Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg
Vereinszweig Ostwürttemberg

Ackerflora seit der Steinzeit, Steinzeitmenschen, Flora im Nördlinger Ries

Nördlinger Ries. In das Juragebirge der Schwäbischen Alb ist der Meteoritenkrater Ries eingesenkt. Aus dem Rieskessel steigen warme Luftmassen auf und kühlen sich über den Wäldern der Riesrandhöhen ab. Der in der aufsteigenden Luft enthaltene Wasserdampf kondensiert und bildet einen Kranz von Haufenwolken aus um das Ries herum.

Besondere Flora im Nördlinger Ries
von HANS WOLF, Ellwangen (Jagst)

Dignoscitur sic ex sola inspectione plantarum subjecta terra et solum. Allein aus Betrachtung der Pflanzen erkennt man anstehendes Gestein und Boden. - Carl Linnaeus (1707-1778), Philosophia botanica, § 334.

Der Juragebirge zwischen Rhône und Main wird zweimal unterbrochen. Bei Schaffhausen vom Rhein. Bei Nördlingen von der Riesebene. Diesen runden Kessel (Foto oben) des heutigen Nördlinger Ries hat vor fünfzehn Millionen ein Meteorit in die Schwäbische Alb und ihr Vorland eingeschlagen. Dieses singuläre Ereignis wirkt in die gegenwärtige Flora fort. Neben kalkliebenden Pflanzen auf anstehendem Jurakalk gibt es kalkfliehende Pflanzen auf silikatische Grundgestein, das der Meteorit in das Juradeckgebirge emporgepresst hat. Vorgelagerte und umrahmende Waldberge fangen vor dem Ries viel Regen auf, der Jahresniederschlag beträgt bloß 650 bis 600 mm auf eine der trockensten süddeutschen Landschaften, wärmeliebende Pflanzen aus mediterranem, pontisch-pannonischen und gemäßigt-kontinentalem Florengebiet strahlen hierher ins gemäßigt-atlantische Florengebiet ein und finden auf sonnigen, heißen Hängen einige ihnen zusagende Standorte.
 

Klatsch-Mohn Papaver rhoeas auf kalkreichen und Kornblume Centaurea cyanus auf kalkarmen Gesteinen mischen sich in einem Acker des Riesrandbergs Riegelberg, der eine Mischung beider Gesteine enthält.


Einstrahlungen in die Riesflora aus gemäßigt-kontinentalem (gk), mediterranen (m) und pontischem (p) Florengebeit. Schöner Lauch Allium pulchellum. m: Schweindorf. · Diptam Dictamnus albus. p, m: Hürnheim, Trochtelfingen. · Gänsetötender Schöterich Erysimum crepidifolium. p: Aufhausen, Flochberg. · Wohlriechender Schöterich Erysimum odoratum. p: Appetshofen, Aufhausen, Flochberg, Harburg, Hoppingen. Echter Alant Inula helenium. gk, m: Utzmemmingen. · Rauher Alant Inula hirta. gk: Kirchheim, Minderoffingen. · Zarte Miere Minuartia hybrida. m: Utzmemmingen am Riegelberg. · Pannonische Katzenminze Nepeta pannonica. m, p: Oberdorf. · Mönchskraut Nonea pulla. gk, m, p: Utzmemmingen am Riegelberg. · Große Sommerwurz Orobanche elatior gk, m: Benzenzimmern, Kirchheim, Minderoffingen, Wössingen. · Elsässischer Haarstrang Peucedanum alsaticum. gk, p: Appetshofen, Heroldingen, Hoppingen, Utzmemmingen, Riesbürg, Kirchheim. · Steife Rauke Sysimbrium strictissimum. gk: Goldburghausen


Pontische Arten am Ries bei Aufhausen: Gänsetötender Schöterich Erysimum crepidifolium. - Wohlriechender Schöterich Erysimum odoratum.


Mediterran-pontische Arten am Ries: Pannonische Katzenminze Nepeta pannonica bei Oberdorf. - Diptam Dictamnus albus bei Trochtelfingen.


Ostwürttembergische Ackerflora seit 1797
von HANS WOLF, Ellwangen (Jagst)

Wir wissen, dass jede Grasart jährlich unzählige Samenkörner ausstreut und also, um so zu sagen, ihr Möglichstes tut, um sich zu vermehren. Demzufolge werden im Verlaufe von vielen tausend Generationen die am meisten von einander abweichenden Varietäten einer Grasart stets die beste Aussicht haben, zu gedeihen und an Zahl zuzunehmen, und so werden sie die weniger abweichenden Varietäten verdrängen. Sind aber diese Varietäten sehr verschieden von einander geworden, so nehmen sie den Charakter von Arten an. - Charles Darwin in seiner Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl von 1859.

Ackerfrüchte und Ackerunkräuter bilden die Ackerflora. Ihre jüngere Geschichte kennen wir seit 1797, als der Ellwanger Arzt und Naturforscher Josef Aloys Frölich (1766-1841) die floristische Erforschung Ostwürttembergs beginnt. Bald werden Nördlingen 1849, Schwäbisch Gmünd und Aalen 1861, Ellwangen 1866 an die Eisenbahn angeschlossen. Es beginnen Chemiezeiten mit immer mehr chemischen Stoffumsetzungen zum Herstellen von Kraftstoffen, Betrieb von Maschinen, Motoren, Fahrzeugen, Erzeugen von Strom, Produzieren von Mineraldüngern und Herbiziden und steigern direkt und indirekt die Ackererträge auf ein Vielfaches, so wie in gleicher Zeit die Bevölkerung auf das Fünffache zunimmt. Umgekehrt nehmen Ackerunkräuter nach Zahl und Arten ab. Untergegangene Arten, darunter schönblühende Blumen, stelle ich aus Herbarien und Schriften zusammen mit Gründen, warum es sie nicht mehr gibt, und rufe zum Schutz der verbliebenden Ackerflora auf.

 

Ansicht von Kirchheim am Ries von Ludwig Mayle (1794-1874) um 1844. Im Vordergrund farbenfrohe Ackerfelder, Mutter mit zwei Mädchen, eines mit Sichel zum Getreide schneiden, im Hintergrund 1802/1803 säkularisiertes Zisterzienserinnenkloster, Blasenberg und rechts Ipf.

19. Jahrhundert. Es herrscht Dreifelderwirtschaft mit viel Hand- und Gespannarbeit: Im ersten Schlag werden Roggen oder Dinkel angebaut. Im folgenden zweiten Jahr und Schlag Hafer und Gerste. Im dritten Jahr wird der Bodens ruhen gelassen, Abgänge von Haustieren düngen ihn zur Rückführung der Nährstoffe, die ihm die Ackerpflanzen entzogen haben, ehe mit Pflug und Egge das Brachfeld wiederbestellt wird zur Rückkehr in den ersten Schlag. Ein Teil der Brache ist mit Lein und Hanf bebaut, auf die übrige Fläche werden bald Klee, Luzerne, Kartoffeln und Rüben eingebaut, die Vollbrache hört gegen Ende des Jahrhunderts fast ganz auf. Gedüngt wird überwiegend mit organischen Düngern von Schafen, Rindern, Pferden, Schweinen, auch Menschen. An Mineraldünger werden an manchen Orten etwas Kalk, Mergel, Gips oder Asche ausgestreut. Nach Mitte des Jahrhunderts kommen mit den neuen Eisenbahnen Chilesalpeter, Peruguano und Kalisalze, werden aber bloß von großen Landwirten angewandt, die organische Ackerdüngung dominiert bis zum Anfang des folgenden Jahrhunderts.

20. Jahrhundert. Seit dem Ersten Weltkrieg wird Mineraldünger industriell hergestellt (Haber-Bosch-Verfahren), Äcker werden mit immer mehr künstlichem Stickstoff, Phosphat und Kali gedüngt. Ertragreich und klimahart gezüchteter Weizen verdrängt Dinkel und Roggen. Lein- und Hanfanbau hören auf. In den dritten Schlag werden seit etwa 1960 fast nur mehr Mais und Raps gebaut (Tabelle). Maschinen und Fahrzeuge lösen Hand- und Gespannarbeit ab und erleichtern die schweren Feld- und Hofarbeiten. Zu Beginn des Jahrhunderts kommen eiserne Pflüge. Dann von Pferden und Ochsen mit Göpeln umgetriebene stationäre Dreschmaschinen, bald auch mobile solche Maschinen von Dampf und später Kraftstoff getrieben. Seit den 1950er Jahren ziehen statt Pferden, Ochsen und Kühen Schlepper die Wagen. In den 1960er Jahren kommen erste kombinierte Mäh- und Dreschmaschinen, immer größere Mähdrescher (Foto unten) mähen, dreschen, reinigen die Frucht, laden sei auf den Wagen, häckseln das Stroh zurück auf den Acker oder binden es zu Strohballen. Seit etwa 1960 werden Herbizide ausgespritzt gegen Ackerunkräuter, die man früher noch mit der Hacke gehackt und mit der Hand gerupft hat.

 

Getreideernte in den 1940er Jahren vor dem Mähdrescher. Frucht mit Hand gemäht, zu Schwaden ausgebreitet, getrocknet, aufgesammelt, mit Strohbändern und später mit farbigen "Garbastrickla" und "Knebala dra" zu Garben gebunden, aufgemantelt, nach weiterem Trocknen eingefahren. Foto aus Rosenberg bei Ellwangen.

Im Lauf des 20. Jahrhunderts sterben 46 Ackerunkrautarten aus. Darunter sind alle spezifischen Begleiter des Leins und Hanfs, seit diese Früchte nicht mehr angebaut werden. Mehrere auf das uneingebaute Brachfeld spezialisierte Arten sterben mit der Vollbrache aus. Besonders empfindlich sind Unkräuter, die sich im Verlauf von vielen Generationen durch ungewollte menschliche Selektion zu synanthropen Arten entwickelt haben, ohne die menschliche Ackerwirtschaft, auf die sie sich spezialisiert haben, nicht mehr weitergedeihen können. Für solche von Menschen herangezüchtete, domestizierte Arten ist der Begriff Ackerwildkraut artenschützerisch leicht irreführend, so als müsse man zu ihrer Rückkehr nur den Ackerbau extensivieren und keine Herbizide mehr anwenden. Aus welchen Wildbiotopen sollen sie zurückkehren? Sie tun es nicht, seit ihnen Menschen ihre historisch geschaffenen antropozoogenen Standorte weggenommen haben, nirgends mehr Unkrautsamen da ist, auch dem sie sich fortpflanzen könnten.

† Ausgestorbene eigentliche Ackerunkräuter finden auf moderen Äckern keine zusagenden Lebens- oder Entwicklungsbdingungen. Düngung vertreibt magerkeitsliebende Unkrautarten armer Böden aus nördlichen Sandgebieten, fördert stickstoffliebende universale Unkrautarten. Auf gutgedüngten Boden wird dicht gesät, dichte Saat nimmt Unkräutern Boden, Licht und Wasser weg. Reine Brache wird aufgegeben, das Stoppelfeld sogleich nach der Ernte umgepflügt, Unkräuter des Brachfelds sterben aus. Schleppergezogene Tiefpflüge zerstören die Überdauerungsorgane von Wurzelunkräutern. Herbizide töten auch flachwurzelnde Unkräuter. Der Mähdrescher beendet das Hofdreschen, kein Stroh kommt mehr in die Scheuer, wird kaum mehr in Ställe zu Mist ausgestreut, ohne Mist gelangt kein Unkrautsamen auf den ihm zusagenden Ackerschlag. Handelssaatgut bester Saatgutreinigung löst schlechter gereinigtes, eigenerzeugtes Hofsaatgut ab. Ausgestorben sind Acker-Schwarzkümmel, zuletzt 1886 im bebauten Feld auf Ellwanger Sand (Kurtz, Bilder unten), oder Kornrade, zuletzt 1954 in Beersbach, 1955 im Leingebiet, 1964 auf dem Haldenhof bei Neuler (Schultheiss, Rodi), deren kälteempfindliche Samen nirgends mehr in der Scheuer oder im warmen Mist überwintern können.

Breitblättrige Haftdolde Turgenia latifolia. Beleg Frölichs im Herbar der Universität Tübingen (TUB Nr. 018999): Caucalis latifolia L. Turgenia Hoffm. L. ad pedem montis Cromberg 1811: Caucalis latifolia wie von Linnaeus beschrieben. Hoffmanns Gattung Turgenia. Habe ich am Fuß des Crombergs 1811 gesammelt = Gromberg bei Lauchheim. - Aus Äckern Ostwürttembergs und fast ganz Deutschlands ausgestorben.

Großblütige Breitsame Caucalis grandiflora. Orlaya grandiflora. Beleg Frölichs (TUB Nr. 018998): L. in agris montis metalliferi circa Wasseralfingen: Habe ich auf Äckern des erztragenden Bergs bei Wasseralfingen gesammelt = Braunenberg. - Aus Äckern Ostwürttembergs und womöglich ganz Deutschlands ausgestorben. Auf den Heidenheimer Schlossberg aus Gärten wiederausgesät.


† 28 ausgestorbene eigentliche Ackerunkräuter. Agrostemma githago Kornrade: Samen sind kälteempfindlich und überleben im Ackerboden bloß kurze Zeit, kommen mit Dreschgut in den Hof, passieren das Hofdreschen, gelangen mit gedroschenem Stroh in den Mist, damit zurück auf die Äcker, andere mit verunreinigtem Eigensaatgut statt heutigem bestgereinigtem Handelssaatgut. · Aristolochia clematitis Osterluzei · Arnoseris minima Länmmersalat: Nach der Ernte auf schafbeweidetem sandigem Brachfeld, das es nicht mehr gibt. · Asperula arvensis Acker-Meier: Steinige Äcker. · Crepis tectorum Dach-Pippau · Crepis taraxacifolia Löwenzahn-Pippau: Einst auf mehrjährigen Brachfeldern (Egerten). · Diplotaxis muralis Mauer-Doppelsame · Filago arvensis Acker-Filzkraut: Einst in lichten sandigen Wäldern, auf sandige Brachäcker übersiedelt, bloß noch in zwei Sandgruben. · Filago minima Kleines Filzkraut: Einst in bebautem Feld auf Ellwanger Sand, dann bloß noch in Sandgruben. · Filago vulgaris Deutsches Filzkraut: Auf alten trockenen Äckern. · Galeopsis ladanum Acker-Hohlzahn: Auf abgeernteten Äckern im August. · Kickxia elatine Spießblättriges Tännelkraut: Im einstigen Brachfeld. · Lolium temulentum Taumel-Lolch. · Montia fontana subspecies chondrosperma Bach-Quellkraut: Ehedem in Abzugsrinnen hochaufgeackerter Hochäcker, die es seit dem Wendepflug nicht mehr gibt. · Myagrum perfoliatum Hohldotter · Nigella arvensis Acker-Schwarzkümmel: Einst im sandigen Brachfeld. · Orlaya grandiflora Großblütige Breitsame: Einst im Getreide, im August in Brachäckern. · Orobanche minor Kleine Sommerwurz: Schmarotzt im Klee, nur noch kleewürgerfreies Saatgut zugelassen. · Phleum paniculatum Rispen-Lieschgras · Radiola linoides Zwerglein: Einst in feuchten, mageren Sandäckern, jetzt bloß noch auf einem waldumgebenen, nicht mehr benutzten Sandsportplatz. · Spergularia segetalis Saat-Schuppenmiere · Stachys annua Einjähriger Ziest: Einst im Getreide und Brachfeld. · Teesdalia nudicaulis Bauernsenf : Früher auf mageren Sandäckern, noch in einer einzigen Sandgrube. · Turgenia latifolia Breitblättrige Turgenie · Vaccaria hispanica Saat-Kuhnelke · Veronica opaca Glanzloser Ehrenpreis · Veronica verna Frühlings-Ehrenpreis: In mageren Sandäcker, die es seit Intensivdüngung nicht mehr gibt. · Vicia lutea Gelbe Wicke: Im Getreide und in ehemaligen Brachäckern im Monat August.


Acker-Schwarzkümmel Nigella arvensis. Beleg vom Apotheker Anton Krembs (1805-1879) aus Dischingen (TUB Nr. 018997). In Ostwürttemberg, in Baden-Württemberg und in fast ganz Deutschland ausgestorbenes Ackerunkraut.


† Ausgestorbene spezifische Fruchtbegleiter verlangen nicht oder kaum mehr angebaute Alkcerfrüchte. Roggen und Dinkel nehmen ab, seit mit Eisenbahnen ab 1849 aus milden Gegenden ertragreicherer und daher billigeren Weizen anfahren, seit dieser klimahärter gezüchtet und auch hier überall angebaut wird. Plastikgewebe ersetzen Hanftuche und Hanfseile, Anbau von Hanf als Faserstoff hört auf, Drogenanbau ist verboten. Seit Ende des 18. Jahrhunderts, besonders aber mit den neuen Eisenbahnen wird Baumwolle von weither "spottbillig" importiert, baumwollene Kleider und Tücher machen Anbau von Lein (Flachs) und leinerne Gewebe entbehrlich. Im Lein aber hat sich seit der Jungsteinzeit der Lein-Lolch zur Art entwickelt, wird zuletzt 1953 in Walxheim im Lein gefunden (Schultheiss), eines von mehreren untergegangenen Leinunkräutern.

† 6 ausgestorbene Fruchtbegleiter. Aus Lein (weltweit aussterbend): Lolium remotum Lein-Lolch · Camelina alyssum Gezähnter Leindotter · Cuscuta epilinum Lein-Seide · Silene linicola Flachs-Nelke. Aus Hanf der Hanfwürger Orobanche ramosa Ästige Sommerwurz. Aus kaum mehr angebauten Roggen und aus vorher mitgeteilten weiteren Gründen Agrostemma githago Kornrade. Aus Dinkel Bromus grossus Dicke Trespe, welches dinkelspezifische Unkraut sich in dem alten alamannischen Brotgetreide zur Art entwickelt hat, mit Abnahme und Aufhören des Dinkelanbaus ausgestorben, in wiederangebauten Dinkel überraschend nach Söhnstetten zurückgekehrt ist.

† Ausgestorbene Dorfbewohner. Viel Groß- und Kleinvieh lebt und läuft früher im Dorf, bringt auf Misthäufen, Dunglegen, Straßen, Wege, Raine, Zäune, Mauern, Dorfgräben, Schuttplätze und Feldwege Stickstoff auf. Seit etwa 1960 werden im Dorf immer weniger Hühner, Hasen, Tauben gehalten, Kühe sind seit gleicher Zeit nirgends mehr Zugtiere, werden bald kaum noch durchs Dorf auf Weiden ausgetrieben, sondern ganzjährig in Ställen gehalten; in manchen Dörfern gibt es keine einzige Kuh mehr. Gülle wird aufgefangen, läuft nirgends mehr auf Höfe und Straßen aus. Stickstoffliebende Gänsefußarten der Gattung Chenopodioum sterben aus. Das Gemeine Flohkraut, früher überall auf Gänsweiden gedeihend und von den täglich aus- und eingetriebenen Tieren an die Dorfhäuser verschleppt, ist mit der Gänsehaltung gänzlich untergegangen. Alte Bauerngärten gibt es kaum mehr. Dahin haben Bäuerinnen Kamillen, Schwarzkümmel oder Kornraden kultiviert, da heilkräftig, würzig oder schönblühend, keine alten Bauerngartenpflanzen verwildern mehr in die Umgebungen. Parkrasen mit Rabatten neuartiger Ziergewächse, asphaltierte Straßen, Wege und Plätze beherrschen heutige schwäbischen Dörfer, von Stadtsiedlungen kaum mehr unterscheidbar. Letztnachweise zweier schöner Bauerngartenblumen und zugleich Ackerunkräuter: Osterluzei zuletzt 1836 in Äckern von Dalkingen (Schabel), Saat-Kuhnelke zuletzt 1836 und 1886 in der Saat und an Ackerrändern von Haisterhofen und Röhlingen (Schabel, Kurtz).

† 22 ausgestorbene Dorfbewohner. Osterluzei Aristolochia clematitis · Graugrüner Gänsefuß Chenopodium glaucum: Bloß auf trockengefallenem Ufer des Stahlweihers 2007 wiedergefunden. · Mauer-Gänsefuß Chenopodium murale · Straßen-Gänsefuß Chenopodium urbicum · Stinkender Gänsefuß Chenopodium vulvaria · Großblütige Kollomie Collomia grandiflora: Als Zierpflanze aus Nordamerika eingeführt, zuletzt 1886 auf dem Dorffriedhof des Schönenbergs, 1929 des Hohenbergs auf übergrasten Gräbern und an äußerer Friedhofsmauer. · Dach-Pippau Crepis tectorum · Löwenzahn-Pippau Crepis taraxacifolia · Mauer-Doppelsame Diplotaxis muralis: Einst in Gärten wie im Feld. · Deutsches Filzkraut Filago vulgaris: Einst auf sandigen Wegdämmen. · Acker-Hohlzahn Galeopsis ladanum · Gift-Lattich Lactuca virosa · Herzgespann Leonurus cardiaca subspecies cardiaca: Einst in Bauerngärten und an stickstoffreichen Hausmauern. · Gewöhnlicher Andorn Marrubium vulgare: Früher in Bauerngärten und daraus ins Dorf und Dorfumgebungen verwildert. · Acker-Schwarzkümmel Nigella arvensis: Im Feld und daraus in Gärten kultiviert. · Rispen-Lieschgras Phleum paniculatum · Gemeines Flohkraut Pulicaria vulgaris: Früher über auf Gänsweiden und von den täglich aus- und eingetriebenen Tieren ins Dorf verschleppt. · Wein-Raute Ruta graveolens: Einst aus Gärten verwildert und nirgends mehr da. · Saat-Kuhnelke Vaccaria hispanica: Aus Gärten wie aus Feldern ausgestorben. · Schaben-Königskerze Verbascum blattaria. · Frühlings-Ehrenpreis Veronica verna · Gelbe Wicke Vicia lutea.


Mähdrescher mäht, drischt, siebt und reinigt das Getreide, häckselt das Stroh und streut es auf den Acker zurück. Vor Schloss Baldern, August 2010.

Heutige Ackerwirtschaft. Ackerfrüchte geben früher Brot und Futter, jetzt zudem Rohstoffe für Industrieprodukte und Energieerzeugung. Sie werden meistens noch im Turnus gewechselt in dieser Folge: Im ersten Jahr und Schlag: Winterweizen. Im zweiten: Gerste und Hafer. Im dritten Schlag, dem ehemaligen Brachfeld: bis in 1960er Jahren viel Klee und Rüben, bis in 1970er Jahre viel Kartoffeln, seit den 1960er Jahren immer mehr Mais, seit den 1970er Jahren auch viel Raps. Wo bis vor fünfzig Jahren noch viele verschiedene Eigentümer kleinparzellierte Feldfluren bewirtschaften, bearbeiten heute nach Flurbereinigungen, nach privaten Zusammenlegungen und in grundstücksübergreifender Pacht bloß noch wenige Bauern mit Großgeräten mehre hundert Meter lange Schläge, denn in manchen Dörfern gibt es keinen einzigen Bauern mehr. Unkrautreiche Äckerränder fallen auf Kilometerlänge aus der Dorfmarkung weg. Ertragreiche Äcker beherrschen die Feldflur. Die heutige Ackerunkrautflora ist arten- und individuenarm.

Ostalbkreis: Anbauflächen in Hektar
Jahr:
1979
1999
2003 mit Verwendung
Getreide
22.958
21.577
22.146
Nahrungsmittel, Futter, Rohstoff
Kartoffeln
1.486
267
168
Nahrungsmittel
Mais
6.305
5.799
6.184
Nahrungsmittel, Rohstoff
Raps
29.263
27.376
28.330
Rohstoff
Zurückerrüben
130
93
113
Nahrungsmittel, Rohstoff


Raps- und Getreideäcker beim Dorf Sechtenhausen. Im Hintergrund der Berg Ipf, worauf noch etwas Ackerunkräuter wachsen, im übrigen Schafweide.


Acker-Schwarzkümmel
Nigella arvensis
Natur- und Artenschutz. In der Jungsteinzeit wandern aus Wäldern indigene Unkräuter auf die von neolithischen Bauern geschaffenen Äcker ein. In Metallzeiten kommen aus Osten und Süden exogene Unkräuter hinzu (Acker-Schwarzkümmel links), haben oft erst unter menschlicher Ackerkultur und Einfluss den Charakter von Arten angenommen. In Chemiezeiten des 20. Jahrhunderts sterben 46 Ackerunkrautarten durch tiefgreifende Änderungen der Agrarkultur und der ganzen Agrarlandschaft aus. Wo Adonisröschen, Venusspiegel oder Venuskamm noch vorkommen, werden Äcker historisch weiterbewirtschaftet. Schutz der Ackerflora ist Denkmalpflege! Historisch beweiden Schäfer den Ipf (Foto oben) und andere Heideberge der Schwäbischen Alb fort und erhalten Geld dafür aus Naturschutzmitteln, sonst würden diese für moderne Landwirtschaft gänzlich ungeeigneten Hänge wieder mit Wald zuwachsen; aus diesen Kalkmagerrasen ist seit 1797 keine Pflanzenart ausgestorben! Äcker haben den größten Artenverlust Ostwürttembergs erlitten und sollten mehr als bisher Gegenstand des Naturschutzes und der Landschaftspflege sein.

Albertus-Magnus-Tagung in Utzmemmingen
23. Juni 2007

Äcker und Ackerflora seit der Steinzeit

Riegelberg bei Utzmemmingen über dem Maienbachtal.


EXKURSION AUF DEN RIEGELBERG

Sechzig Naturfreunde versammelten sich in Utzmemmingen. Dipl.-Ing. Hans Wolf von der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg begrüßte die oft von weither angereisten Gäste am Fuß vom Riegelberg, einem rückenförmiger Berg am Übergang von der Schwäbischen Alb in die Ebene des Nördlinger Rieses. Gemeindeamtsrätin Ilse Weber von der Gemeinde Riesbürg sprach ein Grußwort und stellte die drei Teilorte Utzmemmingen, Pflaumloch und Goldburghausen vor an der baden-württembergischen Landesgrenze zu Bayern.

Den Riegelberg, auf bayerischer Seite auch Bergfeld oder Himmelreich genannt, bestiegen die Exkursionsteilnehmer bei windigem, aber sonnigem Wetter. Die Sicht war klar, vom Gipfel sah man weit auf die Riesebene und die umrahmenden Berge der Schwäbische Alb hinaus. Bauern bauen auf dem Riegelberg Äcker an, Schäfer weiden über seine felsigen Heiden ihre Schafe. Ein Felshang auf der bayerischen Nachbarmarkung Holheim (Stadt Nördlingen) öffnet sich zur Großen und Kleinen Ofnethöhle. Die zwei Höhlen werden seit der Steinzeit von Menschen bewohnt und aufgesucht zu Schutz, Aufenthalt und Begräbnisstätte.

Vor der Großen Ofnethöhle. Foto Gabriele Neumeyer (Riesbürg).


Dipl.- Geologin Gisela Pösges vom Rieskratermuseum Nördlingen schilderte die Geologie des Meteoritenkraters Ries und des Kraterrandbergs Riegelberg. Vor 15 Millionen Jahren hat ein Steinmeteorit von etwa einem Kilometer Durchmesser in das heutige Ries eingeschlagen und einen Krater mit zwanzig Kilometer Durchmesser und fast tausend Meter Tiefe aus der Erde herausgesprengt; der Meteorit selbst ist in der Gluthitze des Aufpralls verdampft. Den Meteoritenkrater hat später Wasser zu einem See gefüllt. Wasserzuflüsse haben Tone, Sande und Kiese eingeschwemmt, den Riessee verlandet, Winde in der letzten Eiszeit weite Flächen mit Löß überweht, welche Wasser- und Luftsedimente die heutigen Riesböden bilden. Der Kraterrand besteht am Riegelberg aus einer vom Impakt umgelagerten Jurakalkscholle, in sie hat der Meteorit an eine Stelle kristallinreich-glasiges Trümmergestein eingeschossen, Suevit genannt, an einer anderen Stelle durch die Kalkdecke kristallines Grundgebirge an die Oberfläche aufgepresst. Kalkauflösende Verkarstungen haben die beiden Ofnethöhlen geschaffen.

Mittelsteinzeitliche Schädelbestattung der Ofnethöhle.
Aus Schmidt (1912: Tafel 14). Die größere von zwei Bestattungen.


Man stieg über Kalkfelsen zur hallenartigen Großen Ofnethöhle auf. Am Höhlentor berichtete Prof. Dr. Claus-Joachim Kind vom Landesdenkmalamt Baden-Württemberg über steinzeitliche Schädelbestattungen. Aus dem Höhleneingang der großen Höhle hat Robert Rudolf Schmidt im Jahr 1908 insgesamt 34 dort bestattete Schädel ausgegraben. Ihre Bestattung wird heute auf die Zeit um 6350 vor Chr. in die Mittelsteinzeit (Mesolithikum) datiert. Sie sind mit steinernen Werkzeugen vom Rumpf getrennt, sechs davon zertrümmert mit scharfen Frakturen und Löchern durch Hiebe zumeist auf den Hinterkopf, ausgeführt wohl mit Steinbeilen ovalen Querschnitts. Was ist hier geschehen? Womöglich haben verfeindete Mesolithiker miteinander gestritten. Doch sind den Schädeln durchbohrte Hirschzähne und Häuser von Schnecken beigegeben, manche der Schneckenarten beheimatet im Mainzer Becken, im Mittelmeergebiet und in Osteuropa, vielleicht sogar am Schwarzen Meer. "Sind die Erschlagenen Mitglieder der eigenen Gruppe?" Man kann das fast vermuten, zumal ein ähnlicher mesolithischer Bestattungsritus vom Hohlenstein im nahen Lonetal bei Heidenheim nachgewiesen ist.

Peter Aleksejew vom Naturkundeverein Schwäbisch Gmünd und weitere Botaniker führten zu den Flechten, Moosen, Farnen und Blütenpflanzen des Riegelbergs und zeigten besondere Arten: An einem Ackerrand das pontische Mönchskraut Nonea pulla, hier an einem seiner westlichsten Verbreitungspunkte seit vielen Jahren wachsend. In einem Kalkacker Venusspiegel Legousia speculum-veneris und Sommer-Adonisröschen Adonis aestivalis (Fotos unten). Ein Nachbaracker war am 23. Juni 2007 vor der Reife des Korns mitsamt seinen Ackerunkräuter abgeerntet! Ein Exkursionsteilnehmer: "Im Ries wird neuerdings unreifes Getreide zur Herstellung von Biogas und Biokraftstoff verwendet." Man hat dem Regierungspräsidium Stuttgart berichtet, Naturschutzbehörde für dieses Naturschutzgebiet: Extensivierungsverträge anpassen, damit Ackerunkräuter wieder ausblühen und aussamen werden?

Sommer-Adonisröschen Adonis aestivalis am Hasenbergle bei Wössingen. Venusspiegel Legousia speculum-veneris am Riegelberg.


VORTRÄGE IM ADLER IN UTZMEMMINGEN

Diplom-Biologe Martin Weiß aus Kirchheim am Ries sprach über die Ackerflora und Vertragsnaturschutz des Riesrands. Auf Goldberg, Langenberg, Blasenberg, Ipf, Tonnenberg und weiteren Riesrandbergen gibt es noch selten gewordene Ackerunkräuter. Hier auf dem Riegelberg gedeihen in Kalkäckern Adonisröschengesellschaften mit Sommer-Adonisröschen Adonis aestivalis, sehr seltenem Flammen-Adonisröschen Adonis annua, Kleinem Frauenspiegel Legousia hybrida, Kleinfrüchtigem Leindotter Camelina microcarpa, Haftdolde Caucalis platycarpos, Finkensame Neslia paniculata, Venuskamm Scandix pecten-veneris, dem sehr seltenen Rundblättrige Hasenohr Bupleurum rotundifolium (Foto unten), an Äckerrändern und auf ehemaligen Ackerterrassen, die jetzt Heide sind, vereinzelt Gelber Günsel Ajuga chamaepitys und Spatzenzunge Thymelaea passerina. Zum Erhalt der Ackerunkräuter schließen Naturschutzbehörden mit Landwirten im Riesrandprogramm seit 1989 Extensivierungsverträge: Es dürfen keine Herbizide gespritzt werden, Düngergaben sind begrenzt, es sind traditionelle Fruchtfolgen der Dreifelderwirtschaft einzuhalten.

Diplom-Biologe Dr. Eberhard Klauck von der Freien Universität Berlin sprach über die Farne des Riegelberges. Auf Kalkfelsen findet man häufig den Braunstieligen Streifenfarn Asplenium triochomanes und die Mauerraute Asplenium ruta-muraria. Auf eingemischtem Silikatgestein kommt der Nordische Streifenfarn Asplenium septentrionale vor, dann erst wieder im weit entfernten silikatischen Schwarzwald. Das enge Zusammenleben dieser sonst kaum einmal so nah nebeneinander wohnenden Farnarten bringt einen merkwürdigen Farnhybriden hervor, man hat den Bastard bei der Exkursion zwischen seinen Eltern stehen sehen [wegen seiner Seltenheit bleibt sein Name vor Suchmaschinen verborgen]. Überhaupt seien, wie Klauck berichtete, viele heutige mitteleuropäische Farnarten aus Hybriden hervorgegangen: Farnvorkeime (Prothallien) tragen männliche und weibliche Geschlechtszellenbehälter (Antheridien und Archegonien). Aus den Antheridien schwimmen Spermazellen auch in die Archegonien fremder Arten, vereinigen sich mit fremden Eizellen zum hybriden Farn.

Gerd Höhenberger aus Nördlingen berichtete über Flechten, Moose des Riegelbergs und zeigte sie bei der Exkursion. In mehrere Kalkfelsen sind silikatische Gesteine eingemengt, durch scharfe Trennflächen und Trennlinien geteilt. Bloß wenige Zentimeter voneinander entfernt wachsen kalkliebende und kalkfliehende Flechten und Moose. Bemerkenswerte kalkfliehende Silikatfelsmoose sind: Wimper-Hedwigsmoos Hedwigia ciliata, Stern-Hedwigsmoos Hedwigia stellata, Ovales Kissenmoos Grimmia ovalis, Berg-Kissenmoos Grimmia montana und Graues Kissenmoos Grimmia laevigata. Sie kommen hier am Riesrand vor und dann erst wieder im zweihundert Kilometer entfernten Schwarzwald. Vom Kalkgebirge der Schwäbischen Alb und ganz Süddeutschland dazwischen gibt es keine Nachweise.

Weitab von anderen Vorkommen wächst auf dem Riegelberg das Ovale Kissenmoos Grimmia ovalis auf einem kleinflächigen Einschluss von glasigem Silikatgestein in das vorherrschende Kalkgestein.


Prof. Dr. Manfred Rösch arbeitet in der Außenstelle Hemmenhofen des Landesdenkmalamts Baden-Württemberg und hat aus mehr als zweihundert süddeutschen archäologischen Fundstellen Früchte, Samen und Pollen von Ackerunkräutern seit der Jungsteinzeit bestimmt. In jungsteinzeitlicher Warmzeit fassen auf vorher von eiszeitlichen Steppen bedeckten Böden Wälder Fuß. Erste Bauern treten auf, roden Laubwälder der produktivsten Lößstandorte und bauen Äcker und Ackerfrüchte darauf an, so gerade auch im und am fruchtbaren Ries.

Jungsteinzeiten von 5500 bis 2300 vor Chr.: Im Frühneolithikum (bis 4300 vor Chr.) Daueranbau von Ackerfrüchten auf Gunststandorten mit Lößboden ohne Düngung. Im Spätneolithikum (bis 2300 vor Chr.) Holzeinschlag, Holzverbrennung und Aschedüngung (slash-and-burn), zunächst im Wanderanbau (shifting cultivation), im Endneolithikum (3300 bis 2300 vor Chr.) im stationären Daueranbau auf Gunststandorten mit seitlicher Brennholzzufuhr und Aschedüngung. Auf die jungsteinzeitlichen Äcker dringen aus Offenstandorten des Waldlands indigene, unspezifische Unkrautarten vor wie zum Beispiel Gänsefuß Chenopodium.


Metallzeiten von 2000 vor Chr. bis etwa 1850 nach Chr.: Daueranbau von Ackerfrüchten und Düngung mit Mist der auf Waldweiden und Wiesen weidenden Haustiere, ihr Dünger umverteilt auf Äcker. Aus Süden und Osten wandern exogene, ackerspezifische Unkrautarten ein: Auf kalkreiche Äcker Haftdolden-Gesellschaften mit Acker-Haftdolde Caucalis platycarpos, Sommer-Adonisröschen Adonis aestivalis oder Gewöhnlichem Venusspiegel Legousia speculum-veneris. Auf kalkarme, magere Äcker Kornblumen-Gesellschaften mit Centaurea cyanus; die Fläche dieser Mageräcker nimmt bei Bevölkerungswachstum, daher Ackerausdehnung auch auf Ungunststandorte, Nährstoffentzug und Düngermangel im Mittelalter und in der Neuzeit immer mehr zu.

Dipl.-Ing. Hans Wolf aus Ellwangen, Gesellschaft für Naturkunde, sprach über die Ostwürttembergische Ackerflora seit 1797, als Josef Aloys Frölich (1766-1841) die floristische Erforschung beginnt. Im ausgehende 19. und das 20. Jahrhundert sterben durch tiefgreifende Änderungen des Ackerbaus 46 Arten an Ackerunkräutern aus. Der Verlust kann nur schwer rückgängig gemacht werden, denn gerade die ausgestorbenen Arten sind keine Wildkräuter, die Ende der Herbizidanwendung aus Wäldern zurückwandern, sondern im Lauf vieler Generationen im Acker selbst entstandene und auf historische Ackerwirtschaft hoch spezialisierte Arten, gehen mit ihr unter. Für diese von Bauern unwillentlich herangezüchteten, von ihnen zu recht Unkräuter genannte Arten, betreibt man im Prinzip Denkmalpflege historischer Ackerwirtschaft: Die allein im Dinkel gedeihende Dicke Trespe Bromus grossus in Söhnstetten oder für das geschilderte Rundblättrige Hasenohr Bupleurum rotundifolium und seine Begleiter in einem Ackerflorareservat des Riegelbergs.

Prof. Dr. Dieter Rodi aus Schwäbisch Gmünd sprach das Schlusswort und gab einen Rückblick auf fünfzig Jahre Ackerfloraforschung und Ackerfloraschutz hier am Riesrand, in Brainkofen über dem Leintal und in Söhnstetten bei Heidenheim. Die Kenntnis der Agrargeschichte und der historischen Ackerflora seit Steinzeiten, so wie von den Referenten vorgetragen, sei ein Gewinn auch für die Kenntnis und damit den Schutz der gegenwärtigen Ackerflora. Er regte weitere Zusammenarbeit von Archäo- und Neobotanikern an.

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Allgemeine Naturkunde. Darwin, Charles (1859): Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl oder die Erhaltung der bevorzugten Rassen im Kampfe ums Dasein. Deutsch von Georg Gärtner. - Halle an der Saale (Verlag Otto Hendel), 571 S. mit Darwinporträt. Stelle über Artentwicklungen von Gräsern auf S. 118 des vierten Kapitels über die Divergenz der Charaktere. - Schmidt, Robert Rudolf (1912): Die diluviale Vorzeit Deutschlands. - Stuttgart. Der spätere Leiter des von ihm selbst gegründeten Urgeschichtlichen Instituts der Universität Tübingen berichtet über seine Grabungen an den Ofnethöhlen, die ausgegrabenen Schädel. - Deutscher Wetterdienst (1953): Klima-Atlas von Baden-Württemberg. - Bad Kissingen (Deutscher Wetterdienst), 37 S. + 75 Karten. Karte 15: Mittlere Jahresschwankung der Temperatur in Stuttgart 15, im Ries aber 18,5 Grad, also kontinental und pontisch getöntes Klima. Karte 23: Im Ries über 30 Sommertage mit Höchstwerten der Temperatur 25 Grad und mehr, in Riesumgebungen bedeutend weniger, also mediterran getöntes Klima. - Kerkhof, Josef (1977): Bevölkerungsentwicklung unter besonderer Berücksichtigung der Städte 1834-1970. In: Historischer Atlas von Baden-Württemberg. Erläuterungen. Beiwort zur Karte XII,3. S. 4: Württembergische Bevölkerungszahl 1939: 2,901 Millionen, mehr als doppelt so viel als 1815. - Borchert, Wolfgang, Susanne Häsler, Stefan Kuballa & Johannes Schwenger (1985): Die Landwirtschaft in Baden und Württemberg. Veränderungen von Anbau, Viehhaltung und landwirtschaftlichen Betriebsgrößen 1850-1980. - Stuttgart (W. Kohlhammer), 295 S. S. 37: Württembergische Bevölkerungszahl 1815: 1,381 Millionen. - Reisch, Ludwig (1988): Die Ofnethöhlen bei Holheim. In: Archäologische Wanderungen im Ries. 2. Auflage (Herausgeber Hans Frei & Günther Krahe): S. 123-128. - Stuttgart und Aalen (Konrad Theiss Verlag), 255 S. - Krause, Rüdiger (1992): Vom Ipf zum Goldberg. Führer zu archäologischen Denkmälern in Baden-Württemberg 16. - Stuttgart (Konrad Theiss), 158 S. - Pösges, Gisela & Michael Schieber (1994): Das Rieskrater-Museum Nördlingen. - München (Verlag Dr. Friedrich Pfiel), 112 S. + 1 geologische Karte + 1 topografische Karte. - Kind, Claus-Joachim (2006): Die letzten Jäger und Sammler. Das Mesolithikum in Baden-Württemberg. - Denkmalpflege in Baden-Württemberg 35 (1): S. 10-16. Schädelbestattungen in den Ofnethöhlen mit genauerer Datierung als bisher, Herkunft der beigegebenen Schneckenhäuser. - Statistisches Landesamt Baden-Württemberg (2007): Nach Internet im Jahr 2006 6,22 Millionen Einwohner der zwei einst württembergischen Regierungsbezirke Stuttgart und Tübingen mit dem einstigen Hohenzollern.

Flora und Vegetation. Schnizlein, Adalbert & Albert Frickhinger (1848): Die Vegetations-Verhältnisse der Jura- und Keuperformation in den Flussgebieten der Wörnitz und Altmühl. - Nördlingen (C. H. Becksche Buchhandlung), VII + 344 S. + 1 geognostisch-geologische Karte. Wichtigst für historischen Florenvergleich, auch Ackerpflanzen und Ackerkultur besprechend. - Petermann, Wilhelm Ludwig (1849): Deutschlands Flora mit Abbildungen sämtlicher Gattungen auf 100 Tafeln. - Leipzig (Georg Wigands Verlag), 670 S. Von Tafel 3 Blüte des Acker-Schwarzkümmels Nigella arvensis. - Fischer, Rudolf (1982): Flora des Rieses. - Nördlingen (Verein Rieser Kulturtage, C. H. Becksche Druckerei), 552 S. + 274 Farbfotos auf Farbtafeln. Historische Florenvergleiche zurück bis Schnizlein & Frickhinger (1848). - Oberdorfer, Erich (1983): Pflanzensoziologische Exkursionsflora. - Stuttgart (Eugen Ulmer), 1054 S. Daraus Standorte von Ackerunkräutern, falls keine spezifische ostwürttembergische Überlieferung da ist, ferner die angegebenen pflanzengeografische Zonen, doch eurasiatisch in gemäßigt, eurasiatisch-kontinental in gemäßigt-kontinental, europäisch-kontinental in pontisch umbenannt. - Haeupler, Henning & Peter Schönfelder (1989): Atlas der Farn- und Blütenpflanzen der Bundesrepublik Deutschland. - Stuttgart (Eugen Ulmer), 768 S. - Fischer, Rudolf (2002): Flora des Rieses. 2., ergänzte Auflage. - Nördlingen (Verein Rieser Kulturtage, C. H. Beck), 662 S. + 274 Farbfotos.- Smettan, Hans W. (2007): Die Unkräuter der Maisäcker auf den Fildern. - Jahreshefte Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg 163: 91-104. - Maisunkräuter sind Universalarten, die auch auf anderen Standorten wachsen. - Dilger-Endrulat, Cornelia (2007): Aufsuchen historischer ostwürttembergischer Ackerunkrautbelege aus dem Herbarium der Universität Tübingen.

Moose und Farne. Bertsch, Karl (1950): Merkwürdige Farne aus dem Naturschutzgebiet am Hohentwiel. - Veröffentlichungen der Württembergischen Landesstelle für Naturschutz und Landschaftspflege 19: S. 71-87. Auf diesem Hegauberg sind in den vulkanischen Phonolith kalkfreie und kalkhaltige Minerale eingeschlossen, Bastarde kalkliebender und kalkfliehender Farne kommen vor. Anmerkung: Gleiche Gesteinsvermengung und ein gleicher Farnbastard auf dem Riegelberg. - Meyer, Dieter E. (1952): Untersuchungen über die Bastardierung in der Gattung Asplenium. Bibliotheka Botanica 123. - Stuttgart (Schweizerbartsche Verlagsbuchhandlung), 34 S. + Beilagen. - Lovis, John D. & Tadeusz Reichstein (1968): Über das spontane Entstehen von Asplenium adulterinum aus einem natürlichen Bastard. - Naturwissenschaften 55 (3): S. 117-120. - Rasbach, Kurt, Helga Rasbach & Ottilie Wilmanns (1976): Die Farnpflanzen Zentraleuropas. 2. Auflage. - Stuttgart (G. Fischer), 304 S. - Hegi, Gustav (1984): Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Band l, Teil 1. Pteridophyta 3. Auflage. - Hamburg (Paul Parey), 310 S. - Höhenberger, Gerd (1989): Moosflora des Nördlinger Rieses und des Härtsfeldes. Berichte des Naturwissenschaftlichen Vereins für Schwaben. Sonderbericht 1989/1. Nachtrag und Korrekturen 1990/1. - Augsburg, 93 + 4 S.

Blütenpflanzen. Schabel, Andreas (1836): Flora von Ellwangen. - Stuttgart (Balzsche Buchhandlung), 100 S. S. 43: Saat-Kuhnelke Vaccaria hispanica in Saatäckern. S. 80: Filago minima und Filago vulgaris in Äckern. S. 89: Wildwachsende Osterluzei Aristolochia clematitis. - Schnizlein, Adalbert & Albert Frickhinger (1848) wie oben. S. 131: Bach-Quellkraut Montia fontana auf feuchten Äckern mit Sandgrund namentlich in Furchen und Abzugsgräben. S. 144: Gemeimes Flohkraut Pulicaria vulgaris überall auf Gänsheiden und um die Häuser in Dörfern umher. - Kurtz, Karl Maria (1899): Die Hochäcker. - Blätter des Schwäbischen Albvereins 21 (2): Spalte 44-48. Sp. 47: Hochäcker auf schweren, undurchlässigen Böden im Osten des Bezirks. Anmerkung: Zu beiden Seiten der gewölbten Ackerbeete Abzugsgräben. - Kurtz, Karl Maria (1886): Pflanzen- und Tierreich. In: Beschreibung des Oberamts Ellwangen (Herausgeber Königliches statistisch-topografisches Büro): 61-86. - Stuttgart (W. Kohlhammer), 884 S. + 1 Karte des Oberamts. S. 68: Kleines Filzkraut Filago minima. S. 73: Acker-Schwarzkümmel Nigella arvensis. S. 78: Großblütige Kollomie Collomia grandiflora und Saat-Kuhnelke Vaccaria hispanica. - Frickhinger, Hermann (1911): Gefäßkryptogamen- und Phanerogamen-Flora des Rieses, seiner Umgebung und des Hesselberges bei Wassertrüdingen. - Nördlingen (C. H. Becksche Buchhandlung), 403 S. + 1 Karte. S. 322: Acker-Filzkraut Filago arvensis auf Brachäckern und in Wäldern mit porösem, sandigem Humus. - Kreh (1912): Die Strahldolde am Heidenheimer Schlossfelsen 1912. - Blätter des Schwäbischen Albvereins 24 (11): Spalte 361-364. Orlaya grandiflora dem Verfasser aus Heidenheims Umgebung unbekannt, also offensichtlich schon aus Äckern ausgestorben. - Hanemann, Julius (1929): Ergebnisse der floristischen Durchforschung des östlichen und nordöstlichen Teils von Württemberg. II. Die Keuperhöhenzüge. - Jahreshefte des Vereins für vaterländische Naturkunde in Württemberg 85: S. 62-109. S. 79: Letztnachweis der Großblütigen Kollomie Collomia grandiflora. - Meusel, Hermann (1943): Vergleichende Arealkunde. 1. und 2. Band. - Berlin-Zehlendorf (Gebrüder Borntraeger), 466 + 92 S. + 90 Karten. S. 105: Mönchskraut Nonea pulla hat auf Siebenbürger Wiesensteppen natürlich-spontane Standorte [Wiesensteppen antropozoogen?], in Mitteleuropa Kulturstandorte auf Wegrainen und Äckern. Verbreitungskarte K 69a.- Rodi, Dieter (1960): Die Vegetations- und Standortsgliederung im Einzugsgebiet der Lein (Kreis Schwäbisch Gmünd). - Veröffentlichungen der Landesstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Baden-Württemberg und der württembergischen Bezirksstellen in Stuttgart und Tübingen 27/28: S. 76-167 + Tabellen und Karten. Nach 1955 aufgenommener Tabelle I.1 Kornraden Agrostemma githago noch auf einigen Äckern. - Schultheiss, Franz Xaver (1976): Flora von Ellwangen. Ellwanger Jahrbuch 26: S. 143-212. S. 153: Lein-Lolch Lolium remotum zuletzt 1953 in Walxheim im Lein. S. 166: Kornraden zuletzt im Winterroggen in Beersbach 1954 und auf dem Haldenhof 1964. - Fischer, Rudolf (1982): Flora des Rieses wie oben. Nach S. 71 Kornrade seit zwanzig Jahren aus dem Ries verschollen. - Sebald, Oskar, Siegmund Seybold & Georg Philippi (1993): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Erster Band. 2. Auflage. - Stuttgart (Eugen Ulmer), 613 S. S. 514: Württembergischer Letztnachweis des Bach-Quellkrauts Montia fontana von King 1902 für einen Acker in Lippach gegen Forst und Vogel. Anmerkung: Dort schwere Böden, im Kontext mit Schnizlein & Frickhinger (1848: S. 131) und Kurtz (1899) wohl in Abzugsrinnen damals noch bestehender Hochäcker. - Wolf, Hans (2004): Josef Aloys Frölich (1766-1841) und die Flora von Ostwürttemberg. In: Beiheft 1 der Berichte der Botanischen Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutschland: 81-147. - Karlsruhe, 278 S. Mit von Frölich nachgewiesenen und jetzt ausgestorbene Ackerunkrautarten, diese Nachweise hierher ohne besondere Quellenangabe übernommen. - Grüninger, Annette (2005): Einst ein blühendes Geschenk aus Italien? - Heidenheimer Neue Presse vom 11. April 2005. Großblütige Breitsame Orlaya grandiflora, in Heidenheim Strahldolde genannt, einst auf Felsen und an Mauern des Heidenheimer Schlosses Hellenstein, dorthin jetzt wieder aus Hausgärten ausgebracht. Eine italienische Prinzessin soll die Pflanzenart nach Heidenheim gebracht haben. Anmerkung: Als diese Sage entstand, wusste offenbar niemand mehr, dass die Breitsame ein heimisches Ackerunkraut gewesen ist.

Ältere Agrargeschichte. Pahl, Johann Gottfried (1797): Bemerkungen über das Stift Ellwangen von einem kaiserlichen Offizier. Neueste Staatsanzeigen 1 (4). Nachdruck in Programm der Volkshochschule Ostalbkreis 1974/1975: S. 2-10. Verbreiteter Roggen- und Haferanbau. Baumwollspinnen in Heuchlingen an der Lein. Anmerkung: Wohl schon damals Rückgang von Anbau von Lein, den Baumwolle ersetzt. - Renz, Joseph (1834): Beschreibung der Landwirtschaft und Viehzucht im Oberamt Gmünd. In: Correspondenzblatt des Königlich Württembergischen Landwirtschaftlichen Vereins. Neue Folge Band V: S. 202-215. - Stuttgart und Tübingen (Cottasche Buchhandlung), 232 S. + 2 Tafeln. Dreifelderwirtschaft mit Fruchtwechsel. Albuch: Im 1. Jahr Roggen. Im 2. Jahr Hafer. Im 3. Jahr gedüngte Brache. An der Rems aufwärts: 1. Roter Klee, 2. Gerste, Hafer, Wicken usw. 3. Brache zu 1/6 bis 1/8 mit Klee, Kartoffeln oder Lein. Anmerkung: Rest reine Brache. Auf dem Welzheimer Wald: 1. Dinkel, Roggen. 2. Hafer. 3. Brache gedüngt oder mit Lein eingebaut. Stallmist gewöhnliches Dungmittel der Felder, versetzt mit Streumitteln Stroh, Laub, Moos oder Reisach (= Reisig, zerkleinerte Äste und Zweige). Gülle neuerdings auf Anordnung der Regierung aufgefangen und von Zeit zu Zeit auf den Misthaufen aufgeschüttet. Gips und Mergel wo vorhanden dünn auf das Brachfeld ausgestreut. Schafe in die Brache gepfercht. Örtlich noch Dreischwirtschaft (Dreische, Egertenwirtschaft). Im Welzheimer Wald die Felder 6 bis 9 Jahre dem Gras- und Buschwuchs überlassen, Schafe gehen über die Dreischen, die Fläche dann mit gebranntem Rasen und Reisach gedüngt und unter den Pflug genommen zu zweijährigem Anbau von Roggen, dann ein Jahr Brache, dann Roggen, zuletzt Hafer und Rückkehr in die Dreische. - Schnizlein, Adalbert & Albert Frickhinger (1848) wie oben. S. 292: Wirkung der Aschedüngung: "Auffallend ist die Fruchtbarkeit der Kohlplatten. ... Trägt man hiervon in Äcker oder Krautländer über, so besitzen diese eine Reihe von Jahren hindurch eine erstaunliche Fruchtbarkeit." - Schöttle, Johann Evangelist (1856): Geschichte des Pfarrdorfes Demmingen und seinen Filialen Wagenhofen und Duttenstein. Handschriftliche Chronik übertragen und herausgegeben von Alois Kapfer. - Dischingen 2000 (Gemeinde Dischingen), 231 S. + 3 Karten. Pfarrer Schöttle schildert Dorfleben, Ackerbau, Landwirtschaft, Ackerfrüchte, Ackergeräte, Düngen. Auf S. 31 Ipsen, das ist Mineraldüngen mit Gips. - Walcher, Gustav (1886): Pflanzenbau und Viehzucht. In: Beschreibung des Oberamts Ellwangen. Band 1: S. 208-245 und 253-264. - Stuttgart (W. Kohlhammer), XXIV + 883 S. + 1 Karte. S. 221ff.: Anwendung von Chilesalpeter, Peruguano und Kalisalzen. S. 236: Rückgang des Leinanbaus auf ein Minimum, Vordringen fremder leinener, sowie "spottbilliger" baumwollener Gewebe als Importware. - Fischer, Hermann (1908): Schwäbisches Wörterbuch. 2. Band. - Tübingen (Lauppsche Buchhandlung), 1904 Spalten. Spalte 539: Egerten, Ausfeld, Dreusche (Dreische) synonym. - Rösch, Manfred (1990): Anmerkungen zu den fossilen und subfossilen Erstnachweisen. In: Sebald, Oskar, Siegmund Seybold & Georg Philippi (Herausgeber): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 1: S. 35-47. - Stuttgart (Eugen Ulmer), 613 S. Archäobotanische Methodik und Datierungen, Abriss der mit Ackerbau eng zusammenhängenden Waldgeschichte, historische Erstnachweise von Ackerarten mit Fundortslisten. - Lüning, Jens (1997): Anfänge und frühe Entwicklung der Landwirtschaft im Neolithikum (5500-2200 vor Chr.). In: Deutsche Agrargeschichte. Vor- und Frühgeschichte (Herausgeber Jens Lüning, Albrecht Jockenhövel, Helmut Bender & Torsten Capelle): 15-139. - Stuttgart (Eugen Ulmer), 480 S. S. 60: Äcker permanente Pionierstandorte, dahin dringen Wildpflanzen vor, passen sich anthropogenen Gegebenheiten an und verändern sich genetisch. Die so veränderten Arten keine Wildpflanzen oder "Ackerwildkräuter", sondern Ackerunkräuter. - Rösch, Manfred & Marion Heumüller (2008): Vom Korn der frühen Jahre. Sieben Jahrtausende Ackerbau und Kulturlandschaft. Archäologische Informationen aus Baden-Württemberg Heft 55. Begleitheft zur Ausstellung des Landesamts für Denkmalpflege in Zusammenarbeit mit dem Hohenloher Freilandmuseum Wackershofen. - Stuttgart (Landesdenkmalamt im Regierungspräsidium Stuttgart), 102 S.

Jüngere Agrargeschichte. Saatgutgesetz vom 27. Juni 1953. Nach einer dazu ergangenen Verordnung Mindestreinheit für Hochzuchtsaatgut von Roggen 98%; in der Verunreinigung von 2 % dürfen in 500 Gramm Saatgut höchstens 7 Unkrautsamen sein, davon 3 Hederichknoten oder Kornrade. S. 152 und 176f. in Pareys Landwirtschaftslexikon (1957), Band II. - Hamburg und Berlin (Parey), 380 S. - Wehsarg, Otto (1954): Ackerunkräuter. Biologie. Allgemeine Bekämpfung und Einzelbekämpfung. - Berlin (Akademie Verlag), 294 S. + 10 Tafeln. S. 82: Saatgutreinigung besonders wirksam gegen Unkräuter, deren Samen bloß ein Jahr im Boden keimfähig bleiben wie Roggen-Trespe Bromus secalinus, Taumel-Lolch Lolium temulentum, Kornrade Agrostemma githago. - Simon, Leonhard (1930): Gänsezucht und Gänsehaltung im Nördlinger Ries. Sonderdruck aus dem Landwirtschaftlichen Jahrbuch für Bayern Heft 1/2 von 1930. - München (Buchdruckerei unbd Verlangsanstalt Carl Gerber), 78 S. S. 16: Im Durchschnitt der Jahre 1927 und 1928 insgesamt 40.416 Gänse im Bezirksamt Nördlingen gehalten. Heute fast keine mehr. Anmerkung: Flohkraut Pulicaria vulgaris , von den Gänsen verschmäht, aber verbreitet, gänzlich ausgestorben. - Stadler, Rudolf (1997): Fünfzig Jahre "Grüne Revolution" in Baden-Württemberg. In: Für die Bauern in Baden-Württemberg. 50 Jahre Landesbauernverband: S. 17-31. - Stuttgart (Eugen Ulmer), 175 S. S. 23: Steigerung der Hektarerträge von Getreide: 1952: 2,2 Tonnen. 1995: 5,2 Tonnen. Gründe: Hälfte Düngung, ein Viertel Züchtungsfortschritte, ein Sechstel Herbizide, ein Zehntel technisch-organisatorische Verbesserungen. - Woellwarth, Christoph von (1998): Landwirtschaft in Ebnat einst und jetzt. In: Ebnat im Wandel der Zeit 1298-1998 (Herausgeber Roland Schurig): S. 109-116. - Aalen (Süddeutscher Zeitungsdienst), 272 S. S. 114: 1936 erster Traktor und Gemeinschaftsdreschmaschine von Hof zu Hof, Gemeinschaft 1968 aufgelöst, da Mähdrescher eingeführt. - Killian, Ruth (2002): Die Rieser Landwirtschaft im Wandel. - Oberschönenfeld (Museumsdirektion des Bezirks Schwaben), 200 S. S. 89: Nördlinger Eisenbahnanschluss 1849, Anfuhr von Mineraldünger, Saatgut, Landmaschinen. S. 120: Mineraldüngeranwendung 1890 nur 9, 1920 aber 712 Kilo pro hundert Hektar, später noch viel mehr. S. 171 und 174: Mechanisierung eines Bauernhofs: Göpel 1911, eiserner Pflug 1919, Dreschmaschine ohne Reinigungssystem 1927, Putzmühle 1928, Schlepper mit 18 PS 1957, zwischen 1960 und 1965 erster Mähdrescher. - Frommer, Helmut & Hermann Bizer (2006): 1950 - ein schwäbisches Dorf. - Tübingen (Silberburg-Verlag), 172 S. Farbfotografien und Schilderungen der Ackerarbeiten in Isingen (Zollernalbkreis) vor Einzug von Schlepper und Mähdrescher. - Geschäftsbereich Landwirtschaft des Landratsamts Ostalbkreis (2007): Der Ostalbkreis auf einen Blick. Landwirtschaftliche Hauptzahlen mit historischen Vergleichen. Zahlen der Tabelle links, dort Flächen der nachwachsenden Rohstoffe und der Stillegung, da überwiegend Raps mit diesem zusammengezogen. - Lenz, Karl (2007): Mündliche Schilderungen alter Landwirtschaft in Finkenweiler bei Lippach (Westhausen) vor Einzug des Mähdreschers. Einfuhr des Getreides in die Scheuer, winterliches Dreschen, Absondern von Saatgut aus dem besten Ackerstück, alte Getreideputzmühlen und Windfegen gegen Unkrautsamen unvollkommen. Kornraden einst im Roggen, dieser ohnehin kaum mehr angebaut, da nicht so ertragreich und unsicherer in der Ernte als Weizen. - Schwäbische Post vom 1. August 2007, Seite 18: "Seit 1940 nicht mehr geerntet". Bericht über ehemaligen Anbau von Lein oder Flachs auf dem Härtsfeld und Wiederanbau eines Feldes für das Heimatfest.

Rundblättriges Hasenohr Bupleurum rotundifolium
auf einem Acker des Riegelbergs.