zu Schutzgebieten zu erklären. Nach Artikel 1 der Richtlinie sind für alle Vogelarten Schutzgebiete zu schaffen, welche Vorschrift die regional vom Aussterben bedrohten Arten besonders betrifft. Dazu gehören Wasserralle und Zwergtaucher, welche auf dem Itzelberger See noch nisten, nach einer Schrift vom Ministerium für Ernähung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg (2006): Im Portrait. Die Arten der EU-Vogelschutzrichtlinie. - Stuttgart (Ministerium für Ernährung), 144 S.

WASSER UND WASSERNUTZUNG

Gute Wasserversorgung zeichnet mehrere ostwürttembergische Klöster aus. Das 764 auf eine Anhöhe über der Jagst errichtete karolingische Benediktinerkloster Ellwangen hat an Jagstzuflüssen wohl schon auf Befehl Kaiser Karls des Großen, der um 800 ergeht, Weiher als Fischwasser und zum Antrieb von Mühlen angelegt; über hundert sind nachweisbar, etliche bestehen noch. Das 1270 gegründete Zisterzienserinnenkloster Kirchheim am Ries versorgt Quellwasser, das am Fuß des verkarsteten Blasenbergs aus mehreren Quellen entspringt, ein Weiher ist an der Klostersüdmauer noch vorhanden. Große Wassermengen umfließen und versorgen das 1303 gegründete Zisterzienserkloster Königsbronn.


Königsbronner Kloster. Karte von 1830 (Originalmaßstab 1 : 2500). Blau ergänzt.

In Königsbronn stauen die Mönche oberhalb ihres Klosters den Ziegelbach zu einem mittlerweile abgelassenen See am Seegartenhof (auf der Karte nicht sichtbar), aus diesem See fließen dem Kloster im Bach etwa fünf Liter pro Sekunde Wasser zu (Tabelle links), Kanäle und Leitungen führen es zu den Klosterbrunnen. An der Klostersüdseite entspringt aus einem Fels die Brenz, wird von den Mönchen am Ursprung gestaut, in zwei Arme geteilt und treibt ihnen eine Schmiede und eine Schmelzhütte. Auf der Nordseite quillt aus einer zweiten Karstquelle die Pfeffer empor, treibt eine Schmelzhütte, dann die Klostermühle, ergießt sich danach in die Brenz. Diesen Fluss stauen die Mönche zum Itzelberger See als Fischwasser und zur Nutzung der Wasserkraft für ein dortiges Eisenwerk. Die mittlere Tiefe ist ungefähr zwei Meter. Der mittlere sekundliche Zufluss ist Q = 1,6 m³/s, das mit dem Aufstau gewonnene Gefälle H = 2,4 m, die rohe Leistung der Wasserkraft also P = 9,81Q H = 37,6 kW = 50 PS, die nutzbare Lesitung etwas geringer durch größere Verluste an den Wasserrädern und geringeren an den späteren Turbinen.

 

Itzelberger See aus einem Seenbuch der fürstlichen Kameralseen im Herzogtum Württemberg von Heinrich Riedinger 1737/1738 (Hauptstaatsarchiv Stuttgart). Links zufließende Brenz, im See Schießgalerie auf Wasservögel, am Hauptablauf Eisenwerk mit Leerschusskanal gegen Überlastung des Wassertriebwerks, unten Hochwasserüberlauf. Bauernhof mit Kapelle früher wohl Grangie (Hofgut) der Zisterzeinser.

ITZELBERGER SEE UND WASSERVÖGEL

Den Itzelberger See hat etwa 6,4 Hektar Fläche, 1,5 Meter mittlere Tiefe und 1,6 Kubikmeter pro Sekunde mittleren Zufluss, sein Wasser erneuert sich also im Mittel ungefähr alle 17 Stunden. Gute Wasser-, Nährstoff- und Sauerstoffzufuhr und zugleich Abfuhr der Abbauprodukte machen den See reich an Fischen und Wasservögeln. Eine 3,1 Hektar große, fast unzugängliche Vogelinsel hat man 1958 bis 1960 bei einer Seeentlandung angelegt, darauf wachsen heute Büsche und Bäume (Foto unten). Flachwasserzonen hat man 1987 an die landseitige Inselseite hinzugebaut, worauf Röhrichte und Sumpfgräser gedeihen. Mehr solche für Wasservögel wichtige Sumpfzonen könnte man auch an der Seeseite der Insel schaffen bei der nächsten nötigen Seeentleerung, um die von der Brenz in diesen künstlichen Stau einschwemmten Sedimente zu entnehmen: Zusätzliche Sumpf- und Flchwasserzonen mit 10 bis 50 Zentimeter Tiefe unter den Sommermittelwasserstand, zum See hin leicht abfallend, worauf sogleich Röhrichte Fuß fassen werden als Brutplätze für Zwergtaucher, Teichhühner, Wasserrallen, Teichrohsränger oder Rohrammern.


Kolbenenten
Netta rufina auf dem Itzelberger See.

An Brutvögeln nisten am Ein- und Auslauf der Brenz in den Itzelberger See Wasseramseln und Eisvögel. Im oberen, ruhigen Seeteil um die Vogelinsel herum Blässhühner, Stockenten, Reiherenten, Höckerschwäne, auch seltene Zwergtaucher, Teichhühner und Wasserrallen. In der Nähe horsten Graureiher und fischen im See. Das aus Karstquellen zuströmende Wasser ist im kalten Winter wärmer als die Lufttemperatur, der See friert niemals zu. Aus ihrer zufrierenden Heimat kommen im Herbst und Winter von weither Durchzügler und Wintergäste und verweilen kürzere oder längere Zeit: Tafelenten, Krickenten (Foto), Schnatterenten, Kolbenenten, Haubentaucher, Kormorane. Selbst arktische Stern- und Prachttaucher und meeresbewohnende Dreizehenmöwen haben Stürme schon hierher verschlagen.

Unter den zahlreichen Stockenten (Bild) herrscht tägliches Kommen und Gehen (Zählungen von Manfred Hoppe). Zum Winter hin mehr Zuzug als Wegzug, die Zahl der Stockenten nimmt zu. In und aus der großen Schar verloben sie sich im Hochwinter auf diesem See zu saisonaler, in der Brutsaison ungebrochener Einehe (Gänse und Schwäne leben vergleichsweise in lebenslanger Einehe). Im zeitigen Frühjahr verlassen sie nach und nach paarweise den See zur Heirat und Kopulation in ihren von Eis und Schnee befreiten heimatlichen Brutgebieten. Einige bleiben und schreiten auf dem See selbst zur Brut. Nach dem Schlüpfen der Jungen verlassen die Stockentenerpel ihre alleinerziehenden Weibchen (Gans- und Schwaneneltern erziehen gemeinsam), mausern ihre Federn aus dem Prachtkleid, verlieren einige Wochen ihre Flugfähigkeit und versammeln sich jetzt auch aus der Umgebung auf den ruhigen, oberen Seeteil. Zu diesen Mausergesellschaften gesellen sich Weibchen, die ihre Brut verloren haben, weitere Weibchen nach Erziehung ihrer Jungen und die erwachsenen Jungen. Im Herbst und Winter kommen wieder aus Norden und Osten kürzere oder längere Zeit verweilende und überwinternde Stockenten auf den niemals zufrierenden Itzelberger See. Der Jahreskreislauf ist geschlossen.

Itzelberger See. Stauweiher des Königsbronner Klosters. Links die mit einem Graben vom Hauptufer abgetrennte, bei einer Seeentlandung hergestellte Vogelinsel.

Naturschutz. Der obere Seeteil ist für das Leben der Wasservögel am wichtigsten. Neben den mausernden Enten braucht der dort nistende Zwergtaucher viel Ruhe, da er ausgesprochen störungsempfindlich ist, wenn jemand in sein sehr kleines Brutrevier eintritt. In Ostwürttemberg nistet er nur mehr hier, im weiteren Brenzoberlauf und in einigen ruhigen Virngrundwaldweihern, nimmt überall in Baden-Württemberg ab. Wie die ebenso am Itzelberger See nistende Wasserralle zählt er zu den Vogelarten der EU-Vogelschutzrichtlinie, die die baden-württembergische Landesregierung besonders schützen will (Ministerium für Ernährung 2006: S. 116 und 105). Doch sollen weitere Tret- und Ruderboote auf den verhältnismäßig kleinen Itzelberger See installiert werden. Auch Modellboote setzen den Vögeln zu. Man plant, den oberen Seeteil mit Lärchenstämmen abzusperren und vor Bootsverkehr zu schützen (Heidenheimer Neue Presse vom 7., 13. und 16. April 2011). Dieser Seeteil hat alle Eigenschaften und folglich das gesetzliche Erfordernis zu einem flächenhaften Naturdenkmal (§ 28 des Bundesnaturschutzgesetzes, § 31 des Landesnaturschutzgesetzes). Die zugehörigen Verordnung kann bestimmen, was dort erlaubt ist und was zum Schutz der Wasservögel unterbleiben soll.

Albertus-Magnus-Tagung
17. Oktober 2009
Karst, Wasser und Eisen der östlichen Schwäbischen Alb


Königsbronn
mit Rathaus, Brenzursprung und Hammerschmiede.

EXKURSION von Königsbronn nach Itzelberg.

Bei Regen wandern die Naturfreunde vom Rathaus zum Brenzursprung. Im Brenztopf fluten Tannenwedel, Nussfrüchtiger Wasserstern, Aufrechter Merk, Haarblättriger Hahnenfuß (wissenschaftliche Name links). Ein Eisvogel fliegt vorbei, am Ufer eine Wasseramsel und eine Bisamratte. Man wandert durch das Areal des ehemaligen Zisterzienserklosters, sieht an einer Mauer eisengegossene Gedenktafeln für evangelische Äbte, herzogliche Verwaltungsräte, Hüttenwerkspächter und deren Ehefrauen, meist 18. Jahrhundert. In den Königsbronner Hüttenwerken gibt es zwei bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts benutzte Flammöfen, worin Flamme und Feuergas das roheiserne Schmelzgut horizontal überstreichen (Unterschied zum Hochofen), es zu kohlenstoffärmerem Eisen frischen, woraus man das fertige Gießmetall mit einer Rinne den Gussformen zuleitet. Gleich neben dem Flammofengebäude ist die Pfefferquelle zu einem Topf gestaut, dicht mit Wasserpflanzen gefüllt, das ausfließende Wasser fällt über eine gemauerte Schwelle, darauf wurzelt mit festen Rhizoiden viel Brunnenmoos, seine Sprosse und Blätter flach in den Wasserstrom niederlegend. Man steigt in den Steinbruch Eichhalde auf, sieht im Jurameer abgelagerte Weißjuramassenkalke, ehemalige Meeresriffe, auch spätere Verkarstungen und Höhlenbildungen. Hinab zum blaugrünen schillernden Itzelberger See ins Brenztal.

VORTRÄGE

In der Nähe des Itzelberger Sees liegt das Staatliche Forstliche Bildungszentrum Königsbronn. Hier begrüßt Dipl.-Ing. Hans Wolf, Leiter des Vereinszweigs Ostwürttemberg der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg, die Tagungsteilnehmer zu den Vorträgen.


Jüngst eingebrochene
Doline am Möhnhof bei Bartholomä. Mittlerweile zugeschüttet.

Werner K. Mayer vom Naturkundeverein Schwäbisch Gmünd spricht über Karst, Wasser und Eisen der Ostalb und in Königsbronn und zeigt das obige Bild vom 13. März 2009: Erst jüngst ist diese Doline am Möhnhof bei Bartholomä eingebrochen, mittlerweile zugeschüttet. Das verkarstete Tal gehört zum Brenzgebiet und liegt gewöhnlich ganz trocken, ohne irgendeinen Bach oder sonstiges oberirdisch ablaufendes Wasser, weil Niederschlag von der Oberfläche sogleich in den Karst versickert. Am 13. März 2009 schmilzt viel warmer Regen den Schnee, der noch gefrorene und daher undurchlässigen Boden verhindert die Versickerung in den verkarsteten Untergrund, Wasser überschwemmt das Trockental. Solche Hochwasser werden auf der Ostalb Wildwasser genannt, das bekannteste ist der Heidenheimer Wedel. Mehr vom Vortrag links.

Dolinen der Karstlandschaft. Diese brechen durch Auflösung des Kalkgesteins mitsamt den randlichen Felsen ein (rechts). Oder in Form von Schächten (links), Dolinen im weiteren Sinn.

Prof. Dr. Klaus Schmieder, Universität Hohenheim, referierte über Wasserpflanzen im Oberlauf der Brenz vom Ursprung bis zum Itzelberger See. Hier nehmen die flutenden und tauchenden höheren Wasserpflanzen (Makrophyten) seit Mitte der 1990er Jahre bedeutend ab, Blau- und Kieselalgen aber immer mehr zu und überziehen im Jahr 2006 krötenhautförmig die Wasseroberfläche des Itzelberger Sees, trüben das Wasser, sterben ab, faulen und erfüllen die Luft mit Gestank. Nach einem Hochwasser vom März 2008 ist der Brenztopf völlig an Makrophyten verödet. Probenahmen erbringen keinen Beweis eines herbiziden Schadstoffes, ein solcher ist allerdings auch, wenn vorübergehend eingetragen, nur schwer entdeckbar. Im Jahr 2009 sind im klareren Wasser wieder mehr Makrophyten da, vor allem Wasserstern und Tannenwedel und stehen zu den Algen in ausgewogenem Konkurrenzverhältnis um Nährstoffe und um Licht.

Diskussion. Ist im März 2008 aus Karsteinzugsgebieten das billige Herbizid Atrazin in die Brenz gelangt, dessen Anwendung allerdings schon seit vielen Jahren verboten ist? Dagegen spricht die gleichzeitige Verödung auch der Pfefferquelle, die ihr Wasser nicht aus dem Albuch, sondern aus dem gegenüberliegenden Härtsfeld erhält. Ist aus beiden Einzugsgebieten bei gleichzeitiger landwirtschaftlicher Düngung von der Bodenoberfläche zu viel Dünger abgeschwemmt und ins Quellwasser gelangt? Dünger nehmen die Algen schneller auf, wachsen schneller und unterdrücken dann womöglich alle höheren Wasserpflanzen in folgenden Vegetationsperioden.


Äsche Thymallus thymallus aus dem Vogel-, Fisch- und Tierbuch von
Leonhard Baldner (1666: Blatt 157).

Dr. Rainald Hoffmann, Fischereisachverständiger des Regierungspräsidium Stuttgarts, berichtet über Fische der Brenz. Die obere Flussstrecke gehört zur Forellenregion, Leitfischart ist die Bachforelle Salmo trutta forma fario, Begleitart der Groppe Cottus gobio, künstlich eingebracht sind amerikanische Regenbogenforellen Salmo gairdneri wegen ihres höheren anglerischen Werts. Die Strecke von Heidenheim abwärts ist Äschenregion mit der Äsche Thymallus thymallus als Leitfisch. Diese Fischarten verlangen raschfließendes, über steinigen Boden klar dahinströmendes Wasser und sind Kieslaicher. Sie machen kürzere oder längere Wanderungen. Junge Groppen zum Beispiel werden von Hochwassern abgedriftet, wandern an ihren vorherigen Standort zurück, können aber Hindernisse mit Höhen von mehr als 15 Zentimeter kaum überwinden. Äschen wandern bis zu zwölf Kilometern. Diesen Fischwanderungen stellen sich über zwanzig künstliche Mühlwehre entgegen und stauen das Wasser zu fischunüberwindlichen Abstürzen auf. Das WCM-Wehr in Heidenheim hat man zur besseren Fischdurchwanderung im Jahr 2003 mit einem Umgehungsgerinne versehen. Im Stau der Mühlwehre läuft das Brenzwasser langsamer als von Natur aus, diese Flussstrecken sind besonders reich an untergetauchten Wasserpflanzen. In ihnen leben eigentlich in weiter flussabwärts gelegenen Regionen beheimatete Krautlaicher wie Karpfen Cyprinus carpio, Rotaugen Rutilus rutilus, Schleien Tinca tinca oder Hechte Esox lucius. Zum Erhalt ihrer Laichplätze sollte der traditionelle Wasserkrautschnitt am besten im Herbst stattfinden außerhalb ihrer Laichzeiten.


Groppe Cottus gobio aus der Naturgeschichte der Fische
Deutschlands von Marcus Eliser Bloch (1783: Tafel 39).

Ein Wunder ist's, daß in dem Fluß
Ein fremder Fisch lebt mit Verdruß,
Derselbig' d'rin erblind't und stirbt,
Allein der Groppfisch nicht verdirbt.-
     Johann Hornung, 1618.
Brenzmühle in Eselsburg im 19. Jahrhundert. Der aus der Brenz abgeleitete Mühlkanal lässt eben mit zwei Fallen überschüssiges Wasser in die Brenz ab. Auf die Nutzung der Wasserkraft von ungefähr 40 PS verzichtet der Müller mit Erklärung vom 16. Juli 1957. Wohl (wie oft) von Folge der Konkurrenz von Strom aus Überlandwerken im Vergleich mit den Aufwendungen, um solche Mühlanlagen noch weiterzuerhalten.

Diskussion (HW). Älteste, schon für 1143 urkundlich erwähnte württembergische Mühle ist eine Mühle an der Brenz in Mergelstetten (Wirtembergisches Urkundenbuch II, 1858, S. 28), insgesamt 43 Brenzmühlen sind längs der württembergischen Brenzstrecke nachweisbar, wohl kein anderer württembergischer Fluss hat auf gleicher Länge so viele Mühlen. Grund sind reicher Wasserabfluss auch zu Trockenzeiten und umgekehrt wenig Hochwasser, weil viel Regenwasser in den Karst des Brenzeinzugsgebiets versickert, darin kürzere oder längere Zeit verweilt und aufgespeichert wird, welche Abflussverzögerungen Abflussminima wie -maxima der Brenz dämpfen und ausgleichen. In der Brenz verdirbt der Groppfisch nie! Das sagt Johann Hornung (1618). Sind es die geringen Hochwasser der Brenz, die die Tiere kaum einmal abwärts verdriften? Sind es die Mühlenstaustrecken selbst, die vor Abdrift schützen? Auch Höhlungen unter Mauern und Steinen gibt es an Mühlwehren viele, daraus schießt der fingerlange kleine Raubfisch heraus und flieht aufgescheucht zurück in sein Versteck (Günther 1853: S. 252). Mühlkoppe ist ein synonymer norddeutscher Name der Groppe. Schließt sie sich gleich Haussperling oder Mauersegler gern oder ganz an Menschen und ihre Bauwerke an?


Bindsteinmühle im Eselsburger Tal um 1930.

Prof. Dr. Immo Eberl, Ellwangen, sprach über das Kloster Königsbronn und den Zisterzienserorden. Dieser entsteht im 1098 gegründeten Kloster Citeaux, breitet sich unter hochmittelalterlicher Bevölkerungszunahme [Anmerkung: veilleicht Folge damaliger Klimaerwärmumg] über ganz Westeuropa aus, Mitte des 13. Jahrhunderts gibt es schon 647 Klöster. Die Mönche leben den christlichen Mönchsgelüben, kultivieren oft noch unbebautes Land. In das Habsburger Stammland Schwaben stiftet der habsburgische König Albrecht I. im Jahr 1303 als letztes schwäbisches Zisterzienserkloster Königsbronn. Es ist keine Reichsgründung, sondern ein habsburgisches Hauskloster [Anmerkung: was Württemberg später bestreiten wird]. Durch Schenkungen erwirbt es Patronatsrechte über die Pfarrkirchen in Reutlingen (1308) und Pfullendorf (1347), Einnahmequellen neben klostereigenem Wasser und Wald. Eisengewinnung und -verarbeitung blühen unter dem unternehmerischen Abt Melchior Ruff (1513-1540) auf. Abt Ambrosius Boxler (1544-1553) widersetzt sich der Reformation. Als aber der katholische Franzosenkönig einen Fürstenkrieg deutscher protestantischer Fürsten gegen den katholischen Habsburger Kaiser finanziert, brennt der protestantische Markgraf Albrecht von Brandenburg auf dem folgenden Kriegszug 1552 das katholische Kloster nieder und zerstört es von Grund auf. Die Klosterzerstörung nimmt der evangelische Klosterschutzherr Christoph von Württemberg zum Anlass, um den Abt Boxler gefangen zu nehmen, auch wegen angeblichem verschwenderischen Lebenswandel auf die Festung Hohenurach einzusperren, wo er 1557 der Abtswürde entsagt gegenüber dem "rechten, einigen Landesfürst, Erb-, Schutz-und Schirmherr, auch Kostvogt des der Herrschaft Hellenstein inkorporierten Klosters". Schon 1553 setzt Christoph den Maulbronner Mönch Johannes Epplin (Eppelin) von Waiblingen, genannt Singer, zum Abt ein, ganz der evangelischen Lehre ergeben; dass er den Abtstitel führt, ist für 1556 erstmals nachgewiesen. Mönche werden entlassen und abgeschafft, ihre Abtswahl findet nicht mehr statt. Die vom Herzog und Landesherr eingesetzten evangelischen Äbte sind Klostervorsteher und Prälaten, auch Orstpfarrer und wie ihre katholischen Vorgänger Herren über die Klosteruntertanen und das Klostergut, dessen Verwaltung aber bald herzogliche Beamte ausführen. Eine katholische Klosterrestitution von 1629 beendet der Westfälische Friedensschluss von 1648 und stellt die Reformation wieder her. Das evangelische Kloster und Klosteramt werden 1806 aufgehoben, gänzlich säkularisiert, kirchlich in die allgemeine Kirchenorganisation, weltlich in unmittelbaren Staatsbesitz überführt gleich allen württembergischen evangelischen Klöstern und Kirchenstiften im gleichen Jahr, welcher Abschaffung nun die evangelischen Prälaten erfolglos widersprechen.