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Sommerwurz
oder Orobanche im
Ostalbkreis (Baden-Württemberg) Orobanchen oder Sommerwurzgewächse sind wildwachsende Blütenpflanzen des Ostalbkreises. Sie haben kein Blattgrün (Chlorophyll), können keine Assimilate bilden, entnehmen ihre Lebensstoffe fremden Pflanzen, dringen mit ihren Wurzeln in deren Wurzeln ein und befallen dabei wie viele andere pflanzliche und tierische Parasiten wirtsspezifisch bloß wenige Wirtspflanzenarten. Die meisten Orobanchenarten des Ostalbkreises sind wärmeliebend, hauptverbreitet auf mediterrane und gemäßigt-kontinentale Florengebiete und strahlen hierher ins gemäßigt-atlantische Florengebiet nur in wenigen Exemplaren auf wärmste Standorte des östlichen Kreisgebiets besonders ein, wo die Jahresregen stellenweise bloß 650 mm betragen gegenüber bis zu 1000 mm des regenreicheren Westens, zudem niedrigere Meereshöhen die Sommertemperaturen wärmer machen. Auf Randbergen des Nördlinger Rieses vor allem, einer in die Schwäbischen Alb eingesenkten runden Ebene, kommen Orobanchen vor. Die meisten Arten bewohnen schafbeweidete Magerrasen mit heißtrockenen Kalkunterlagen. Die Purpur-Sommerwurz Orobanche purpurea gedeiht auch in Sandgruben und Steinbrüchen auf Silikatgestein. Äcker haben keine Orobanchen mehr, seit kein Hanf mehr angebaut wird und somit die Ästige Sommerwurz Orobanche ramosa ihren Wirt verloren hat, seit Kleesaatgut von Samen der Kleinen Sommerwurz Orobanche minor gereinigt wird und diese auch Kleewürger genannte Sommerwurz gänzlich ausgestorben ist.
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Fund-
und Standorte,
Erstnachweise.
1. Orobanche alba Weiße Sommerwurz. Hauptverbreitung in der gemäßigten und mediterranen Zone (gemäßigt, mediterran). Auf Thymian Thymus. - Erstnachweis von Hermann Frickhinger (1911: S. 281): Zwischen Sechtenhausen und Wössingen, also auf dem Bonifatiusberg, wo viel Thymus wächst. Heute: Riegelberg und ein Berg über Oberkochen. In felsigen, flachgründigen Kalkmagerrasen. 2.
Orobanche alsatica
Elsässische Sommerwurz. Hauptverbreitung in der kontinentalen Unterzone
der gemäßigten Zone (gemäßigt-kontinental). -
Kommt die Art vor? Könnte auf Hirschwurz Peucedanum cervaria,
Berg-Haarstrang Peucedanum oreoselinum oder Elsässischem
Haarstrang Peucedanum alsaticum schmarotzen, dieser in Württemberg
allein auf dem Wannenberg, Goldberg und Eichenbühl des Ostalbkreises
wachsend.
7. Orobanche minor Kleine Sommerwurz, Kleewürger. Gemäßigt, atlantisch. Auf Klee Trifolium. - Zuletzt 1955 in Neuler auf einem Feld mit Rot-Klee; keine Vorkommen mehr, da nur mehr kleewürgerfreies Saatgut gehandelt werden darf und zur Aussaat kommt (Schultheiss 1976). 8. Orobanche purpurea Purpur-Sommerwurz. Mediterran. Auf Schafgarbe Achillea. - Erstnachweis von Fischer (1982: S. 358): Hügel mit Granitunterlage bei Oberwilflingen. Heute ferner: Tannäcker in Eschach, Birkenlohe, Gromberg, Bonifatiusberg, Flochberg, Goldberg, Limberg. In Kalk- und Silikatmagerrasen, auf Abraumhalden und Graswegen eines Silikatsteinbruchs, in einer alten Sandgrube. 9. Orobanche ramosa Ästige Sommerwurz, Hanftod. Mediterran. Auf Hanf Cannabis.- Erstnachweise von Frölich: Orobanche ramosa L. L. ad radicem Cannabis sativae in valle Himmelreich dicta August 1811. Habe ich auf der Wurzel von Hanf im Himmelreich genannten Tal gesammelt (TUB), Fundort wie oben bei Nr. 6. Literarischer Nachweis Frölichs für Lauchheim aus seiner Beobachtungszeit von 1797 bis 1841. Letztnachweis von Straub (1903: S. 161): Täferrot. In feuchten Äcker auf Wurzeln des Hanfs (Schnizlein & Frickhinger 1848: S. 170, Straub 1903: S. 161). Kein Hanfanbau mehr, daher ausgestorben. 10. Orobanche teucrii Gamander-Sommerwurz. Mediterran. Auf Gamander Teucrium.- Erstnachweis von Aleksejew am 16. Juni 1995: Scheuelberg. Zweitnachweis von Wolf am 17. Juni 2006: Sandberg. In Kalkmagerrasen. |
Schlüssel zum einfachen Bestimmen 1. Blüten mit einem
Tragblatt und zwei seitlichen Vorblättern, Blütenfarbe hellblau
bis blauviolett. - Wenn nein zur Gegenfrage 1* usw. Schäferei und Naturschutz Standorte von acht Orobanchenarten sind Schafweiden. Bis zu vierzigtausend Schafe treibt man in den 1880er Jahren jährlich auf den Nördlinger Schafmarkt auf, die Schafwollmärkte blühen. Bald kommen mit den neuen Eisenbahnen, zuerst wird Nördlingen 1849 angeschlossen, billigere ausländische Schafwolle und „spottbillige“ Baumwolle (Walcher 1886). Der Erste Weltkrieg beendet den Absatz des hier wenig gegessenen Hammelfleisches auf den Pariser Markt. Im Jahr 1967 ist der letzte Nördlinger Schafmarkt. Immer mehr Schafweiden wachsen mit Wald zu oder werden aufgeforstet: Auf dem Braunenberg, wo Frölich 1808 die erste Orobanche wissenschaftlich nachweist, am Tierstein, auf dem Rechberg, im Wental, an vielen anderen Orten. Je mehr Schafweiden verschwinden, umso mehr schätzen Naturfreunde sie, erblicken in den Schäfern auf diesen Heiden einen Berufsstand mit landes- und volkskundlicher Bedeutung und typische „Älbler“, ein Kunstwort aus dem Schwäbischen Albverein. Schäfer erhalten für Weiterbeweidung und somit Offenhaltung ihrer Heiden seit den 1970er Jahren Staatszuschüsse. Auch ist das Schäferleben nicht mehr so hart! Der Schäfer pfercht seine Tiere zu Mittag und zur Nacht in leicht transportable Plastikumzäunungen, nächtigt in keinem Schäferkarren mehr, sondern fährt mit dem Geländewagen in den Mittag und Feierabend. Er kommt zurück, öffnet das Pferch, seine folgsamen Hunde folgen mit der Schafherde dem Geländewagen ihres Eigentümers auf die Weide. Schafe erhalten die antropozoogenen Heiden, worauf die schönen Orobanchen wachsen. Botanik. Aleksejew, Peter (2006): Briefliche Mitteilungen über Orobanchenfunde. - Balters, Helmut (2001): Flora des Gebiets um obere Jagst, Bühler und Rotach, der nördlichen Alb und des Riesrands. - Westhausen (Manuskript), 170 S. - Bertsch, Karl & Franz Bertsch (1933): Flora von Württemberg und Hohenzollern zum Gebrauche auf Wanderungen, in Schulen und beim Selbstunterricht. - München (J . F. Lehmanns Verlag), 320 S. Eine Grundlage des Bestimmungsschlüssels. - Demuth, Siegfried (1996): Orobanchaceae. In: Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs, Band 5 (Herausgeber Sebald, Oskar, Siegmund Seybold, Georg Philippi & Arno Wörz): S. 361-398. - Stuttgart (Eugen Ulmer), 539 S. Bestandsentwicklungen und Verbreitungen. - Fischer, Rudolf (1982): Flora des Rieses. - Nördlingen (Verein Rieser Kulturtage, C. H. Becksche Druckerei), 552 S. + 274 Farbfotos auf Farbtafeln. - Fischer, Rudolf (2002): Flora des Rieses. 2., ergänzte Auflage. - Nördlingen (Verein Rieser Kulturtage, C. H. Beck), 662 S. + 274 Farbfotos wie vorher. - Frickhinger, Hermann (1911): Flora des Rieses. - Nördlingen (C. H. Becksche Buchhandlung), 404 S. + 1 Karte. - Höhenberger, Gerd (1993): Zum Vorkommen der Sommerwurz-Arten im Ries. - Natur und Naturschutz im Ries, Heft 8 (Schutzgemeinschaft Wemdinger Ried und Verein für Naturschutz und Landschaftspflege im Ries): S. 41-44. - Kreutz, C. A. J. (1995): Orobanche. Die Sommerwurzarten Europas. The European broomrape species. 1. Mittel- und Nordeuropa. Central an Northern Europe. - Maastricht (Stichting Natuurpublicaties Limburg), 159 S. Schönes und bestillustriertes Werk. Standardwerk des Orobanchenfreunds. Zweite Schlüsselgrundlage. - Oberdorfer, Erich (1983): Pflanzensoziologische Exkursionsflora. - Stuttgart (Eugen Ulmer), 1054 S. Daraus die pflanzengeografischen Hauptverbreitungen, einige Begriffe umbenannt: eurasiatisch in gemäßigt, eurasiatisch-kontinental in gemäßigt-kontinental, europäisch kontinental in pontisch. - Rodi, Dieter, Renate Winkler, Peter Aleksejew & Manfred Walderich (1983): Vegetation und Standorte des Rosensteins. - Unicornis 3, Heft 1/2: 17-35. - Rodi, Dieter (2004): Die Landschaft, Lebensräume von Pflanzen und Tieren und ihr Schutz. In: Rechberg. Ein Heimatbuch. Schwäbisch Gmünd (Ortschaftsverwaltung Rechberg und Stadtarchiv): S. 28-43. - Schwäbisch Gmünd (Einhorn-Verlag), 464 S. Rechberg und Rechbergaufforstungen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Sommerwurznachweise. - Schnizlein, Adalbert & Albert Frickhinger (1848): Die Vegetations-Verhältnisse der Jura- und Keuperformation in den Flussgebieten der Wörnitz und Altmühl. Mit einer geognostisch-topographischen Karte des Bezirks. - Nördlingen (C. H. Becksche Buchhandlung), VII + 344 S. + 1 Karte. S. 170. - Schultheiss, Franz Xaver (1976): Flora von Ellwangen. Ellwanger Jahrbuch 26: S. 143-212. - Schübler, Gustav & Georg von Martens (1834): Flora von Württemberg. - Tübingen (C.F. Osiander), XXXII + 696 S. + 1 Karte der Umgebungen von Tübingen. - Straub, Stephan (1903): Exkursions-Flora des Bezirks Gmünd. Zweite erweiterte Auflage. - Stuttgart (Muthsche Verlagshandlung), 216 S. - Uhlich, Holger, Jürgen Pusch & Klaus-Jörg Barthel (1995): Die Sommerwurzarten Europas. Gattung Orobanche. Neue Brehm-Bücherei Band 618. - Magdeburg (Westarp Wissenschaften), 236 S. Guter Bestimmungsschlüssel, dritte Schlüsselgrundlage. - Wolf, Hans (2004): Josef Aloys Frölich (1766-1841) und die Flora von Ostwürttemberg mit Darstellung klimatischer und agrarkultureller Veränderungen und mit Anregungen für aktuellen Naturschutz. Sonderdruck aus Beiheft 1 der Berichte der Botanischen Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutschland. - Karlsruhe (Privatdruck), S. 81-147 des gesamten Beihefts. S. 117 Frölich-Nachweise von Orobanche lutea und Orobanche ramosa. Landwirtschaft und Schäferei. Henning, Rudolf & Gerd Maier (1986): Eberhard Emminger. Süddeutschland nach der Natur gezeichnet und lithografiert. - Stuttgart (Konrad Theiss Verlag), 168 S. Zeigt auf S. 100 eine Lithografie Emmingers mit der noch offenen Heide des Braunenbergs vom Jahr 1854. - Hornberger, Theodor (1955): Der Schäfer. Landes- und volkskundliche Bedeutung eines Berufsstandes in Süddeutschland. - Stuttgart (W. Kohlhammer), 248 S. + Fototafeln. Darstellung der schäferlichen Wirtschaftsformen und Lebensäußerungen. - Kilian, Ruth (1988): Rieser Landwirtschaft im Wandel: 1800-1950. - Rieser Kulturtage. Dokumentation Band VII/2: 738-760. S. 749 Rückgang und Rückgangsgründe der Schafhaltung. - Kilian, Ruth (2002): Die Rieser Landwirtschaft im Wandel. - Oberschönenfeld (Museumsdirektion des Bezirks Schwaben), 200 S. S. 81 über Blüte und Niedergang des Nördlinger Schafmarkts. - Mattern, Hans, Reinhard Wolf & Jörg Mauk (1979): Die Bedeutung von Wacholderheiden im Regierungsbezirk Stuttgart sowie Möglichkeiten ihrer Erhaltung. Veröffentlichungen Naturschutz und Landschaftspflege Baden-Württemberg 49/50: S. 9-29. - Mattern, Hans (1985): Der Goldberg mit seinen angrenzenden Höhen. - Rieser Kulturtage. Dokumentation Band V/1984: S. 571-585. - Riehle, Max (2003): Die Wälder des Wentals früher und heute. In: Das Wental (Herausgeber Rodi, Dieter & weitere Autoren). Schwäbisch Gmünd (Einhorn-Verlag), 210 S. + 1 farbige Karte: S. 48-63. S. 55-56 Aufforstungen von Wentalheiden in zweiter Hälfte des 19. Jahrhunderts, Bestockung einst offener Wentalhänge. - Walcher, Gustav (1886): Viehzucht. In: Beschreibung des Oberamts Ellwangen. Band I. Stuttgart (W. Kohlhammer ), 366 S: S. 253-264. S. 259-261 über Höhepunkte der Schafhaltung, Wollmärkte, Fleischverkauf an einheimische Metzger und auf den Pariser Markt. - Walcher, Gustav (1886): Landwirtschaft. In: Beschreibung des Oberamts Ellwangen. Band I. Stuttgart (W. Kohlhammer), 366 S.: S. 208. |
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