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Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg. Vereinszweig Ostwürttemberg Sperlingskauz
(Glaucidium
passerinum) in
Virngrund und Albuch (Ostwürttemberg)
Bestandsentwicklung.
Der Sperlingskauz bewohnt natürliche Fichtenwälder in mehr
als 700 Meter Höhe, in welche Hochlagen der feindliche
Waldkauz kaum vordringt (Glutz
von Blotzheim 1980: S. 481).
In
den Virngrund rückt die Fichte seit ungefähr 1300 unter Klimaabkühlung
("Kleine Eiszeit") und fichtenförderndem Waldbau herab.
Doch lässt die hallenartige Waldstruktur des 19. Jahrhunderts keine
Sperlingskauzansiedelung zu: Aus
Staatswäldern wird bis 1873 (Gesetz über Ablösung von
Waldstreurechten), aus Bauernwäldern bis in die 1950er Jahre viel
Baumjungwuchs zu
Stalleinstreu herausgehauen und herausgerecht. Das Reichsjagdgesetz
von 1934 schont und vermehrt Rehe, außerhalb von Zäunen verbeißen
die Tiere viel Baumjungwuchs. Heute werden gegenüber 1953 zehn
Mal so viele Rehe erlegt (John
1991: S. 69). Förster wandeln hallenartige Fichtenforste
in sich selbst verjüngende jungholzreiche
Mischwälder um
(Fotos).
Dichtes Jungholz bietet dem Sperlingskauz Deckung vor seinen Feinden,
die mehrstufige Waldstruktur ein reicheres an Angebot an Kleinvögeln
als aus alten Hallenwäldern. Da man überall in Mitteleuropa
ähnliche Mischwälder aufbaut, rückt der Sperlingskauz
seit 1970
auch in vielen anderen Gegenden in tiefer gelegene Waldungen herab (Hölzinger
& Mahler 2001: 186 für Schwarzwald, Bauer & Berthold 1995:
S.
252-253, Hölzinger 2009 für Stromberg).
Auerhuhn zum Vergleich. Im Schwarzwald nimmt der Sperlingskauz zu, das Auerhuhn seit mehreren Jahrzehnten ab (König, Kaiser & Mörike 1995: S. 474; Hölzinger & Boschert 2001a: S. 69). Völlig andere Biotopansprüche als der Sperlingskauz haben die ehemaligen Auerhühner des Virngrunds (Krauß-Haid 1927 mit obigem Bild): Bauern hacken und rechen dort wie einst auch aus dem Schwarzwald (Tafel 77 von Feucht 1936, oben links) Waldstreu heraus, die Streumahd regt Heidelbeeren zu immer neuem Wachstum an, an sonnigen Platten der ausgelichteten Wälder leben zahlreiche Ameisen, beide wichtige Auerhuhnnahrung. Mit Ende der Waldstreuentnahme in den 1950er Jahren sterben die Auerhühner aus dem Virngrund aus. Im Schwanzwald gefährdet sie das heutige Waldbauziel (Weidenbach 1997: S. 58f. ): Dem lichten borealen Nadelmischwald mit der Hauptverbreitung des Auerhuhns ist der frühere, devastierte Schwarzwald näher gekommen als der heute angestrebte Wald mit reichlicher Naturverjüngung, wo weniger weniger Licht auf den Boden gelangt, Heidelbeeren herausgedunkelt werden. Auerhühner meiden offensichtlich die heutigen naturnäheren Wälder Südwestdeutschlands, wogegen der Sperlingskauz in sie einzieht wie etwa in den Virngrund, aus dem das Auerhuhn gänzlich ausgestorben ist. Sperlingskauz. Dresser, Henry Eeles (1871-81): History of the birds of Europe. Band V. Obiges Bild von Tafel 316. - Naumann, Johann Andreas (1898-1899): Naturgeschichte der Vögel Mitteleuropas. Neu bearbeitet von G. Berg u.a. Band 5. Raubvögel. - Gera-Untermhaus (Köhler), 334 S. Daraus Originaltext Naumanns (1744-1826). - Heinroth, Oskar & Magdalene Heinroth (1926): Die Vögel Mitteleuropas in allen Lebens- und Entwicklungsstufen photographisch aufgenommen und in ihrem Seelenleben bei der Aufzucht vom Ei ab beobachtet. II. Band. - Berlin-Lichterfelde (Hugo Bermühler Verlag), 160 S. + viele Tafeln.- Uttendörfer, Otto (1939): Die Ernährung der deutschen Raubvögel und Eulen und ihre Bedeutung in der heimischen Natur. - Neudamm (Verlag J. Neumann-Neudamm), 360 S. + zahlreiche Tabellen. - König, Claus (1964): Rauhfußkauz (Aegolius funereus) und Sperlingskauz (Glaucidium passerinum) in Baden-Württemberg. - Schriften reihe Landesstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Nordrhein-Westfalen, Heft 1: S. 63-66. - König, Claus (1967): Der Sperlingskauz (Glaucidium passerinum) stirbt in Baden-Württemberg aus. - Veröffentlichungen Landesstelle Naturschutz und Landschaftspflege Baden-Württemberg 35: 39-44. - Glutz von Blotzheim und andere Autoren (1980): Handbuch der Vögel Mitteleuropas. Band 9. Columbiformes - Piciformes. - Wiesbaden (Akademische Verlagsgesellschaft), 1148 S - Schönn, Siegfried unter Mitarbeit von Wolfgang Scherzinger (1980): Der Sperlingskauz. Glaucidium passerinum passerinum. 3. unveränderte Auflage (Nachdruck der 2. Auflage von 1980). Neue Brehm-Bücherei Band 513. - Heidelberg (Spektrum Akademischer Verlag), 126 S. - Schildmacher, Hans (1982): Einführung in die Ornithologie. - Stuttgart (Gustav Fischer Verlag), 283 S. + 16 Tafeln. - Wolf, Hans (1993): Vogelwelt von Ostalb, Virngrund und Ries. Band 1. Greifvögel und Eulen. Ornithologische Jahreshefte Baden-Württemberg 9. 120 S. Besiedlungsgeschichte des Albuchs durch den Rauhfußkauz. - Bauer, Hans-Günther & Peter Berthold (1995): Die Brutvögel Mitteleuropas. Bestand und Gefährdung. - Wiesbaden (Aula-Verlag), 715 S. - König, Claus, Helmut Kaiser & Doris Mörike (1995): Zur Ökologie und Bestandsentwicklung des Sperlingskauzes (Glaucidium passerinum) im Schwarzwald. - Jahreshefte Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg 151: S. 457-500. - Hölzinger, Jochen & Ulrich Mahler (2001b): Die Vögel Baden-Württembergs. Nicht-Singvögel 3. - Stuttgart (Ulmer), 549 S. - Rodi, Dieter & weitere Autoren (2003): Das Wental. - Schwäbisch Gmünd (Einhorn-Verlag), 210 S. + 1 farbige Karte. - Braun, Monika & Fritz Dieterlen (2005): Die Säugetiere Baden-Württembergs. Band 2. - Stuttgart (Eugen Ulmer), 704 S. - Hölzinger, Jochen (2009): Sperlingskauz (Glaucidium passerinum) Brutvogel im Stromberg. Ornithologische Jahreshefte Baden-Württemberg 25 (1): S. 41-45. Brutnachweise aus dem 260 bis 477 m hohen Waldgebiet im Einzugsgebiet der aus dem Schwarzwald herausfließenden Enz. Auerhuhn. Krauß-Haid (1927): Auerwild im Virngrund - Ellwanger Berge - in Württemberg. - Wild und Hund 23 (17): S. 335. - John, Peter (1991): Beobachtungen eines Forstmanns. Ein Praktiker plaudert.- Ellwangen (Privatdruck), 126 S. Nach S. 96-99 tieferer Grund, warum das Auerwild den Virngrund verlassen hat, Ende der Waldstreunutzung mit Rückgang des Heidelbeerbewuchses und Abnahme sonniger Platten, an deren Rändern sich Ameisennester entwickeln.Je mehr das aufkommende Torf- und Weißmoos mitsamt dem Wurzelfilz aus Beerkraut abzog, umso mehr versauerte der Boden und umso stärker wuchs ebendiese saure Bodenvegetation, nahm der Kiefernanteil des Waldes zu, wuchsen Hahnenkiefern mit tiefen, ausladenden Kronen heran. Grund des Auerhuhnaussterbens auch das starke Aufkommen des Schwarzwilds. - Weidenbach, Peter (1997): Naturnaher Waldbau und Waldhühner - Widersprüche und Perspektiven. In: Auerhuhn und Haselhuhn in der mitteleuropäischen Kulturlandschaft. Beiträge einer internationalen Tagung in Oberprechtal, Baden-Württemberg vom 9. bis 12. Oktober 1997. - Berichte Freiburger Forstliche Forschung, Heft 2: S. 58-64. - Suchant, R. (1997): Ziele und Inhalt der Tagung. Ebenda: S. 8-24. S. 22: Glaubt, dass Auerhühner des Schwarzwalds mit aus Naturverjüngung hervorgegangenen Kulturen zurecht kommen, will Waldränder und Schneisen für Auerhühner stufig aufbauen. - Hölzinger, Jochen & Martin Boschert (2001a): Die Vögel Baden-Württembergs. Nicht-Singvögel 2. - Stuttgart (Ulmer), 880 S. Wald und Waldbau. Walz, Gustav (1850): Über die Waldstreu. - Stuttgart (J. G. Cottascher Verlag), 71 S. In Ellwangen geschrieben. - Trommer, Heinz (1933): Die Geschichte der Waldwirtschaft in der Fürstpropstei Ellwangen. - Mössingen (Druck der Steinlach-Zeitung), 88 S. Nach S. 64 künstlicher Nadelholzanbau schon vor dem Dreißigjähriger Krieg und dann wieder ab etwa 1780. - Feucht, Otto (1936): Der Wald als Lebensgemeinschaft. - Öhringen (Hohenlohische Buchhandlung), 80 S. + 80 Fototafeln. - Koch, Heinrich (1939): Die Waldgeschichte des Heidenheimer Forsts. - Stuttgart (Württembergische Forstliche Versuchsanstalt), 114 S. + 3 Karten. Albuch einst reines Laubholzgebiet. Nach S. 95ff. seit den Jahren 1855 und 1857 Abwendung von der Laubholzkultur, Fichten künstlich angebaut. - Schröder, Wolfgang (1979): Ändert sich der Wald, ändert sich die Tierwelt. In: Horst Stern: Rettet den Wald: S. 252-279. - München (Kindler Verlag), 394 S. Nach S. 257-259 Rehe überhegte "Problemtiere" des Waldes. - John, Peter (1991): Beobachtungen eines Forstmanns. Ein Praktiker plaudert.- Ellwangen (Privatdruck), 126 S. Auf S. 32-37: Autor hat Waldstreuentnahme in 1950er Jahren selbst noch gesehen, bestehend aus Hacken der Decke von Heidekraut und Moosen, Abziehen, Herausrechen, Aufsetzen, wobei der Umfang gewaltig schrumpfte, schließlich auch Dörren, um besonders saugfähig in den Stall gestreut zu werden. - Glaser, Rüdiger (2001): Klimageschichte Mitteleuropas. - Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft), 227 S. Über mitteleuropäische Klimabkühlung seit etwa 1300 ("Kleine Eiszeit") bis in jüngere Vergangenheit. - Aalener Schwäbische Post vom 11. November 2009, Seite 18: "Die Fichte wird teilweise aussterben." Bericht von Forstdirektor Maier, Leiter der Forstaußenstelle Abtsgmünd, an die Forstbetriebsgemeinschaft in der Affalterieder Waldschenke, dass nach einer jüngsten Untersuchung der Forstlichen Versuchsanstalt Freiburg die Fichte in einigen Gebieten keine Zukunft mehr haben wird, Hauptgrund die zu erwartenden trockenheißen Dürreperioden. |