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Torfmoose
der Gattung Sphagnum im Virngrund,
Torfmoose haben einen beblätterten
Stamm und beblätterte, am Stammende in Köpfchen zusammenrückende Astbüsche.
Sie saugen in ihre Blattzellen viel Wasser auf und verlangen vom Boden
und der Luft her genügend Feuchtgkeit. Kalkreiche Standorte fliehen
sie. In Ostwürttemberg kommen sie in zwei Naturräumen vor: Der
erste ist die Schwäbische Alb, wo auf diesem Kalkgebirge entkalkte
Feuersteinlehme aufliegen, eine Besonderheit der Ostalb. Hier fallen jährlich
bis zu 1000 Millimeter Regen in Höhen von mehr als 650 Metern; die Torfmoose
gedeihen auch außerhalb des Walds auf Streuwiesen und an Feldhülben, das
sind alte künstliche Wasserspeicher auf der sonst wasserlosen Albhochfläche.
Der zweite Naturraum ist das davorliegende Keuperbergland, wo die
Torfmoose auf entkalkten Böden über Keupersand und Goldshöfer
Sand wachsen. Es ist im Mittel nur 475 Meter hoch, hat bloß Niederschläge
von etwa 850 Millimeter. Nur in kühlen, verdunstungshemmenden Wäldern
aus Fichten, Tannen, Kiefern, Birken und Erlen, besonders auf den regenreichen
Gipfeln der Keuperwaldberge, dann in feuchten Waldklingen, an künstlichen
Waldweihern mit nassen, feuchten und frischen Ufern, auch in verlassenen
Waldsandgruben kommen die Torfmoose vor. Hier nun wird das Vorkommen im
Ellwanger Virngrund besprochen,
ein Teilgebiet des ostwürttembergischen Keuperberglands von der Bühler
im Westen bis nach Stödtlen im Osten, von Schwabsberg im Süden bis Rosenberg,
Stimpfach und Wört im Norden.
Torfmoosarten
im Virngrund,
vom Autor bisher gefunden. 2. Sphagnum contortum. Auf feuchten, bei Hochwasser überschwemmtem sandig-moderigen Waldboden entlang eines kühlen Waldbaches in schattiger Klinge. Seitenklinge des Seebachs hinter Hinterbüchelberg. Selten. 3. Sphagnum girgensohnii. Auf feuchtem bis frischen sandigem Waldboden, auf vermoorendem Grund einer Waldsandgrube, in einem feuchten bis nassen, von Erlen beschattetem Niedermoor. Erlenbruchwald am Häsleweiher, Ufer des Holzweihers und Wälder umher, Waldsandgrube zwischen Rindelbach und Dankoltsweiler Sägmühle. Relativ häufig. 4. Sphagnum magellanicum. Braucht viel Luftfeuchte, Unterlage kann vorübergehend austrocknen. Oben auf organischem Boden einer sich aus dem Niedermoor zum Hochmoor aufwölbenden Sandgrubenmoor. Auf einem sich am Ufer aufwölbenden Weihermoor, dort übergreifend auch auf Sandmineralboden. Alte abflusslose Waldsandgrube bei Hegenberg. Hilsenweiher bei Stödtlen. Selten. 5. Sphagnum palustre. Auf sumpfig-sandigen Waldweiherufern, auf feuchten bis frischen Waldsandböden. Fundorte Häsleweiher, Harzweiher oder Schönberger Weiher. Relativ häufig. 6. Sphagnum recurvum. Auf sandigen Ufern von Waldweihern, in sandigen Waldwasserlöchern, auf feuchtem Sand. Im Übergangsmoor. Ufer des Harzweihers und umgebende sandige Nadelwälder. Birkenbruchwald im ehemaligen Stockweiher (Bild rechts). Hegenberger Sandgrubenmoor. Mäßig häufig. Erstnachweis Josef Aloys Frölich (1766-1841): L. Elvaci [= Ellwangen] am Griesweiher; Beleg unter Sphagnum pentastichon Bridel in TUB. 7. Sphagnum squarrosum. Auf feuchtem rohen Sand, auf feuchten sandigen Waldböden. Wörter Spitalhofwald, Boden einer abflusslosen Waldsandgrube bei Dietrichsweiler. Selten. Erstnachweis Frölich in Martens (1862) für den Griesweiher. Schlüssel zum einfachen Bestimmen, unter Einschluss der für den Virngrund ferner nachgewieser Arten Sphagnum fimbriatum (Bertsch 1966: S. 151, Hölzer 2010: S. 92), quinquefarium und subsecundum (Düll 1970, Hölzer 218, 110). Zwar wird gewarnt vor Schlüsseln wie dem folgenden, der wenige mikroskopische Merkmale enthält, im übrigen nur Lupe verlangt (Hölzer 2010: S. 35). Doch mag er für den Virngrund auszureichen, da die dort vorkommeden Arten auch so unterscheidbar zu sein scheinen. Denn Blattschnitte durch die Moosblättchen zu führen, erfordert viel Übung, Geschick und Zeit (!). Der Liebhaber, der viele weitere Moosarten und Naturgegenstände kennen lernen will, hat wenig Zeit, kann Sphagnum magellanicum etwa auch ohne die miskroskopische Methode von anderen Arten unterscheiden (Athetron, Bosanquet, Lawley 2010: S. 66), sieht im Feld, dasss daneben weitere Arten wachsen. 1.
Astblätter oval, konkav, mit kapuzenförmiger gerundeter runder
Spitze. Stammrinde dick, den halben Durchmesser ausfüllend. |
Naturschutz. Alte Waldsandgruben und Waldweiher sind künstlich, die Weiher oft schon vor Jahrhunderten zur Fischzucht angelegt von den Klöstern Ellwangen und Mönchsroth, auch der Reichsstadt Dinkelsbühl. Darin und daran wachsen die Torfmoose zu Mooren empor, die bis zu einem Meter hoch sein können. Die schnellwüchsigen Pflanzen haben Bauern bis ungefähr 1960 aus Wäldern und Weiherufern herausgerecht und herausgemäht und in ihre Ställe zu dem dann auf Wiesen und Äcker ausgebrachten Mist eingestreut. Niemand streut heute mehr Wald- und Weiherstreu in Ställe ein. Torfmoose überwachsen leicht mit konkurrenzstärkeren Sauergräsern, Büschen und Bäumen. Viele Torfmoosvorkommen sind Zeiger alter Wald- und Weiherwirtschaft ist. Daher mähen Naturschützer hin und wieder die Ufer des Breitweihers aus, entfernen aufsprießende Bäume aus Torfmoossandgruben von Dietrichsweiler und Hegenberg zum Artenschutz wie auch zur Erhaltung der alten Kulturzustände, die die Torfmoose hier anzeigen. Gut wäre für die Torfmoose, weitere Moosarten und etliche Farn- und Bärlapparten, auf einigen Hektar mageren Sandböden eine simulierte Waldstreuentnahme vorzunehmen. Der Gedanke ist neu und kommt aus dem Vergleich der Schafbeweidung der Schwäbischen Alb, die ja auch Simulation einer an sich untergegangenen, da mittlerweile ohne Subvention nicht mehr lebensfähigen Form der Landwirtschaft ist, außer ein Hobbylandwirt betreibt sie aus Freude an der Sache und an den liebenswürdigen Tieren. Schriften. Hedwig, Johann & Schwägrichen, Friedrich (1811): Species muscorum frondosorum. Erster Supplementband, Erster Teil, daraus Tafel IV der obigen Abbildung. Leipzig (Barth), XVI + 196 S. - Martens, Georg (1862): Die Laubmoose Württembergs. Jahreshefte Verein vaterländische Naturkunde Württemberg 18: S. 76-112. - Bertsch, Karl (1966): Moosflora von Südwestdeutschland. Stuttgart (Ulmer), 234 S. - Düll, R. (1970): Moosflora von Südwestdeutschland. II. Teil: Die Laubmoose. Mitteilungen des Badischen Landesvereins für Naturkunde. Neue Folge 10 (2): S. 301-329. - Smith, A. J. E. (1978): The Moss Flora of Britain und Ireland. New York (Cambridge University Press), 706 Seiten. - Koperski, M., M. Sauer, W. Braun & S. R. Gradstein (2000): Referenzliste der Moose Deutschlands. Bonn (Bundesamt für Naturschutz), 519 S. - Atherton, Jan, Sam Bosanquet & Mark Lawley (20109: Mosses and Liverworths of Britain and Itreland al field guide. - British Bryological Society, 848 S. - Hölzer, Adam (2010): Die Torfmoose Südwestdeutschlands und der Nachbargebiete. - Jena (Weissdorn-Verlag), 247 S. |