In Nördligen auf dem Kamin des Hinderer-Hauses (Wf).

Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg. Vereinszweig Ostwürttemberg

Weißstorch an Wörnitz, Jagst, Kocher, Brenz und Rems
Ciconia ciconia
HANS WOLF, Ellwangen (Jagst)

Alles was wir tun können, ist: stets in Gedanken zu behalten, dass jedes organische Wesen nach Vermehrung strebt, dass jedes in einer gewissen Periode seines Lebens, während einer gewissen Jahreszeit, in jeder Generation auch nach Zwischenräumen um sein Dasein kämpfen muss und großer Vernichtung preisgegeben ist. Doch dürfen wir uns beim Anblick dieses Kampfes mit dem festen Glauben trösten, dass der Krieg in der Natur nicht unaufhörlich andauert, dass kein Geschöpf Furcht davor empfindet, dass der Tod im allgemeinen plötzlich ist, und dass der Kräftige, der Gesunde und Glückliche am Leben bleibt und sich vermehrt.- Charles Darwin in seiner "Entstehung der Arten" von 1859.
In Ellwangen auf Statthalterei, jetzt Außenstelle vom Regierungspräsidium Stuttgart.
Storchennest auf dem Schwäbsich Gmünder Alten Rathaus. Zeichnung der Deblerschen Chronik, fünfter Band, Pars IX, Seite 9 neuer Zählung, zitierter Storchentext ebenda.

Geschichte. Schon in der Lex Alamannorum, dem im 8. Jahrhundert kodifizierten schwäbischen Gesetz, kommt der Storch vor: "Si gruis fuerit involata aut occisa, novigulus solvat. Ante, gario, cicunia, corvo, cornilla, columba et chaucha similiter requerantur." Übersetzt: "Wenn ein Kranich gestohlen oder getötet wird, zahle man das Neungeld. Desgleichen bei einer Ente, einer Elster, einem Storch, einem Kolkraben, einer Rabenkrähe und einem Kuckuck."

Dominikus Debler (1756-1836) schreibt in eine Stadtchronik von Schwäbisch Gmünd ( um 1824: Seite 61 neuer Zählung): "Storchen waren hier immer gewesen und haben ihre Nester gehabt. De 1212 hatten sie ihr Nest auf dem Franziskanerkloster. Von 1525 an aber ... auf dem Rathaus. Anno 1819 aber hatten verschiedene Becken [= Bäcker] ein Nest auf ihre Kösten auf die Pfarrkirch bauen lassen und sie blieben gleich. Anno 1824 ließ Christian Neidhard, Kübler, ... ein Nest auf die Grät [Altes Rathaus] bauen, wo sich gleich ein paar hingesetzt haben, die auf der Pfarrkirch aber vertrieben, sie duldeten solche nicht "

In Dinkelsbühl schießt der Deutschordensvogt Ecker einen Storch und wird 1538 bestraft (Juhnke 1951). Zwei Grafen von Oettingen treten dem neuen evangelischen Glauben bei, müssen deswegen 1547 im Schmalkaldischen Religionskrieg Oettingen verlassen, ziehen sieben Jahre nach Straßburg ins Exil, erst nach ihren Rückkehr kehren die Störche wieder zurück in diese Stadt (Quellen bei Wolf 2006), wonach es schon immer Storchenab- und -wiederzunahme gibt. Ein barockes Deckengemälde der Pfarrkirche von Zöbingen zeigt den dort 1729 wohnenden Storch (rechts) auf dem Dach derseben Kirche im Storchennest, zweitälteste Storchendarstellung des betrachteten Gebiests. Der Storch sagt: "Hic tutior". Also: Hier werde ich beschützt. Und unten steht der oft auf Häuser angebrachte Spruch: "Wer auf Gott traut, hat wohl gebaut.". Von Ellwangen berichtet Leopold Weil in der Jagst-Zeitung Nr. 38 vom 28. März 1868: " 26. März. Ein Freund vom Marktplatz sendet uns eben, 12 Uhr 35 Min., folgendes Telegramm: Der Storch ist da!"
Deckengemälde der Pfarrkirche in Zöbingen von 1729.
Betrachtetes Gebiet in Baden-Württemberg und Bayern. 225 km² groß , 320 bis 500 Meter hoch.Orte. 8. Alerheim. 9. Alten-trüdingen. 10. Amerbach. 11. Appetshofen. 12. Auhausen. 13. Birkhausen. 14. Bühl. 15. Deiningen. 17. Enkingen. 18. Fessenheim. 19. Gerolfingen. 20. Großelfingen. 21. Hainsfarth. 22. Heuberg. 23. Holzkirchen. 24. Jagstheim. 26. Laub. 27. Löp-singen. 28. Marktoffingen. 29. Megesheim. 30. Mönchsroth. 31. Munningen. 34. Pfäfflingen. 35. Radwang. 37. Schopflohe. 39. Stimpfach. 40. Unterschwaningen. 41. Wassertrüdingen. 42. Wechingen. 44. Wilburgstetten. 46. Wörnitzostheim.

Bestandsentwicklung. Im 225 km² großen, 320 bis 500 Meter hohen Gebiet von Wörnitz, Jagst, Kocher, Brenz und Rems gibt es 46 historische Storchenorte mit Horstpaaren (links). Diese benutzen bis Mitte Juni vier Wochen und länger ein Nest, nächtigen darin, haben Junge oder nicht. Eine Abnahme beginnt nach Mitte des 19. Jahrhundert im suboptimalen Westen, wo zuerst 1854 Aalen verlassen wird (links), 1974 gibt es im ganzen betrachteten Gebiet nur mehr zwei, in ganz Baden-Württemberg nur mehr 15 Horstpaare: Talwiesen werden überbaut seit den Eisenbahnanschlüssen, tödliche elektrische Leitungen aufgespannt seit etwa 1900, Wiesen entwässert seit etwa 1920, im Zug- und Wintergebiet schaden den Störchen Saheldürren von 1910 bis 1924, 1941 bis 1949 und von 1965 bis 1975. Eine Zunahme tritt nach Ende der letzten Dürre ein. Die Störche kehren zuerst an die optimale Wörnitz zurück: Oettingen 1975, Wilburgstetten 1976, Wittelshofen 1979, Rudelstetten 1989, Dinkelsbühl 1993, Wassertrüdingen 1996, Gerolfingen 1998, Munningen 2002. Dann an die Eger: Nördlingen 2006, Löpsingen 2007. Schließlich an die Jagst: Jagstheim 2008. Zunahmegründe: Erwärmung der Brutsommer, Überwinterungen und Auswilderungen aus Aufzuchtstationen, Fütterungen in Nachbargebieten und Zuwanderung von dort.

Storchenorte
Nr.
1974 75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 00 01 02 03 04 05 06 07
08
09
10
Altentrüdingen
9
                                                                         
Auhausen
12
                                                                         
Dinkelsbühl
16
                                                                         
Gerolfingen
19
                                                                         
Jagstheim
24
                                                                         
Löpsingen
27
                                                                         
Munningen
31
                                                                         
Nördlingen
32
                                                                         
Oettingen
33
                                                                         
Pfäfflingen
34
                                                                         
Radwang
35
                                                                         
Rudelstetten
36
                                                                         
Wassertrüdingen
41
                                                                         
Weiltingen
43
                                                                         
Wilburgstetten
44
                                                                         
Wittelshofen
45
                                                                         
Horstpaarsumme  
2
3
4
3
5
4
4
3
3
3
3
3
3
3
3
5
4
4
4
5
6
5
6
2
6
6
7
6
9
9
8
8
9
11
12 12 12
Bestandsentwicklung der blau markierten Horstpaare mit oder ohne ausfliegende Junge (Begriff oben)

Jagstheimer Storchenbiotop: Nest auf dem Kamin der Oberen Mühle. Nahrungsbiotop weite Jagstwiesen mit vielen Regenwürmern, wichtigste Nahrung.

Storchenbiotop. Ein Horstpaar bewohnt mehrere hundert Hektar Nahrungsfläche in weiten, offenen Talgründen der größten Flüsse. Vom Horst zum Nahrungsplatz wird gewöhnlich weniger als vier Kilometer geflogen (ausnahmsweise 18 Kilometer von Nördlingen ins Tannhäuser Sechtatal ). Talwiesen sind wichtigster Biotopbestandteil. Im feuchten bis nassen Wiesenboden sind Regenwürmer stets an der Bodenoberfläche, unverzichtbare Nahrung besonders für die kleinen Jungen, die noch keine größeren Tiere schlucken können. Ferner werden Mäuse, Käfer, Heuschrecken, Frösche gefangen und verzehrt. Wie alle süddeutschen Störche nisten sie auf hohen Gebäuden, gleiten mit wenigen Flügelschlägen zu nestnahen Nahrungsplätzen herab, wenn bei Regen und Kälte des atlantisch getönten Klimas warme Aufwinde zum weiten Fortsegeln fehlen, Regen die Flügel schwer machen und zugleich die Jungen am meisten Hunger haben. Von der Höhe sehen sie mähende Bauern, fliegen an die vom Mähgang freigelegten Stellen und fangen die flüchtenden Wiesentiere. Auf ein hohes Nest sehen sie leichter zurück aus dem Nahrungsrevier, fliegen bei Annäherung von Fremdstörchen dahin zurück und weisen diese beschwichtigend oder kämpfend zurück Horste auf Kirchen: Munningen, Rudelstetten, Schwäbisch Gmünd, Wilburgstetten, Zöbingen. Auf Schlössern: Oettingen, Unterschneidheim, Wassertrüdingen, Wört. Stadtmauern: Aalen (Tabernakulturm, Storchentor), Dinkelsbühl (Krugsturm), Nördlingen (Löpsinger Tor). Auf hohen Häusern: Dinkelsbühl (Altrathaus), Ellwangen (Marktplatz), Nördlingen (Rädlerhaus), Oettingen (Schlossstraße), Unterschneidheim (Pfarrhaus), Schwäbisch Gmünd (Grät), Wassertrüdingen (Lagerhaus). Hohen Schornsteinen: Dinkelsbühl, Gerolfingen, Jagstheim, Königsbronn, Nördlingen (Hindererhaus; Zeichnung oben links), Radwang, Weiltingen.

In Ellwangen auf der Statthalterei: Demutshaltung links, Aggression rechts.

Storchenaggression. Aus einer Gruppe der rechte Storch (26. Februar 2008 in Ellwangen) schreitet auf den linken zu, dieser schlägt die Flügel nieder, sträubt das Halsgefieder und klappert mit dem Schnabel, welche Demutshaltung den Aggressor zum Stehenbleiben bewegt. Aggressiv vertreibt ein stärkeres Storchenpaar von der optimalen Wörnitz (Wilburgstetten) ein schwächeres, weniger tüchtiges, vielleicht auch weniger glückliches Paar an die suboptimale Sechta (Tannhausen). Bei Kämpfen um den Horst werden manchmal Eier zerstört, junge und alte Störche verletzt oder getötet. Umgekehrt beschwichtigen Schnabelklappern, Aufplustern, Schwanzaufstellen und ähnliches Imponiergehabe der Horstinhaber aggressive Fremdstörche. Gegen diese zeigen Storchenjunge, sobald sie ab einem Alter von etwa vier Wochen ihre Eltern kennen, einen Totstellreflex (Akinese), der die Fremdstörche von der Tötung abhält. Ein wohlausgewogenes Verhältnis von Krieg und Frieden (im außermenschlichen Sinn) dient der Ausbreitung der Storchenart an bisher nicht besiedelte Orte. Der Krieg in der Natur dauert nicht unaufhörlich an, wie Darwin sagt.

Den mörderischen Dreißigjährigen Krieg deutet der schwäbische Naturforscher Johannes Kepler in einem Brief des Jahres 1620 aus menschlicher Dissonanz und verlangt Streben nach natürlicher Harmonie und Besserung durch Lesen aus dem Buch der Natur. Nach der Natur des Menschen fragt der Stuttgarter evangelische Theologe, Naturforscher und Ornithologe Theodor Plieninger und sagt in seiner Schrift "Über unzweckmäßige Verfolgung mancher Tiere" von 1832: "In dem Haushalte der Natur ist überall eine Ordnung und ein Ineinandergreifen in den unendlich mannigfachen Lebenszwecken der einzelnen Geschlechter lebender Geschöpfe, Tiere und Pflanzen, und damit ein Gleichgewicht in dem Vorhandensein und der Fortdauer der Gattungen und Arten ausgesprochen, das im natürlichen ruhigen Gange der Entwicklungen niemals gestört wird, oder wenn Störungen desselben drohen, sogleich wieder durch lokale oder weiter verbreitete Ereignisse wiederhergestellt wird ... Nur der Mensch scheint, gleichsam als ein fremdes, in die Reihen der organisierten Geschöpfe hereingekommenes Wesen, störend in dieses Gleichgewicht einzugreifen." Konrad Lorenz und seine Schüler glauben Ordnungsprinzipien der außermenschlichen Natur auch in Menschen zu erkennen und sprechen vom "Sogenannten Bösen". Ihnen widerspricht Erich Fromm und unterscheidet bei Menschen gutartige und lebenserhaltende von bösartigen und destruktiven Aggressionen, die er auch nekrophil nennt und in kriegs- und todeslüsternen europäischen Politikern des 20. Jahrhunderts aufzeigt. Mit denm zweiten Agressionen kann keinesfalls das Storchenleben verglichen werden, dient der Erhaltung nicht der Ausrottung der Art.

In Ellwangen auf der Statthalterei: Scheinkopulation.
Storchenzug und Paarbildung. Ab August ziehen die süddeutschen Störche nach Afrika, die westlichen über Gibraltar in die Sahelzone südlich der Sahara, die östlichen über den Bosporus bis nach Südafrika. Der Rückkehrtag aus diesem Pendelzug ist der Dinkelsbühler Storchentag, nach einer alten Sage der Josefstag am 19. März. Mathematischer Mittelwert von 1843 bis 1966 ist der 20. März, von 1977 bis 2004 aber der 4. April, Verspätung womöglich durch Zunahme längerziehender Oststörche. Mit der Verpaarung wird nicht gewartet, ob und bis der letztjährige Partner kommt, jährliche Neuverpaarungen sind die Regel in unserem Mischgebiet von Ost- und Weststörchen. Am Oberrhein aber gibt es bloß Weststörche, hier nisten 80 Prozent der letztjährigen Paare wieder zusammen (Feld). Brutortstreue führt dort im Vergleich zu unserem Mischgebiet die Paare zusammen, keine lebenslange Einehe wie bei Gänsen oder Rabenvögeln. Ohne Afrikazug bleiben neuerdings einige Tiere im Winter da, auf der Essinger Mülldeponie, in Horstnähe von Oettingen oder Rudelstetten. Solche Winterstörche haben schon einmal unter menschlicher Obhut in Zoos oder Aufzuchtstationen überwintert und behalten die Überwinterung in der Freiheit bei. Ihre Jungen aber, so vor Einbruch des Winters frei ausgeflogen, entwickeln den alten Zugtrieb nach Afrika (Feld). Ohne Horstbindung ziehen auch während der Brutsaison Tiere umher; mit diesen Dispersionszügen suchen reife Tiere Horste, erkunden unreife die Gegend nach zukünftigen Nistmöglichkeiten.

Dispersionszug. Tannhausen 2005. Ein 2002 im Mannheimer Luisenpark geborenes Weibchen (Ringnummer A2152) verliert 2004 in Dinkelsbühl durch Fremdstorchangriffe seine Eier, ebenso 2005 in Wilburgstetten und zieht mit seinem Männchen in der Gegend umher, sie unterliegen in Kämpfen gegen das Dinkelsbühler Horstpaar, beobachten die Oettinger Storchenbrut. Öfters besuchen sie Tannhausen, paaren sie sich am 17. Mai auf dem Gasthaus Ochsen. Die angebrachte Nestunterlage inspiziert das Männchen am 20. Mai, beide tragen Nistmaterial ein, setzen sich ins Nest, übernachten darin und auf dem nahen Kirchendach. Bald verlässt die Störchin und dann der Storch den Ort. Am 23. August kehren zwei Störche zurück, schlafen meist auf dem Kirchendach, bleiben bis 3. September. Die Störchin nistet im Folgejahr in nahen Munningen, hat drei ausfliegende Junge. 2006. Am 21. März kommt vermutlich das letztjährige Männchen, trägt Zweige und Äste auch aus Elsternestern ins Nest ein, baut es halb fertig, sitzt, klappert und nächtigt darin. Ende April ist er ungefähr eine Woche weg. Er ist es wohl, der am 3. Mai mit einem Weibchen zurückkommt. Schon am Folgetag aber fliegt einer der beiden zielstrebig nach Nördlingen. Hier in das Stadtzentrum baut in den nächsten Tagen ein Storchenpaar auf das Hinderer-Hauses ein Nest. Ein Storch besucht am 7. Juni das Tannhäuser Nest und klappert darin. 2007 und Folgejahre. Im Jahr 2007 besuchen Einzelstörche die zwei Tannhäuser Nester auf dem Ochsen und auf dem Kirchendach und bleiben nicht. Am 11. April 2008 kommt ein Storch, wohl ein Männchen, Mitte Juni ein zweiter, dieser 2003 in Geithain zwischen Leipzig und Chemnitz im Nest beringt, nächtigen im und am Kirchendachnest, bleiben bis Ende August 2008 ohne Brut. Am 14. März 2009 kommt ein Storch, nächtigt, in Folgetagen gesellt sich ein zweiter zu ihm, sie bleiben nicht. Auch 2010 bloß wenige kurze Storchenbesuche. Ellwangen 2008. Am 26. Februar lassen sich mehrere Störche auf Gebäude am Marktplatz nieder und ziehen am Folgetag weiter. 2010. Am 7. April kommt ein Storchenpaar (Bild ganz oben rechts). Das beringte Männchen (A5779) ist im Jahr 2006 in Aurach bei Feuchtwangen geboren und hat in Feuchtwangen 2009 seine Frau und seine Kinder durch Tod verloren. Seine neue Frau findet er offenbar in der Ellwanger Gegend, übernachtet mit ihr am Kamin des alten Rathauses, trägt in ihn Zweige ein, kopuliert mehrere Male auch auf der Statthalterei (Bild oben links). Am Tag nach dieser Verlobung ziehen sie dreißig Kilometer nach Feuchtwangen zurück, heiraten und besetzen brutortstreu den alten Horst des Männchens.

Storchenbiotop Tannhusen im Jahr 2005: Aus geradlinigen Lauf renaturierte Sechta.


Naturschutz
. Der Weißstorch lebt im Ries, der runden von Wörnitz und Eger durchflossenen Ebene, zusammen mit Kiebitzen, Bekassinen, Brachvögeln, Wiesenweihen, Feldlerchen, Schafstelzen, alles Wiesenvögel wie er. Wiesen werden immer mehr mit Büschen und Bäumen durchpflanzt, seit der Architekt Alwin Seifert, Berater des "Generalinspektors für das deutsche Straßenwesen", in den 1930er Jahren eine drohende "Versteppung Deutschlands" behauptet mit "Angleichungen an die öde Leere russischer und amerikanischer Steppen .. bis hinauf an Berghöhen über den Talwiesen". Recht aber hat nicht Seifert, sondern der Altmeister der deutschen Forstwissenschaft Heinrich Cotta 1821, wenn er sagt: "Wenn die Menschen Deutschland verließen, so würde dieses nach 100 Jahren ganz mit Holz bewachsen seyn." Bauern mähen Wiesen und halten sie von Baumwuchs frei! Zu viele Feldgehölze, Hecken und Ufergebüsche nehmen wiesenbrütenden Vogelarten Flächen weg, behindern Küken von Kiebitzen, Bekassinen und Brachvögeln am Weg zur lebensnotwendigen Tränke, ziehen feindliche Greifvögel, Krähen, Füchse herbei. Unbepflanzt soll die von 2005 bis 2010 aus der Begradigung in einen geschlängelten Lauf zurückgeführte Sechta erhalten bleiben (links). Mehr noch leiden Störche und alle Wiesenvögel unter Beseitigung ihres Lebensraums selbst! Vor der Jagstbegradigung haben das Ellwanger Jagsttal weite unentwässerte Feuchtwiesen bedeckt, jetzt breiten sich auf ihrer Fläche und vor der historischen Stadtkulisse Parkplätze, Straßen, Einkaufsmärkte und Industrieflächen aus. Wohin soll der Storch fliegen von seinem alten Nest auf dem Marktplatz?

 

Ellwanger Jagsttal mit ehemaligem Storchenbiotop im Jahr 1946 und heute ohne Storch.
Märchenhaftes. Es war einmal ein grünes Wiesental im schönsten Wiesengrunde. Noch gab es keinen Urlaubsflug zu entfernten Traumzielen. Noch gab es keine Webkamera am Dinkelsbühler Storchennest. In dieser vorvirtuellen Zeit haben Kinder noch den realen Storch gesehen. Nach langen Wintertagen kehrt er in die kleine fränkische Stadt Dinkelsbühl und in die kleine schwäbische Nachbarstadt Ellwangen zurück und die Buben und Mädchen singen ein gleiches natürliches Lied. Es lautet im Dinkelsbühler Fränkisch:

Storch , Storch, Schnibel-Schnabel,
mit der lange Horegabel;
flieg übers Bäckerhaus,
hol mir drei Weckli raus:
mir ans und dir ans
und die böse Buaba gar kans.


Schriften. - Kepler, Johannes (1620): Brief an den Rat von Nürnberg (oder Regensburg? ) vom 30. April 1620. In: Die Zusammenklänge der Welten (Herausgeber O. Bryk). - Jena 1918 (Eugen Diederichs). S. 8: Kepler schreibt (ins heutige Deutsch übertragen): "Das gereicht zur Ehre Gottes des Schöpfers, zu mehren dessen Erkenntnis aus dem Buch der Natur, zur Besserung des menschlichen Lebens, zur Vermehrung sehnlicher Begier der Harmonien im gemeinen Wesen, bei jetziger schmerzlich klingenden Dissonanz." - Debler, Dominikus (etwa 1790 bis 1824): Chronik der Stadt Schwäbisch Gmünd in fünfzehn Bänden (Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd). - Cotta, Heinrich (1821): Anweisung zum Waldbau. - Dresden (Arnoldische Buchhandlung), 362 S. + 2 Tafeln. - Plieninger, Theodor (1832): Über unzweckmäßige Verfolgung mancher Tiere. - Correspondenzblatt des Königlich Württembergischen Landwirtschaftlichen Vereins, Neue Folge, Zweiter Band , Erstes Heft 1832: S. 3-31 [Verfasser P. ist Plieninger selbst, Schriftleiter dieser Blätter]. - Darwin, Charles (1859): Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl oder die Erhaltung der bevorzugten Rassen im Kampfe ums Dasein. Deutsch von Georg Gärtner (in bester Übersetzung). - Halle an der Saale (Verlag Otto Hendel), 571 S. mit einem Darwinporträt. Zitierte Stelle auf S. 82 am Schluss des dritten Kapitels über den Kampf ums Daseins. - Einstein, Albert (1930): Johannes Kepler. - Frankfurter Zeitung vom 9. November 1930: "Zur Bewunderung für diesen herrlichen Mann gesellt sich noch ein anderes Gefühl der Bewunderung und Ehrfurcht, das aber keinem Menschen gilt, sondern der rätselhaften Harmonie der Natur, in die wir hineingeboren sind" (Einstein nennt sich in diesem Artikel einen Schwaben). - Seifert, Alwin (1936): Die Versteppung Deutschlands. - Badischer Naturschutztag am 14. Januar 1936 in Karlsruhe. Sonderdruck aus Beiträgen zur naturkundlichen Forschung in Südwestdeutschland. Band I, Heft 2: S. 37-44. Daraus die Zitate. - Seifert, Alwin (1937): Die Versteppung Deutschlands. - Blätter für Naturschutz (Herausgeber Bund Naturschutz in Bayern), 20. Jahrgang 1937, Heft 1, S. 2-10.- Juhnke, Leo (1951): Aus der Geschichte des Deutschordensamtes Dinkelsbühl. - Zeitungsbeilage Alt-Dinkelsbühl 4: S. 29. - Fromm, Erich (1973): Anatomie der menschlichen Destruktivität. - Reinbek bei Hamburg (Rowolth), 572 S. - Cramp, Stanley (1977): Handbook of the Birds of Europa, the Middle East and North Africa. The Birds of the Western Palearctic. Volume I. Ostrich to Ducks. - Oxford (Oxford University Press), 722 S. + zahlreiche Tafeln. Auf S. 333f. Beschreibung antagonistischen Storchenverhaltens, Aggressionen und Gegenhandlungen wie oben. - Schott, Clausdieter (1993): Lex Alamannorum. Das Gesetz der Alemannen. Text - Übersetzung - Kommentar zum Faksimlie aus der Wandalgarius-Handschrift Codex Sangallensis 731. - Augsburg (Schwäbische Forschungsgemeinschaft), 165 S. Auf S. 158 der zitierte Text über den Storch. - Tüllinghoff, Robert (1993): Der Großbrachvogel (Numenius arquata). Wie lebt er in der nordwestdeutschen Kulturlandschaft? In: Ornithologen Kalender '93: 175-184. - Wiesbaden (Aula Verlag), 256 S. Nach S. 178 für das Brachvogelrevier und den Brachvogelbestand positiv, wenn darin offene, mit keinen Bäumen bestandene Wasserflächen sind, wofür der statistische Beweis erbracht wird. - Blauhut, Horst (2005 bis 2007): Zeitungsberichte über Tannhäuser Störche in der Ipf- und Jagstzeitung vom 19. Mai , 21. Mai, 17. August, 27. September 2005, 5. Mai 2006, 12. Juni 2007. - Rieser Nachrichten vom 11., 13., 15. Mai, 12. Juni 2006 und vom 4., 26. April, 2. Juni 2007 über Nördlinger Störche.- Wolf, Hans (2006): Kurze Geschichte der Nördlinger und der Rieser Störche. - Natur und Naturschutz im Ries, Sonderheft 2006: S. 3-16. - Ziegler, Thomas über die Störche von Dinkelsbühl und Umgebung: http://www.storch24.de/.