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Der Rechberg,
Louis Mayer (1791-1843) aus Neckarbischofsheim ist der Künstler des Rechbergbilds. Im Vordergrund weidet eine Schafherde auf dem Weg zum höchsten Gipfel, dem hier nicht sichtbaren Kirchberg (707 Meter), worauf der Maler steht. Wir blicken auf den niedrigeren Schlossberg mit der Burg Rechberg (644 Meter). Von seinem Fuß läuft der Aasrücken nach Westen zum Hohenstaufen (684 Meter), dem kegelförmigen Berg der Bildmitte. Im Südwesten, im Bild hinten links, steigt die zusammenhängende Bergkette der eigentlichen Schwäbischen Alb auf. Man sieht den neckar- und rheinseitigen Steilanstieg (Albtrauf), oben endend in eine scharfen Kante. Von dort fällt das Gebirge tafelförmig mit schwachem Gefälle zur Donau hin (Albtafel), sichtbar am Berg ganz links hinten.
Mayers Gemälde ist nach Fleischhauer das vielleicht einzige wirklich romantisch erfüllte Landschaftsbild der schwäbischen Kunst. Aus der getreuen gewissenhaften Durchführung des Vordergrunds spricht die Ehrfurcht vor der Natur und Schöpfung, die doch zum Grundwesenszug echter romantischer Landschaftskunst gehört. Man spürt sie in jedem liebevoll ausgeführten Schäfchen der kleinen Herde, die der Hirte führt. Atmosphärische Ereignisse der von Westen drohenden Regenfront beleben die Landschaft, verraten nach Fleischhauer auch etwas von der Unruhe des späten Biedermeiertums. Mit dem Eisenbahnanschluss von Göppingen im Jahr 1847 wird die Technisierung dieser Landschaften beginnen. Die einzelstehenden Rechberg und Hohenstaufen bauen gleiche Gesteine auf wie die geschlossene Albtafel im Süden. Diese zwei Zeugenberge zeigen die ehemals weitere Ausdehnung der Alb nach Norden an. Aus der tieferen Erosionsbasis des Rheins nämlich greifen die Neckarzuflüsse Fils und Rems und deren Seitenbäche in rückschreitender Erosion überall Hangfüße an; zuletzt 2002 stürzt am Furtlespass zwischen Rems- und Filstal ein Hang in die Tiefe, wodurch die Straße von Schwäbisch Gmünd nach Degenfeld mehrere Monate unpassierbar ist. Die Erosion treibt den geschlossenen Albtrauf immer weiter nach Süden und nimmt der Donauseite der Alb Land weg. Rechberg und Hohenstaufen bleiben isoliert stehen, denn Verwerfungen des schwäbischen Lineaments haben ihre harten Weißjuraschichten grabenförmig in Tiefe gesenkt, weichere seitliche Gesteine trägt später des Wasser ab und kehrt den einstigen Graben zu herausgehobenen Bergen und Rücken um (Reliefumkehr). Rückenförmig überragen die beiden Zeugenberge ihre Umgebungen.
Auf der Burg Rechberg sitzen einst
die Ritter von
Rechberg als Ministerialen der schwäbischen Hohenstaufenherzöge.
Ihre Marschalle sind Ulrich I. von Rechberg 1194 bis 1205
und sein Sohn. Aus diesen Beamtenämtern steigt die Familie Rechberg
in den Ritterstand auf, sanktioniert durch ein Gesetz des Stauferkaisers
Friedrichs II. von 1231, wonach künftig keiner mehr die Ritterwürde
erlangen darf, er sei denn bereits ritterlichen Geschlechts (Geburtsadel).
Den Untergang der Hohenstaufen (1268) überlebt die Familie von Rechberg
bis zum heutigen Tag, tritt in Besitzrechte der Hohenstaufen ein und erwirbt
Freieigen (Allode) im Umkreis ihrer Burg. In Heuchlingen im Leintal ist
sie Lehensträger des Fürstpropsts von Ellwangen; dieser zieht
das Lehen 1590 ein, nachdem ein Rechberger Familienzweig den evangelischen
Glauben eingeführt hat, und stellt den alten Glauben wieder her.
Bei diesem Glauben bleibend dienen Familienangehörige als Beamte,
Soldaten und Priester auch höheren katholischen Herren, darunter
dem Fürstpropst in Ellwangen, bayerischen Herzögen oder dem
Kaiser in Wien. Dieser erhebt im 17. Jahrhundert einen Familienzweig in
den hochadeligen Grafenstand (Briefadel). Staatsrechtlich jedoch bleibt
die Herrschaft Rechberg stets ritterlich (freiherrlich) im Ritterkanton
Kocher ohne den erstrebten Sitz auf der Grafenbank des Regensburger Reichstags.
Die Stammburg des 13. Jahrhunderts übersteht den Bauernkrieg von
1525, als die Bauern die benachbarte Burg Hohenstaufen niederbrennen,
und den Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648.
In den Jahren 1805 und 1810 fällt die Herrschaft Rechberg an
Württemberg. In einer Winternacht des Jahres 1865 brennt die
Burg durch Blitzschlag nieder. Doch stehen noch eindrucksvolle
Ruinen. In der Vorburg blickt man aus der Gaststätte weit auf
die Schwäbische Alb hinaus. Man steigt auf dem Stationenweg
auf den höchsten Rechberggipfel mit Gasthaus (einst
Pfarrhaus), Mesnerhaus und mit der Wallfahrtskirche
zur Schönen Maria. Am Platz einer sehr viel
älteren Wallfahrt wird ihr Bau im Jahr 1686 zwei Jahre nach
dem Sieg der Christen über die Türken vor Wien begonnen.
Schon in einer Predigt auf dem Ellwanger Schönenberg am 16. November
1936 und in der Rechbergpredigt selbst spricht der schwäbische Bischof
von einem Hass auf das Christentum und verlangt Mut gegen die Gottlosen.
Er wehrt sich gegen die stattfindende Zerstörung der christlichen
Kultur und sagt einen Sieg Christi voraus. ![]() Schwäbische Alb mit Hornberg, Stuifen und rechts Rechberg. |
Gesellschaft für
Naturkunde in Württemberg Exkursion am Vormittag vom Ort Rechberg auf den Schlossberg mit der alten Burg Rechberg, dann auf den höchsten Rechberggipfel, den Kirchberg mit seiner Wallfahrtskirche. Man studierte Gesteine und Versteinerungen mit ihren Schichtenfolgen. Im Burggraben stehen wohlgebankte Kalke des Weißjuras ß (Oxfordium ox2) zwölf Meter tiefer als in einem Steinbruch am Aufstieg zum Kirchberg, sind durch Verwerfungen des Schwäbischen Lineaments in die tiefere Lage herabgerutscht und formen so, da witterungsbeständig und hart, den treppenartigen zweigipfeligen Aufbau des Rechbergs. Die Kalksteinschichten fallen im Steinbruch mit ungefähr 25 Prozent nach Nordosten, gewöhnlich aber mit zwei bis vier Prozent nach Südosten, eine Störung der gleichen Verwerfung.
Kolkraben (Corvus corax) umfliegen den Rechberggipfel in der Sonne des Exkursionstags. Sie kehren in den 1970er Jahren auf die östliche Schwäbische Alb zurück, da sie nicht mehr verfolgt werden dürfen, und nisten auf Weißjurafelsen. Die Wallfahrts- und Pfarrkirche auf dem Rechberggipfel erbaut von 1686 bis 1688 Valerian Brenner, caelebs ex Sylva Brigant, Baumeister aus dem Bregenzer Wald. Er kommt aus dem vom mörderischen Dreißigjährigen Krieg fast unberührten Vorarlberg, damals dem schwäbischen Reichskreis angehörend, und ist einer der vielen Vorarlberger Architekten, Baumeister, Stuckateure, Maurer und Gipser, welche kriegszerstörte schwäbische Kirchen, Klöster, Schlösser und Bürgerbauten des davorliegenden Schwabenlandes im Barockstil wiederaufbauen.
Zu Vorträgen begrüßt Dipl.-Ing. Hans Wolf, Leiter des Vereinszweigs, die Teilnehmer der Tagung am Nachmittag im Gmünder Prediger. Werner K. Mayer: Die Schichtenfolge des Geologischen Pfads von Schwäbisch Gmünd auf den Rechberg. In sechzig Millionen Jahren werden Jurasedimente in einer Mächtigkeit von etwa sechshundert Metern im Jurameer abgelagert. Die Schichten werden heute in Unterjura, Mitteljura und Oberjura eingeteilt, früher Schwarzjura-, Braunjura- und Weißjura, und bauen den Rechberg auf. Ein Geologischer Pfad von Schwäbisch Gmünd zum Rechberggipfel erschließt dem Wanderer die ganzen Schichtenfolge an über zwanzig mit Schautafeln versehenen Aufschlüssen. Dr. Hans-Joachim Bayer: Das Schwäbische Lineament – eine tektonische Großstruktur. Vom Nördlinger Ries bis zum Neckar bei Plochingen läuft eine Verwerfung mit Sprunghöhen bis zu hundert Meter. Ziemlich geradlinig liegen der Blasenberg und der Ipf bei Bopfingen, der Rücken des Albäumles in Aalen, der Rosenstein und der Scheuelberg in Heubach, sowie Rechberg und Hohenstaufen in dieser Linie und erheben sich über ihre Umgebung aus den links beschriebenen Ursachen. Dr. Theo Simon: Die Entstehung der Landschaft am Rechberg. Die Hochfläche der Schwäbischen entwässert ins Donaugebiet. Donauzuflüsse entspringen früher weiter nördlich. Der Neckar, wichtiger Nebenfluss des Rheins, und seine Zuflüsse schneiden von Norden in die Alb ein, kehren die Fließrichtung des Wassers rheinwärts um (Flussumkehr) und rücken den Albnordrand (Albtrauf) immer weiter nach Süden. Einzeln bleiben der Rechberg und mehrere weitere Zeugenberge vor dem heutigen Nordrand der Alb stehen. Diese rückschreitende Flusserosion und das schwäbischen Lineament formen die Rechberglandschaft. Prof. Dr. Dieter Rodi: Lebensräume des Rechbergs und ihr Schutz mit besonderer Berücksichtigung der Trockenrasen. Der Rechberg ist um 1840 Schaf- und Ziegenweide. Um 1870 beginnt die Aufforstung mit Nadel- und Laubbäumen. Waldfrei bleiben einige Wacholderheiden, Kalkmagerwiesen, Salbeifettwiesen und Obstbaumwiesen und werden in Übereinstimmung mit der Gräflich Rechbergschen Forstverwaltung als Offenland erhalten. Naturschützer befreien Wacholderheiden von aufsprießenden Büschen, Landwirte mähen Bergwiesen. Pflegearbeiten und Pflegeverträge erhalten die reich gegliederten Landschaft und ihre reiche Flora und Fauna. Allgemeine Naturkunde. Schwab, Gustav (1823): Die Neckarseite der Schwäbischen Alb. - Tübingen (Nachdruck 1960 im Buske Verlag), 314 S. + 1 Karte. S. 229f. zitierte Schilderung der Burg Rechberg, S. 237 der Rechbergaussicht. - Fleischhauer, Werner (1963): Die Alb in den Augen der klassischen und romantischen Maler. - In: Die Schwäbische Alb in Dichtung und Malerei: S. 34-40. - Stuttgart (Schwäbischer Albverein), 114 S.+ 69 Tafeln. Auf S. 39 die kursiven Zitate. - Hölzinger, Jochen (1997): Die Vögel Baden-Württembergs. Band 3.2. - Stuttgart (Ulmer), 941 S. S. 480f.: Wiederbesiedlung der Alb durch den ausgerotteten Kolkraben.- Rodi, Dieter (2004): Die Landschaft, Lebensräume von Pflanzen und Tieren und ihr Schutz. In: Weber, Karl & K. J. Herrmann (2004): Rechberg. Ein Heimatbuch: S. 44-50: S. 28-43. - Schwäbisch Gmünd (Einhorn Verlag), 464 S. Geologie. Leonardo da Vinci (1508): Codex Arundel im British Museum London. - Der Eingangssatz Leonardos über Land und Meer auf Blatt 57 r. Quelle: Zamboni, Guiseppe (1958): Leonardo da Vinci. Philosophische Tagebücher. Italienisch und Deutsch. - Hamburg (Rowohlt), 176 S. Auf S. 54f. der zitierte Satz, auf S. 61f. Leonardos Begründungen, warum einst Meer war, wo heute Land ist. - Gugenhan, Max (1900): Beitrag zur Bestimmung der früheren Ausdehnung der Flusstäler der schwäbischen Alb. Jahreshefte Gesellschaft für Naturkunde Württemberg 56: S. 484-497. Im Nachdruck 149: S. 647-660. - Bayer, Joachim (1982): Das Schwäbische Lineament. - Ostalb/Einhorn 35: S. 288-297. - Rodi, Dieter & weitere Autoren (1974): Geologischer Pfad. Schwäbisch Gmünd-Hohenrechberg. - Schwäbisch Gmünd (Naturkundeverein), 28 S. + 1 Faltkarte. - Mayer, Werner K. (2004): Erdgeschichte und Landschaft um den Rechberg:S. 8-27. - In: Weber, Karl & K. J. Herrmann (2004): - Schwäbisch Gmünd (Einhorn Verlag), 464 S. Geschichte. Schön, Theodor (1893): Schloss Hohenrechberg. - Blätter des Schwäbischen Albvererins 5: S. 7-10 mit schönem Bild der unabgebrannten Burg. - Königliches Statistisches Landesamt (1906): Das Königreich Württemberg. Dritter Band. Jagstkreis. - Stuttgart (Kohlhammer), 567 S. S. 34 über Heuchlingen im Leintal, die dortigen Rechberger und den Entzug ihres Lehens durch den Ellwanger Fürstpropst 1590 . - Anonymus (1909): Vom Hohenrechberg. - Blätter des Schwäbischen Albereins 11 (4): Spalte 97-100. Geschichte der Wallfahrt und der Wallfahrtskirche. - Hutter, Otto (1914): Das Gebiet der Reichsabtei Ellwangen. - Stuttgart (Kohlhammer), 229 S. + 1 Karte. - S. 150: Der Fürstpropst zieht 1590 von den Rechbergern die Heuchlinger Lehengüter und den Kirchsatz ein; Huldigung gegenüber dem neuen katholischen Kirchsatzinhaber und Rückführung des Dorfs in den alten Glauben. - Stadelmaier, Rupert (1945, vierte Auflage 1979): Wallfahrt zur Schönen Maria auf dem Hohenrechberg. - Tübingen (Metz), 47 S. - Kieß, Rudolf (1965): Rechberg. In: Max Miller & Gerhard Taddey (1965): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Baden-Württemberg: S. 647f. - Stuttgart (Kröner Verlag), 1029 S. - Reitzenstein, Alexander von (1972): Rittertum und Ritterschaft. - München (Prestel), 144 S. S. 9f. über Aufstieg von Ministerialienfamilien in den Ritterstand. - Kopf, Paul (1977): Joannes Baptista Sproll. Bischof von Rottenburg. 1870-1949. - Schwäbische Lebensbilder 13: S. 442-469. - Historischer Verein für Nördlingen und das Ries (1985): Frieden ernährt. Krieg und Unfrieden zerstört. 14 Beiträge zur Schlacht bei Nördlingen 1634. - Nördlingen (Historischer Verein), 373 S. Darstellung, wie eine religiöse Schlacht Südwestdeutschland in Brand, Mord, Pest und Tod stürzt und das Land über Jahrzehnte entvölkert. - Kopf, Paul (1988): Bischof Sproll und der Schönberg im Zeugnis seiner Predigten. In: Pfeifer, Hans (1988): Wallfahrt Schönenberg: S. 180-192. - Ellwangen (Schwabenverlag), 272 S. - Kopf, Paul (1988): Joannes Baptista Sproll. Leben und Wirken. - Sigmaringen (Thorbecke), 198 S. + 240 Fotos auf Tafeln. S. 130-140 mit Manuskript von Sprolls Rechbergpredigt am 19. September 1937. - Eberl, Immo (2004): Rechberg im Mittelalter. - In: Weber, Karl & K. J. Herrmann (2004): Rechberg. Ein Heimatbuch: S. 44-50. - Schwäbisch Gmünd (Einhorn Verlag), 464 S. - Stegmaier, Klaus (2004): Die Geschichte der Wallfahrt auf dem Hohenrechberg. In: Weber, Karl & K. J. Herrmann (2004): S. 272-296. - S. 284f. über die Predigt von Bischof Sproll am 19. September 1937 mit Foto des Predigers. - Trauchburg, Gabriele von (2004): Die Herrschaft Hohenrechberg in der Frühen Neuzeit (1494-1808). In: Weber, Karl & K. J. Herrmann (2004). Rechberg. Ein Heimatbuch: S. 51-89. - Schwäbisch Gmünd (Einhorn Verlag), 464 S. - Wolf, Hubert (2009): Die Affäre Sproll. - Ostfildern (Thorbecke-Verlag), 263 S. Titel den bedeutendsten Rottenburger Bischof und Hitlergegner in die Nähe einer Affäre stellend, so als ob das Buch wenigstens vom Titel her von keinem Freund des Bischofs geschrieben wäre. Grund für diese Titelwahl? |