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Gesellschaft
für Naturkunde in Württemberg Ackerflora seit der
Steinzeit, Steinzeitmenschen, Flora im Nördlinger Ries
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Besondere
Flora im Nördlinger Ries
Der Juragebirge zwischen Rhône und Main wird zweimal unterbrochen.
Bei Schaffhausen vom Rhein. Bei Nördlingen von der Riesebene.
Diesen runden Kessel (Foto oben) des heutigen Nördlinger
Ries hat vor fünfzehn Millionen ein Meteorit in die Schwäbische
Alb und ihr Vorland eingeschlagen. Dieses singuläre Ereignis wirkt
in die gegenwärtige Flora fort. Neben kalkliebenden Pflanzen
auf anstehendem Jurakalk gibt es kalkfliehende Pflanzen auf
silikatische Grundgestein, das der Meteorit in das Juradeckgebirge emporgepresst
hat. Vorgelagerte und umrahmende Waldberge fangen vor dem Ries viel Regen
auf, der Jahresniederschlag beträgt bloß 650 bis 600 mm
auf eine der trockensten süddeutschen Landschaften, wärmeliebende
Pflanzen aus mediterranem, pontisch-pannonischen
und gemäßigt-kontinentalem Florengebiet strahlen hierher ins
gemäßigt-atlantische Florengebiet ein und finden auf sonnigen,
heißen Hängen einige ihnen zusagende Standorte.
Ostwürttembergische Ackerflora seit 1797 von HANS WOLF, Ellwangen (Jagst)
Ackerfrüchte
und Ackerunkräuter bilden die Ackerflora. Ihre jüngere Geschichte
kennen wir seit 1797, als der Ellwanger Arzt und Naturforscher Josef
Aloys Frölich (1766-1841) die floristische Erforschung
Ostwürttembergs beginnt. Bald werden Nördlingen 1849, Schwäbisch
Gmünd und Aalen 1861, Ellwangen 1866 an die Eisenbahn angeschlossen.
Es beginnen Chemiezeiten mit immer
mehr chemischen Stoffumsetzungen zum Herstellen von Kraftstoffen, Betrieb
von Maschinen, Motoren, Fahrzeugen, Erzeugen von Strom, Produzieren von
Mineraldüngern und Herbiziden und steigern direkt und indirekt die
Ackererträge auf ein Vielfaches, so wie in gleicher Zeit die Bevölkerung
auf das Fünffache zunimmt. Umgekehrt nehmen
Ackerunkräuter nach Zahl und Arten ab.
Untergegangene Arten, darunter schönblühende Blumen, stelle
ich aus Herbarien und Schriften zusammen mit Gründen, warum es sie
nicht mehr gibt, und rufe zum Schutz der verbliebenden Ackerflora auf.
19. Jahrhundert. Es herrscht Dreifelderwirtschaft mit viel Hand- und Gespannarbeit: Im ersten Schlag werden Roggen oder Dinkel angebaut. Im folgenden zweiten Jahr und Schlag Hafer und Gerste. Im dritten Jahr wird der Bodens ruhen gelassen, Abgänge von Haustieren düngen ihn zur Rückführung der Nährstoffe, die ihm die Ackerpflanzen entzogen haben, ehe mit Pflug und Egge das Brachfeld wiederbestellt wird zur Rückkehr in den ersten Schlag. Ein Teil der Brache ist mit Lein und Hanf bebaut, auf die übrige Fläche werden bald Klee, Luzerne, Kartoffeln und Rüben eingebaut, die Vollbrache hört gegen Ende des Jahrhunderts fast ganz auf. Gedüngt wird überwiegend mit organischen Düngern von Schafen, Rindern, Pferden, Schweinen, auch Menschen. An Mineraldünger werden an manchen Orten etwas Kalk, Mergel, Gips oder Asche ausgestreut. Nach Mitte des Jahrhunderts kommen mit den neuen Eisenbahnen Chilesalpeter, Peruguano und Kalisalze, werden aber bloß von großen Landwirten angewandt, die organische Ackerdüngung dominiert bis zum Anfang des folgenden Jahrhunderts. 20. Jahrhundert. Seit dem Ersten Weltkrieg wird Mineraldünger industriell hergestellt (Haber-Bosch-Verfahren), Äcker werden mit immer mehr künstlichem Stickstoff, Phosphat und Kali gedüngt. Ertragreich und klimahart gezüchteter Weizen verdrängt Dinkel und Roggen. Lein- und Hanfanbau hören auf. In den dritten Schlag werden seit etwa 1960 fast nur mehr Mais und Raps gebaut (Tabelle). Maschinen und Fahrzeuge lösen Hand- und Gespannarbeit ab und erleichtern die schweren Feld- und Hofarbeiten. Zu Beginn des Jahrhunderts kommen eiserne Pflüge. Dann von Pferden und Ochsen mit Göpeln umgetriebene stationäre Dreschmaschinen, bald auch mobile solche Maschinen von Dampf und später Kraftstoff getrieben. Seit den 1950er Jahren ziehen statt Pferden, Ochsen und Kühen Schlepper die Wagen. In den 1960er Jahren kommen erste kombinierte Mäh- und Dreschmaschinen, immer größere Mähdrescher (Foto unten) mähen, dreschen, reinigen die Frucht, laden sei auf den Wagen, häckseln das Stroh zurück auf den Acker oder binden es zu Strohballen. Seit etwa 1960 werden Herbizide ausgespritzt gegen Ackerunkräuter, die man früher noch mit der Hacke gehackt und mit der Hand gerupft hat.
Im Lauf des 20. Jahrhunderts sterben 46 Ackerunkrautarten aus. Darunter sind alle spezifischen Begleiter des Leins und Hanfs, seit diese Früchte nicht mehr angebaut werden. Mehrere auf das uneingebaute Brachfeld spezialisierte Arten sterben mit der Vollbrache aus. Besonders empfindlich sind Unkräuter, die sich im Verlauf von vielen Generationen durch ungewollte menschliche Selektion zu synanthropen Arten entwickelt haben, ohne die menschliche Ackerwirtschaft, auf die sie sich spezialisiert haben, nicht mehr weitergedeihen können. Für solche von Menschen herangezüchtete, domestizierte Arten ist der Begriff Ackerwildkraut artenschützerisch leicht irreführend, so als müsse man zu ihrer Rückkehr nur den Ackerbau extensivieren und keine Herbizide mehr anwenden. Aus welchen Wildbiotopen sollen sie zurückkehren? Sie tun es nicht, seit ihnen Menschen ihre historisch geschaffenen antropozoogenen Standorte weggenommen haben, nirgends mehr Unkrautsamen da ist, auch dem sie sich fortpflanzen könnten. † Ausgestorbene eigentliche Ackerunkräuter finden auf moderen Äckern keine zusagenden Lebens- oder Entwicklungsbdingungen. Düngung vertreibt magerkeitsliebende Unkrautarten armer Böden aus nördlichen Sandgebieten, fördert stickstoffliebende universale Unkrautarten. Auf gutgedüngten Boden wird dicht gesät, dichte Saat nimmt Unkräutern Boden, Licht und Wasser weg. Reine Brache wird aufgegeben, das Stoppelfeld sogleich nach der Ernte umgepflügt, Unkräuter des Brachfelds sterben aus. Schleppergezogene Tiefpflüge zerstören die Überdauerungsorgane von Wurzelunkräutern. Herbizide töten auch flachwurzelnde Unkräuter. Der Mähdrescher beendet das Hofdreschen, kein Stroh kommt mehr in die Scheuer, wird kaum mehr in Ställe zu Mist ausgestreut, ohne Mist gelangt kein Unkrautsamen auf den ihm zusagenden Ackerschlag. Handelssaatgut bester Saatgutreinigung löst schlechter gereinigtes, eigenerzeugtes Hofsaatgut ab. Ausgestorben sind Acker-Schwarzkümmel, zuletzt 1886 im bebauten Feld auf Ellwanger Sand (Kurtz, Bilder unten), oder Kornrade, zuletzt 1954 in Beersbach, 1955 im Leingebiet, 1964 auf dem Haldenhof bei Neuler (Schultheiss, Rodi), deren kälteempfindliche Samen nirgends mehr in der Scheuer oder im warmen Mist überwintern können.
† Ausgestorbene Dorfbewohner. Viel Groß- und Kleinvieh lebt und läuft früher im Dorf, bringt auf Misthäufen, Dunglegen, Straßen, Wege, Raine, Zäune, Mauern, Dorfgräben, Schuttplätze und Feldwege Stickstoff auf. Seit etwa 1960 werden im Dorf immer weniger Hühner, Hasen, Tauben gehalten, Kühe sind seit gleicher Zeit nirgends mehr Zugtiere, werden bald kaum noch durchs Dorf auf Weiden ausgetrieben, sondern ganzjährig in Ställen gehalten; in manchen Dörfern gibt es keine einzige Kuh mehr. Gülle wird aufgefangen, läuft nirgends mehr auf Höfe und Straßen aus. Stickstoffliebende Gänsefußarten der Gattung Chenopodioum sterben aus. Das Gemeine Flohkraut, früher überall auf Gänsweiden gedeihend und von den täglich aus- und eingetriebenen Tieren an die Dorfhäuser verschleppt, ist mit der Gänsehaltung gänzlich untergegangen. Alte Bauerngärten gibt es kaum mehr. Dahin haben Bäuerinnen Kamillen, Schwarzkümmel oder Kornraden kultiviert, da heilkräftig, würzig oder schönblühend, keine alten Bauerngartenpflanzen verwildern mehr in die Umgebungen. Parkrasen mit Rabatten neuartiger Ziergewächse, asphaltierte Straßen, Wege und Plätze beherrschen heutige schwäbischen Dörfer, von Stadtsiedlungen kaum mehr unterscheidbar. Letztnachweise zweier schöner Bauerngartenblumen und zugleich Ackerunkräuter: Osterluzei zuletzt 1836 in Äckern von Dalkingen (Schabel), Saat-Kuhnelke zuletzt 1836 und 1886 in der Saat und an Ackerrändern von Haisterhofen und Röhlingen (Schabel, Kurtz).
Heutige Ackerwirtschaft. Ackerfrüchte geben früher Brot und Futter, jetzt zudem Rohstoffe für Industrieprodukte und Energieerzeugung. Sie werden meistens noch im Turnus gewechselt in dieser Folge: Im ersten Jahr und Schlag: Winterweizen. Im zweiten: Gerste und Hafer. Im dritten Schlag, dem ehemaligen Brachfeld: bis in 1960er Jahren viel Klee und Rüben, bis in 1970er Jahre viel Kartoffeln, seit den 1960er Jahren immer mehr Mais, seit den 1970er Jahren auch viel Raps. Wo bis vor fünfzig Jahren noch viele verschiedene Eigentümer kleinparzellierte Feldfluren bewirtschaften, bearbeiten heute nach Flurbereinigungen, nach privaten Zusammenlegungen und in grundstücksübergreifender Pacht bloß noch wenige Bauern mit Großgeräten mehre hundert Meter lange Schläge, denn in manchen Dörfern gibt es keinen einzigen Bauern mehr. Unkrautreiche Äckerränder fallen auf Kilometerlänge aus der Dorfmarkung weg. Ertragreiche Äcker beherrschen die Feldflur. Die heutige Ackerunkrautflora ist arten- und individuenarm.
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Albertus-Magnus-Tagung
in Utzmemmingen
EXKURSION AUF DEN RIEGELBERG Sechzig Naturfreunde versammelten sich in Utzmemmingen. Dipl.-Ing. Hans Wolf von der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg begrüßte die oft von weither angereisten Gäste am Fuß vom Riegelberg, einem rückenförmiger Berg am Übergang von der Schwäbischen Alb in die Ebene des Nördlinger Rieses. Gemeindeamtsrätin Ilse Weber von der Gemeinde Riesbürg sprach ein Grußwort und stellte die drei Teilorte Utzmemmingen, Pflaumloch und Goldburghausen vor an der baden-württembergischen Landesgrenze zu Bayern. Den Riegelberg, auf bayerischer Seite auch Bergfeld oder Himmelreich genannt, bestiegen die Exkursionsteilnehmer bei windigem, aber sonnigem Wetter. Die Sicht war klar, vom Gipfel sah man weit auf die Riesebene und die umrahmenden Berge der Schwäbische Alb hinaus. Bauern bauen auf dem Riegelberg Äcker an, Schäfer weiden über seine felsigen Heiden ihre Schafe. Ein Felshang auf der bayerischen Nachbarmarkung Holheim (Stadt Nördlingen) öffnet sich zur Großen und Kleinen Ofnethöhle. Die zwei Höhlen werden seit der Steinzeit von Menschen bewohnt und aufgesucht zu Schutz, Aufenthalt und Begräbnisstätte.
Dipl.- Geologin Gisela Pösges vom Rieskratermuseum Nördlingen schilderte die Geologie des Meteoritenkraters Ries und des Kraterrandbergs Riegelberg. Vor 15 Millionen Jahren hat ein Steinmeteorit von etwa einem Kilometer Durchmesser in das heutige Ries eingeschlagen und einen Krater mit zwanzig Kilometer Durchmesser und fast tausend Meter Tiefe aus der Erde herausgesprengt; der Meteorit selbst ist in der Gluthitze des Aufpralls verdampft. Den Meteoritenkrater hat später Wasser zu einem See gefüllt. Wasserzuflüsse haben Tone, Sande und Kiese eingeschwemmt, den Riessee verlandet, Winde in der letzten Eiszeit weite Flächen mit Löß überweht, welche Wasser- und Luftsedimente die heutigen Riesböden bilden. Der Kraterrand besteht am Riegelberg aus einer vom Impakt umgelagerten Jurakalkscholle, in sie hat der Meteorit an eine Stelle kristallinreich-glasiges Trümmergestein eingeschossen, Suevit genannt, an einer anderen Stelle durch die Kalkdecke kristallines Grundgebirge an die Oberfläche aufgepresst. Kalkauflösende Verkarstungen haben die beiden Ofnethöhlen geschaffen.
Man stieg über Kalkfelsen zur hallenartigen Großen Ofnethöhle auf. Am Höhlentor berichtete Prof. Dr. Claus-Joachim Kind vom Landesdenkmalamt Baden-Württemberg über steinzeitliche Schädelbestattungen. Aus dem Höhleneingang der großen Höhle hat Robert Rudolf Schmidt im Jahr 1908 insgesamt 34 dort bestattete Schädel ausgegraben. Ihre Bestattung wird heute auf die Zeit um 6350 vor Chr. in die Mittelsteinzeit (Mesolithikum) datiert. Sie sind mit steinernen Werkzeugen vom Rumpf getrennt, sechs davon zertrümmert mit scharfen Frakturen und Löchern durch Hiebe zumeist auf den Hinterkopf, ausgeführt wohl mit Steinbeilen ovalen Querschnitts. Was ist hier geschehen? Womöglich haben verfeindete Mesolithiker miteinander gestritten. Doch sind den Schädeln durchbohrte Hirschzähne und Häuser von Schnecken beigegeben, manche der Schneckenarten beheimatet im Mainzer Becken, im Mittelmeergebiet und in Osteuropa, vielleicht sogar am Schwarzen Meer. "Sind die Erschlagenen Mitglieder der eigenen Gruppe?" Man kann das fast vermuten, zumal ein ähnlicher mesolithischer Bestattungsritus vom Hohlenstein im nahen Lonetal bei Heidenheim nachgewiesen ist. Peter Aleksejew vom Naturkundeverein Schwäbisch Gmünd und weitere Botaniker führten zu den Flechten, Moosen, Farnen und Blütenpflanzen des Riegelbergs und zeigten besondere Arten: An einem Ackerrand das pontische Mönchskraut Nonea pulla, hier an einem seiner westlichsten Verbreitungspunkte seit vielen Jahren wachsend. In einem Kalkacker Venusspiegel Legousia speculum-veneris und Sommer-Adonisröschen Adonis aestivalis (Fotos unten). Ein Nachbaracker war am 23. Juni 2007 vor der Reife des Korns mitsamt seinen Ackerunkräuter abgeerntet! Ein Exkursionsteilnehmer: "Im Ries wird neuerdings unreifes Getreide zur Herstellung von Biogas und Biokraftstoff verwendet." Man hat dem Regierungspräsidium Stuttgart berichtet, Naturschutzbehörde für dieses Naturschutzgebiet: Extensivierungsverträge anpassen, damit Ackerunkräuter wieder ausblühen und aussamen werden?
VORTRÄGE IM ADLER IN UTZMEMMINGEN Diplom-Biologe Martin Weiß aus Kirchheim am Ries sprach über die Ackerflora und Vertragsnaturschutz des Riesrands. Auf Goldberg, Langenberg, Blasenberg, Ipf, Tonnenberg und weiteren Riesrandbergen gibt es noch selten gewordene Ackerunkräuter. Hier auf dem Riegelberg gedeihen in Kalkäckern Adonisröschengesellschaften mit Sommer-Adonisröschen Adonis aestivalis, sehr seltenem Flammen-Adonisröschen Adonis annua, Kleinem Frauenspiegel Legousia hybrida, Kleinfrüchtigem Leindotter Camelina microcarpa, Haftdolde Caucalis platycarpos, Finkensame Neslia paniculata, Venuskamm Scandix pecten-veneris, dem sehr seltenen Rundblättrige Hasenohr Bupleurum rotundifolium (Foto unten), an Äckerrändern und auf ehemaligen Ackerterrassen, die jetzt Heide sind, vereinzelt Gelber Günsel Ajuga chamaepitys und Spatzenzunge Thymelaea passerina. Zum Erhalt der Ackerunkräuter schließen Naturschutzbehörden mit Landwirten im Riesrandprogramm seit 1989 Extensivierungsverträge: Es dürfen keine Herbizide gespritzt werden, Düngergaben sind begrenzt, es sind traditionelle Fruchtfolgen der Dreifelderwirtschaft einzuhalten. Diplom-Biologe Dr. Eberhard Klauck von der Freien Universität Berlin sprach über die Farne des Riegelberges. Auf Kalkfelsen findet man häufig den Braunstieligen Streifenfarn Asplenium triochomanes und die Mauerraute Asplenium ruta-muraria. Auf eingemischtem Silikatgestein kommt der Nordische Streifenfarn Asplenium septentrionale vor, dann erst wieder im weit entfernten silikatischen Schwarzwald. Das enge Zusammenleben dieser sonst kaum einmal so nah nebeneinander wohnenden Farnarten bringt einen merkwürdigen Farnhybriden hervor, man hat den Bastard bei der Exkursion zwischen seinen Eltern stehen sehen [wegen seiner Seltenheit bleibt sein Name vor Suchmaschinen verborgen]. Überhaupt seien, wie Klauck berichtete, viele heutige mitteleuropäische Farnarten aus Hybriden hervorgegangen: Farnvorkeime (Prothallien) tragen männliche und weibliche Geschlechtszellenbehälter (Antheridien und Archegonien). Aus den Antheridien schwimmen Spermazellen auch in die Archegonien fremder Arten, vereinigen sich mit fremden Eizellen zum hybriden Farn. Gerd Höhenberger aus Nördlingen berichtete über Flechten, Moose des Riegelbergs und zeigte sie bei der Exkursion. In mehrere Kalkfelsen sind silikatische Gesteine eingemengt, durch scharfe Trennflächen und Trennlinien geteilt. Bloß wenige Zentimeter voneinander entfernt wachsen kalkliebende und kalkfliehende Flechten und Moose. Bemerkenswerte kalkfliehende Silikatfelsmoose sind: Wimper-Hedwigsmoos Hedwigia ciliata, Stern-Hedwigsmoos Hedwigia stellata, Ovales Kissenmoos Grimmia ovalis, Berg-Kissenmoos Grimmia montana und Graues Kissenmoos Grimmia laevigata. Sie kommen hier am Riesrand vor und dann erst wieder im zweihundert Kilometer entfernten Schwarzwald. Vom Kalkgebirge der Schwäbischen Alb und ganz Süddeutschland dazwischen gibt es keine Nachweise.
Prof. Dr. Manfred Rösch arbeitet in der Außenstelle Hemmenhofen des Landesdenkmalamts Baden-Württemberg und hat aus mehr als zweihundert süddeutschen archäologischen Fundstellen Früchte, Samen und Pollen von Ackerunkräutern seit der Jungsteinzeit bestimmt. In jungsteinzeitlicher Warmzeit fassen auf vorher von eiszeitlichen Steppen bedeckten Böden Wälder Fuß. Erste Bauern treten auf, roden Laubwälder der produktivsten Lößstandorte und bauen Äcker und Ackerfrüchte darauf an, so gerade auch im und am fruchtbaren Ries.
Dipl.-Ing.
Hans Wolf aus Ellwangen, Gesellschaft für Naturkunde,
sprach über die Ostwürttembergische
Ackerflora seit 1797, als Josef
Aloys Frölich (1766-1841) die floristische Erforschung beginnt.
Im ausgehende 19. und das 20. Jahrhundert
sterben durch tiefgreifende Änderungen des Ackerbaus 46 Arten an
Ackerunkräutern aus. Der Verlust kann nur schwer rückgängig
gemacht werden, denn gerade die ausgestorbenen Arten sind keine Wildkräuter,
die Ende der Herbizidanwendung aus Wäldern zurückwandern, sondern
im Lauf vieler Generationen im Acker selbst entstandene und auf historische
Ackerwirtschaft hoch spezialisierte Arten, gehen mit ihr unter. Für diese von Bauern unwillentlich herangezüchteten, von ihnen zu recht Unkräuter
genannte Arten, betreibt man im Prinzip Denkmalpflege
historischer Ackerwirtschaft: Die allein im Dinkel gedeihende
Dicke Trespe Bromus grossus in Söhnstetten oder für das geschilderte
Rundblättrige Hasenohr Bupleurum rotundifolium und seine Begleiter
in einem Ackerflorareservat des Riegelbergs. Prof. Dr. Dieter Rodi aus Schwäbisch Gmünd sprach das Schlusswort und gab einen Rückblick auf fünfzig Jahre Ackerfloraforschung und Ackerfloraschutz hier am Riesrand, in Brainkofen über dem Leintal und in Söhnstetten bei Heidenheim. Die Kenntnis der Agrargeschichte und der historischen Ackerflora seit Steinzeiten, so wie von den Referenten vorgetragen, sei ein Gewinn auch für die Kenntnis und damit den Schutz der gegenwärtigen Ackerflora. Er regte weitere Zusammenarbeit von Archäo- und Neobotanikern an. * * * Allgemeine Naturkunde. Darwin, Charles (1859): Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl oder die Erhaltung der bevorzugten Rassen im Kampfe ums Dasein. Deutsch von Georg Gärtner. - Halle an der Saale (Verlag Otto Hendel), 571 S. mit Darwinporträt. Stelle über Artentwicklungen von Gräsern auf S. 118 des vierten Kapitels über die Divergenz der Charaktere. - Schmidt, Robert Rudolf (1912): Die diluviale Vorzeit Deutschlands. - Stuttgart. Der spätere Leiter des von ihm selbst gegründeten Urgeschichtlichen Instituts der Universität Tübingen berichtet über seine Grabungen an den Ofnethöhlen, die ausgegrabenen Schädel. - Deutscher Wetterdienst (1953): Klima-Atlas von Baden-Württemberg. - Bad Kissingen (Deutscher Wetterdienst), 37 S. + 75 Karten. Karte 15: Mittlere Jahresschwankung der Temperatur in Stuttgart 15, im Ries aber 18,5 Grad, also kontinental und pontisch getöntes Klima. Karte 23: Im Ries über 30 Sommertage mit Höchstwerten der Temperatur 25 Grad und mehr, in Riesumgebungen bedeutend weniger, also mediterran getöntes Klima. - Kerkhof, Josef (1977): Bevölkerungsentwicklung unter besonderer Berücksichtigung der Städte 1834-1970. In: Historischer Atlas von Baden-Württemberg. Erläuterungen. Beiwort zur Karte XII,3. S. 4: Württembergische Bevölkerungszahl 1939: 2,901 Millionen, mehr als doppelt so viel als 1815. - Borchert, Wolfgang, Susanne Häsler, Stefan Kuballa & Johannes Schwenger (1985): Die Landwirtschaft in Baden und Württemberg. Veränderungen von Anbau, Viehhaltung und landwirtschaftlichen Betriebsgrößen 1850-1980. - Stuttgart (W. Kohlhammer), 295 S. S. 37: Württembergische Bevölkerungszahl 1815: 1,381 Millionen. - Reisch, Ludwig (1988): Die Ofnethöhlen bei Holheim. In: Archäologische Wanderungen im Ries. 2. Auflage (Herausgeber Hans Frei & Günther Krahe): S. 123-128. - Stuttgart und Aalen (Konrad Theiss Verlag), 255 S. - Krause, Rüdiger (1992): Vom Ipf zum Goldberg. Führer zu archäologischen Denkmälern in Baden-Württemberg 16. - Stuttgart (Konrad Theiss), 158 S. - Pösges, Gisela & Michael Schieber (1994): Das Rieskrater-Museum Nördlingen. - München (Verlag Dr. Friedrich Pfiel), 112 S. + 1 geologische Karte + 1 topografische Karte. - Kind, Claus-Joachim (2006): Die letzten Jäger und Sammler. Das Mesolithikum in Baden-Württemberg. - Denkmalpflege in Baden-Württemberg 35 (1): S. 10-16. Schädelbestattungen in den Ofnethöhlen mit genauerer Datierung als bisher, Herkunft der beigegebenen Schneckenhäuser. - Statistisches Landesamt Baden-Württemberg (2007): Nach Internet im Jahr 2006 6,22 Millionen Einwohner der zwei einst württembergischen Regierungsbezirke Stuttgart und Tübingen mit dem einstigen Hohenzollern. Flora und Vegetation. Schnizlein, Adalbert & Albert Frickhinger (1848): Die Vegetations-Verhältnisse der Jura- und Keuperformation in den Flussgebieten der Wörnitz und Altmühl. - Nördlingen (C. H. Becksche Buchhandlung), VII + 344 S. + 1 geognostisch-geologische Karte. Wichtigst für historischen Florenvergleich, auch Ackerpflanzen und Ackerkultur besprechend. - Petermann, Wilhelm Ludwig (1849): Deutschlands Flora mit Abbildungen sämtlicher Gattungen auf 100 Tafeln. - Leipzig (Georg Wigands Verlag), 670 S. Von Tafel 3 Blüte des Acker-Schwarzkümmels Nigella arvensis. - Fischer, Rudolf (1982): Flora des Rieses. - Nördlingen (Verein Rieser Kulturtage, C. H. Becksche Druckerei), 552 S. + 274 Farbfotos auf Farbtafeln. Historische Florenvergleiche zurück bis Schnizlein & Frickhinger (1848). - Oberdorfer, Erich (1983): Pflanzensoziologische Exkursionsflora. - Stuttgart (Eugen Ulmer), 1054 S. Daraus Standorte von Ackerunkräutern, falls keine spezifische ostwürttembergische Überlieferung da ist, ferner die angegebenen pflanzengeografische Zonen, doch eurasiatisch in gemäßigt, eurasiatisch-kontinental in gemäßigt-kontinental, europäisch-kontinental in pontisch umbenannt. - Haeupler, Henning & Peter Schönfelder (1989): Atlas der Farn- und Blütenpflanzen der Bundesrepublik Deutschland. - Stuttgart (Eugen Ulmer), 768 S. - Fischer, Rudolf (2002): Flora des Rieses. 2., ergänzte Auflage. - Nördlingen (Verein Rieser Kulturtage, C. H. Beck), 662 S. + 274 Farbfotos.- Smettan, Hans W. (2007): Die Unkräuter der Maisäcker auf den Fildern. - Jahreshefte Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg 163: 91-104. - Maisunkräuter sind Universalarten, die auch auf anderen Standorten wachsen. - Dilger-Endrulat, Cornelia (2007): Aufsuchen historischer ostwürttembergischer Ackerunkrautbelege aus dem Herbarium der Universität Tübingen. Moose und Farne. Bertsch, Karl (1950): Merkwürdige Farne aus dem Naturschutzgebiet am Hohentwiel. - Veröffentlichungen der Württembergischen Landesstelle für Naturschutz und Landschaftspflege 19: S. 71-87. Auf diesem Hegauberg sind in den vulkanischen Phonolith kalkfreie und kalkhaltige Minerale eingeschlossen, Bastarde kalkliebender und kalkfliehender Farne kommen vor. Anmerkung: Gleiche Gesteinsvermengung und ein gleicher Farnbastard auf dem Riegelberg. - Meyer, Dieter E. (1952): Untersuchungen über die Bastardierung in der Gattung Asplenium. Bibliotheka Botanica 123. - Stuttgart (Schweizerbartsche Verlagsbuchhandlung), 34 S. + Beilagen. - Lovis, John D. & Tadeusz Reichstein (1968): Über das spontane Entstehen von Asplenium adulterinum aus einem natürlichen Bastard. - Naturwissenschaften 55 (3): S. 117-120. - Rasbach, Kurt, Helga Rasbach & Ottilie Wilmanns (1976): Die Farnpflanzen Zentraleuropas. 2. Auflage. - Stuttgart (G. Fischer), 304 S. - Hegi, Gustav (1984): Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Band l, Teil 1. Pteridophyta 3. Auflage. - Hamburg (Paul Parey), 310 S. - Höhenberger, Gerd (1989): Moosflora des Nördlinger Rieses und des Härtsfeldes. Berichte des Naturwissenschaftlichen Vereins für Schwaben. Sonderbericht 1989/1. Nachtrag und Korrekturen 1990/1. - Augsburg, 93 + 4 S. Blütenpflanzen. Schabel, Andreas (1836): Flora von Ellwangen. - Stuttgart (Balzsche Buchhandlung), 100 S. S. 43: Saat-Kuhnelke Vaccaria hispanica in Saatäckern. S. 80: Filago minima und Filago vulgaris in Äckern. S. 89: Wildwachsende Osterluzei Aristolochia clematitis. - Schnizlein, Adalbert & Albert Frickhinger (1848) wie oben. S. 131: Bach-Quellkraut Montia fontana auf feuchten Äckern mit Sandgrund namentlich in Furchen und Abzugsgräben. S. 144: Gemeimes Flohkraut Pulicaria vulgaris überall auf Gänsheiden und um die Häuser in Dörfern umher. - Kurtz, Karl Maria (1899): Die Hochäcker. - Blätter des Schwäbischen Albvereins 21 (2): Spalte 44-48. Sp. 47: Hochäcker auf schweren, undurchlässigen Böden im Osten des Bezirks. Anmerkung: Zu beiden Seiten der gewölbten Ackerbeete Abzugsgräben. - Kurtz, Karl Maria (1886): Pflanzen- und Tierreich. In: Beschreibung des Oberamts Ellwangen (Herausgeber Königliches statistisch-topografisches Büro): 61-86. - Stuttgart (W. Kohlhammer), 884 S. + 1 Karte des Oberamts. S. 68: Kleines Filzkraut Filago minima. S. 73: Acker-Schwarzkümmel Nigella arvensis. S. 78: Großblütige Kollomie Collomia grandiflora und Saat-Kuhnelke Vaccaria hispanica. - Frickhinger, Hermann (1911): Gefäßkryptogamen- und Phanerogamen-Flora des Rieses, seiner Umgebung und des Hesselberges bei Wassertrüdingen. - Nördlingen (C. H. Becksche Buchhandlung), 403 S. + 1 Karte. S. 322: Acker-Filzkraut Filago arvensis auf Brachäckern und in Wäldern mit porösem, sandigem Humus. - Kreh (1912): Die Strahldolde am Heidenheimer Schlossfelsen 1912. - Blätter des Schwäbischen Albvereins 24 (11): Spalte 361-364. Orlaya grandiflora dem Verfasser aus Heidenheims Umgebung unbekannt, also offensichtlich schon aus Äckern ausgestorben. - Hanemann, Julius (1929): Ergebnisse der floristischen Durchforschung des östlichen und nordöstlichen Teils von Württemberg. II. Die Keuperhöhenzüge. - Jahreshefte des Vereins für vaterländische Naturkunde in Württemberg 85: S. 62-109. S. 79: Letztnachweis der Großblütigen Kollomie Collomia grandiflora. - Meusel, Hermann (1943): Vergleichende Arealkunde. 1. und 2. Band. - Berlin-Zehlendorf (Gebrüder Borntraeger), 466 + 92 S. + 90 Karten. S. 105: Mönchskraut Nonea pulla hat auf Siebenbürger Wiesensteppen natürlich-spontane Standorte [Wiesensteppen antropozoogen?], in Mitteleuropa Kulturstandorte auf Wegrainen und Äckern. Verbreitungskarte K 69a.- Rodi, Dieter (1960): Die Vegetations- und Standortsgliederung im Einzugsgebiet der Lein (Kreis Schwäbisch Gmünd). - Veröffentlichungen der Landesstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Baden-Württemberg und der württembergischen Bezirksstellen in Stuttgart und Tübingen 27/28: S. 76-167 + Tabellen und Karten. Nach 1955 aufgenommener Tabelle I.1 Kornraden Agrostemma githago noch auf einigen Äckern. - Schultheiss, Franz Xaver (1976): Flora von Ellwangen. Ellwanger Jahrbuch 26: S. 143-212. S. 153: Lein-Lolch Lolium remotum zuletzt 1953 in Walxheim im Lein. S. 166: Kornraden zuletzt im Winterroggen in Beersbach 1954 und auf dem Haldenhof 1964. - Fischer, Rudolf (1982): Flora des Rieses wie oben. Nach S. 71 Kornrade seit zwanzig Jahren aus dem Ries verschollen. - Sebald, Oskar, Siegmund Seybold & Georg Philippi (1993): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Erster Band. 2. Auflage. - Stuttgart (Eugen Ulmer), 613 S. S. 514: Württembergischer Letztnachweis des Bach-Quellkrauts Montia fontana von King 1902 für einen Acker in Lippach gegen Forst und Vogel. Anmerkung: Dort schwere Böden, im Kontext mit Schnizlein & Frickhinger (1848: S. 131) und Kurtz (1899) wohl in Abzugsrinnen damals noch bestehender Hochäcker. - Wolf, Hans (2004): Josef Aloys Frölich (1766-1841) und die Flora von Ostwürttemberg. In: Beiheft 1 der Berichte der Botanischen Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutschland: 81-147. - Karlsruhe, 278 S. Mit von Frölich nachgewiesenen und jetzt ausgestorbene Ackerunkrautarten, diese Nachweise hierher ohne besondere Quellenangabe übernommen. - Grüninger, Annette (2005): Einst ein blühendes Geschenk aus Italien? - Heidenheimer Neue Presse vom 11. April 2005. Großblütige Breitsame Orlaya grandiflora, in Heidenheim Strahldolde genannt, einst auf Felsen und an Mauern des Heidenheimer Schlosses Hellenstein, dorthin jetzt wieder aus Hausgärten ausgebracht. Eine italienische Prinzessin soll die Pflanzenart nach Heidenheim gebracht haben. Anmerkung: Als diese Sage entstand, wusste offenbar niemand mehr, dass die Breitsame ein heimisches Ackerunkraut gewesen ist. Ältere Agrargeschichte. Pahl, Johann Gottfried (1797): Bemerkungen über das Stift Ellwangen von einem kaiserlichen Offizier. Neueste Staatsanzeigen 1 (4). Nachdruck in Programm der Volkshochschule Ostalbkreis 1974/1975: S. 2-10. Verbreiteter Roggen- und Haferanbau. Baumwollspinnen in Heuchlingen an der Lein. Anmerkung: Wohl schon damals Rückgang von Anbau von Lein, den Baumwolle ersetzt. - Renz, Joseph (1834): Beschreibung der Landwirtschaft und Viehzucht im Oberamt Gmünd. In: Correspondenzblatt des Königlich Württembergischen Landwirtschaftlichen Vereins. Neue Folge Band V: S. 202-215. - Stuttgart und Tübingen (Cottasche Buchhandlung), 232 S. + 2 Tafeln. Dreifelderwirtschaft mit Fruchtwechsel. Albuch: Im 1. Jahr Roggen. Im 2. Jahr Hafer. Im 3. Jahr gedüngte Brache. An der Rems aufwärts: 1. Roter Klee, 2. Gerste, Hafer, Wicken usw. 3. Brache zu 1/6 bis 1/8 mit Klee, Kartoffeln oder Lein. Anmerkung: Rest reine Brache. Auf dem Welzheimer Wald: 1. Dinkel, Roggen. 2. Hafer. 3. Brache gedüngt oder mit Lein eingebaut. Stallmist gewöhnliches Dungmittel der Felder, versetzt mit Streumitteln Stroh, Laub, Moos oder Reisach (= Reisig, zerkleinerte Äste und Zweige). Gülle neuerdings auf Anordnung der Regierung aufgefangen und von Zeit zu Zeit auf den Misthaufen aufgeschüttet. Gips und Mergel wo vorhanden dünn auf das Brachfeld ausgestreut. Schafe in die Brache gepfercht. Örtlich noch Dreischwirtschaft (Dreische, Egertenwirtschaft). Im Welzheimer Wald die Felder 6 bis 9 Jahre dem Gras- und Buschwuchs überlassen, Schafe gehen über die Dreischen, die Fläche dann mit gebranntem Rasen und Reisach gedüngt und unter den Pflug genommen zu zweijährigem Anbau von Roggen, dann ein Jahr Brache, dann Roggen, zuletzt Hafer und Rückkehr in die Dreische. - Schnizlein, Adalbert & Albert Frickhinger (1848) wie oben. S. 292: Wirkung der Aschedüngung: "Auffallend ist die Fruchtbarkeit der Kohlplatten. ... Trägt man hiervon in Äcker oder Krautländer über, so besitzen diese eine Reihe von Jahren hindurch eine erstaunliche Fruchtbarkeit." - Schöttle, Johann Evangelist (1856): Geschichte des Pfarrdorfes Demmingen und seinen Filialen Wagenhofen und Duttenstein. Handschriftliche Chronik übertragen und herausgegeben von Alois Kapfer. - Dischingen 2000 (Gemeinde Dischingen), 231 S. + 3 Karten. Pfarrer Schöttle schildert Dorfleben, Ackerbau, Landwirtschaft, Ackerfrüchte, Ackergeräte, Düngen. Auf S. 31 Ipsen, das ist Mineraldüngen mit Gips. - Walcher, Gustav (1886): Pflanzenbau und Viehzucht. In: Beschreibung des Oberamts Ellwangen. Band 1: S. 208-245 und 253-264. - Stuttgart (W. Kohlhammer), XXIV + 883 S. + 1 Karte. S. 221ff.: Anwendung von Chilesalpeter, Peruguano und Kalisalzen. S. 236: Rückgang des Leinanbaus auf ein Minimum, Vordringen fremder leinener, sowie "spottbilliger" baumwollener Gewebe als Importware. - Fischer, Hermann (1908): Schwäbisches Wörterbuch. 2. Band. - Tübingen (Lauppsche Buchhandlung), 1904 Spalten. Spalte 539: Egerten, Ausfeld, Dreusche (Dreische) synonym. - Rösch, Manfred (1990): Anmerkungen zu den fossilen und subfossilen Erstnachweisen. In: Sebald, Oskar, Siegmund Seybold & Georg Philippi (Herausgeber): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 1: S. 35-47. - Stuttgart (Eugen Ulmer), 613 S. Archäobotanische Methodik und Datierungen, Abriss der mit Ackerbau eng zusammenhängenden Waldgeschichte, historische Erstnachweise von Ackerarten mit Fundortslisten. - Lüning, Jens (1997): Anfänge und frühe Entwicklung der Landwirtschaft im Neolithikum (5500-2200 vor Chr.). In: Deutsche Agrargeschichte. Vor- und Frühgeschichte (Herausgeber Jens Lüning, Albrecht Jockenhövel, Helmut Bender & Torsten Capelle): 15-139. - Stuttgart (Eugen Ulmer), 480 S. S. 60: Äcker permanente Pionierstandorte, dahin dringen Wildpflanzen vor, passen sich anthropogenen Gegebenheiten an und verändern sich genetisch. Die so veränderten Arten keine Wildpflanzen oder "Ackerwildkräuter", sondern Ackerunkräuter. - Rösch, Manfred & Marion Heumüller (2008): Vom Korn der frühen Jahre. Sieben Jahrtausende Ackerbau und Kulturlandschaft. Archäologische Informationen aus Baden-Württemberg Heft 55. Begleitheft zur Ausstellung des Landesamts für Denkmalpflege in Zusammenarbeit mit dem Hohenloher Freilandmuseum Wackershofen. - Stuttgart (Landesdenkmalamt im Regierungspräsidium Stuttgart), 102 S. Jüngere Agrargeschichte. Saatgutgesetz vom 27. Juni 1953. Nach einer dazu ergangenen Verordnung Mindestreinheit für Hochzuchtsaatgut von Roggen 98%; in der Verunreinigung von 2 % dürfen in 500 Gramm Saatgut höchstens 7 Unkrautsamen sein, davon 3 Hederichknoten oder Kornrade. S. 152 und 176f. in Pareys Landwirtschaftslexikon (1957), Band II. - Hamburg und Berlin (Parey), 380 S. - Wehsarg, Otto (1954): Ackerunkräuter. Biologie. Allgemeine Bekämpfung und Einzelbekämpfung. - Berlin (Akademie Verlag), 294 S. + 10 Tafeln. S. 82: Saatgutreinigung besonders wirksam gegen Unkräuter, deren Samen bloß ein Jahr im Boden keimfähig bleiben wie Roggen-Trespe Bromus secalinus, Taumel-Lolch Lolium temulentum, Kornrade Agrostemma githago. - Simon, Leonhard (1930): Gänsezucht und Gänsehaltung im Nördlinger Ries. Sonderdruck aus dem Landwirtschaftlichen Jahrbuch für Bayern Heft 1/2 von 1930. - München (Buchdruckerei unbd Verlangsanstalt Carl Gerber), 78 S. S. 16: Im Durchschnitt der Jahre 1927 und 1928 insgesamt 40.416 Gänse im Bezirksamt Nördlingen gehalten. Heute fast keine mehr. Anmerkung: Flohkraut Pulicaria vulgaris , von den Gänsen verschmäht, aber verbreitet, gänzlich ausgestorben. - Stadler, Rudolf (1997): Fünfzig Jahre "Grüne Revolution" in Baden-Württemberg. In: Für die Bauern in Baden-Württemberg. 50 Jahre Landesbauernverband: S. 17-31. - Stuttgart (Eugen Ulmer), 175 S. S. 23: Steigerung der Hektarerträge von Getreide: 1952: 2,2 Tonnen. 1995: 5,2 Tonnen. Gründe: Hälfte Düngung, ein Viertel Züchtungsfortschritte, ein Sechstel Herbizide, ein Zehntel technisch-organisatorische Verbesserungen. - Woellwarth, Christoph von (1998): Landwirtschaft in Ebnat einst und jetzt. In: Ebnat im Wandel der Zeit 1298-1998 (Herausgeber Roland Schurig): S. 109-116. - Aalen (Süddeutscher Zeitungsdienst), 272 S. S. 114: 1936 erster Traktor und Gemeinschaftsdreschmaschine von Hof zu Hof, Gemeinschaft 1968 aufgelöst, da Mähdrescher eingeführt. - Killian, Ruth (2002): Die Rieser Landwirtschaft im Wandel. - Oberschönenfeld (Museumsdirektion des Bezirks Schwaben), 200 S. S. 89: Nördlinger Eisenbahnanschluss 1849, Anfuhr von Mineraldünger, Saatgut, Landmaschinen. S. 120: Mineraldüngeranwendung 1890 nur 9, 1920 aber 712 Kilo pro hundert Hektar, später noch viel mehr. S. 171 und 174: Mechanisierung eines Bauernhofs: Göpel 1911, eiserner Pflug 1919, Dreschmaschine ohne Reinigungssystem 1927, Putzmühle 1928, Schlepper mit 18 PS 1957, zwischen 1960 und 1965 erster Mähdrescher. - Frommer, Helmut & Hermann Bizer (2006): 1950 - ein schwäbisches Dorf. - Tübingen (Silberburg-Verlag), 172 S. Farbfotografien und Schilderungen der Ackerarbeiten in Isingen (Zollernalbkreis) vor Einzug von Schlepper und Mähdrescher. - Geschäftsbereich Landwirtschaft des Landratsamts Ostalbkreis (2007): Der Ostalbkreis auf einen Blick. Landwirtschaftliche Hauptzahlen mit historischen Vergleichen. Zahlen der Tabelle links, dort Flächen der nachwachsenden Rohstoffe und der Stillegung, da überwiegend Raps mit diesem zusammengezogen. - Lenz, Karl (2007): Mündliche Schilderungen alter Landwirtschaft in Finkenweiler bei Lippach (Westhausen) vor Einzug des Mähdreschers. Einfuhr des Getreides in die Scheuer, winterliches Dreschen, Absondern von Saatgut aus dem besten Ackerstück, alte Getreideputzmühlen und Windfegen gegen Unkrautsamen unvollkommen. Kornraden einst im Roggen, dieser ohnehin kaum mehr angebaut, da nicht so ertragreich und unsicherer in der Ernte als Weizen. - Schwäbische Post vom 1. August 2007, Seite 18: "Seit 1940 nicht mehr geerntet". Bericht über ehemaligen Anbau von Lein oder Flachs auf dem Härtsfeld und Wiederanbau eines Feldes für das Heimatfest.
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