Nebelhöhle bei Reutlingen von Louis Mayer 1847, eine Tropfsteinhöhle der Schwäbischen Alb ähnlich der Charlottenhöhle.
Viele Stalaktiten (stalaktos = tropfend), ein aufsteigender Stalagmit (stalagmos = Tropfen).


Karst, Höhlen und Eiszeit der Schwäbischen Alb
von HANS WOLF (Ellwangen)

In den Werken des Menschen wie der Natur sind eigentlich die Absichten vorzüglich der Aufmerksamkeit wert. - Johann Wolfgang Goethe aus Wilhelm Meisters Wanderjahren.

Östliche Schwäbische Alb zur Eiszeit

Faustkeil des Neandertalers aus der Heidenschmiede.

Ein bedeutender Teil des mitteleuropäischen Jurakalkgebirges ist die Schwäbische Alb. Ihre obersten Schichten bestehen aus Kalksteinen (Weißjura, Oberjura). Diese lösen eindringendes Regen- und Flusswasser in Ritzen, Spalten, Klüfte und Höhlen auf und durchfließen das verkarstete Felsgebirge. Seine Gebirgsmassen heben im Miozän vor 24 bis 5 Millionen Jahren tektonische Kräfte, im gleichen Maß tiefen die Flüsse ein, vorher wasserdurchflossene Höhlen fallen trocken. In trockengefallene Höhlen ziehen in der Würm-Eiszeit vor etwa 120.000 Jahren, jüngste von vier Eiszeiten, Menschen der Art Homo neanderthalensis ein und hinterlassen in der Heidenschmiede im Brenztal oder im Hohlenstein im Lonetal ihre Werkzeuge. Die Neandertaler sterben vor etwa 28.000 Jahren aus. Noch in ihrer Zeit wandern vor etwa 40.000 Jahren moderne Menschen der bis heute fortbestehenden Art Homo sapiens von Osten her auf die Schwäbische Alb ein und begründen die zehntausendjährige, hier besonders betrachtete Eiszeitkultur des Aurignacien. Auch diese Menschen wählen Karsthöhlen der Schwäbischen Alb zu Aufenthaltsorten, leben mit eiszeitlichen Tieren zusammen.

Landschaft der Mammutzeit vor Alpengletschern: Höhlenbär, Höhlenhyäne, Mammut, Wollnashorn, Riesenhirsch, kleinere Säugetiere. Aus Fraas (1866: Tafel gegenüber S. 402).

Eiszeitliche Fundorte und Finder

Vogelherdhöhle nordwestlich Stetten ob Lontal. Südwesteingang.

An der Lone liegt bei Asselfingen der Hohlenstein und besteht aus drei Teilhöhlen: In der Bärenhöhle gräbt Oscar Fraas (1824-1897) im Jahr 1861, in der Kleinen Scheuer Robert Rudolf Schmidt (1882-1950) im Jahr 1908, im Stadel Robert Wetzel (1898-1962) von 1937 bis 1939. Man findet Knochen von weit über hundert Höhlenbären, einen Menschenknochen wohl vom Neandertaler, einen aus Elfenbein geschnitzten Löwenmenschen aus dem Aurignacien. Flussabwärts im Lonetal entdeckt bei Stetten ob Lontal Hermann Mohn (1896-1958) im Jahr 1931 von einem Dachs aus seinem Bau ausgeworfene Feuersteinsplitter. Man gräbt auf und findet eine Höhle mit drei Eingängen, benennt sie nach dortiger Flur Vogelherdhöhle. Gustav Riek (1900-1976) vom Urgeschichtlichen Institut der Universität Tübingen gräbt sie 1931 aus, dasselbe Institut macht 2005 und 2006 Nachgrabungen. Aus dem Aurignacien werden Reste eiszeitlicher Tiere, Stein- und Beinwerkzeuge, Elfenbeinplastiken eines Höhlenbärs (1931), eines Wildpferds (1931) und eines Mammuts (2006) gefunden. Im Tal der Hürbe, in welche die Lone einfließt, liegt bei Hürben die Charlottenhöhle. Ihr Hauptausgang war verschüttet, durch ein schmales seitliches Loch, Hundsloch genannt, steigen die Zimmerleute Friedrich Strauss, Kaspar Schlumpberger und Jakob Beutler im Jahr 1893 hinab, entdecken diese längstbegehbare Höhle der Schwäbischen Alb, man beleuchtet sie sogleich elektrisch, benennt sie nach der damaligen württembergischen Königin. Erster wissenschaftlicher Erforscher ist Eduard Fraas (1862-1915). Auch aus dem Boden dieser Karsthöhle hat man zahlreiche Knochen von Höhlenbären ausgegraben.

Eiszeitliche Tiere

Es war ein raues Jägervolk, ohne Haustiere und ohne Metall, das mit Feuerstein- und anderen Stein- und Holzwaffen den Höhlenbären bekämpfte und von seinem Fleisch, von dem der Rentiere, von Fischen, Wurzeln und Beeren sich nährte. - David Friedrich Weinland im Rulaman (1878).

Das Kultur des Aurignacien fällt in eine nicht zu kalte Periode der mittleren Würm-Eiszeit vor etwa 40.000 bis 30.000 Jahren. In den Tälern steht etwas Wald, die Albhochflächen bedecken baumlose Steppen. Diese beweiden die Pflanzenfresser Mammut, Wollnashorn, Bison priscus (ungleich dem späteren warmzeitlichen Waldrind Wisent Bison bonasus), Rentier, Wildpferd und Rothirsch. Auch Höhlenbären ernähren sich von vielen Pflanzen (Zahnvergleich), ziehen sich im pflanzenarmen Winter in Höhlen zum Winterschlaf zurück, woraus manche nicht mehr erwachen, etliche wohl auch von Menschen als Höhlenkonkurrenten und als Felllieferanten erlegt werden; Bärenknochen werden oft in Albhöhlen gefunden. All pflanzenfressenden und steppenbewohnenden Tierarten, ausgenommen Rentier und Rothirsch, sterben mit dem Ende der Eiszeit aus, wofür man folgende Gründe annimmt: Der aufkommende Wald bietet zu wenig Nahrung zum Abgrasen. Ein Ausweichen nach Norden in die dahin vorrückenden Steppen begrenzen die dortigen längeren Winter mit ebenso zu wenig Nahrung. Mammut und Wollnashorn schützt ihr wollig-langhaarig-filziges Fell zwar gegen Schnee und trockene Kälte, aber womöglich zu wenig gegen die nun aufkommenden vielen Regen. Womöglich reproduzieren gerade die großen Arten der Eiszeittiere zu wenige Nachkommen, um der technisch immer besser werdenden menschlichen Jagd standzuhalten.


Elfenbeinerner Höhlenlöwe Panthera leo spaelea aus der Vogelherdhöhle. Gefunden 1931. Aurignacien.

An Raubtieren bejagen Höhenlöwen und Höhlenhyänen die großen Pflanzenfresser und sterben am Eiszeitende mit ihren Beutetieren aus. Anpassungsfähiger sind die Räuber Dachs, Rotfuchs und Wildkatze und finden genügend Beute auch im aufkommenden Wald. Am anpassungsfähigsten erweist sich der Wolf, wenn man sein riesiges Verbreitungsgebiet über die ganze Nordhalbkugel betrachtet. Es geht von tundrischen Eiswüsten bis in warme Steppen und heiße Halbwüsten, erstreckt sich auf Offenland wie auf Wald, steigt in hohe Gebirge hinauf. Ein Grund dieser hohen Anpassungsfähigkeit mag die hohe Lernfähigkeit dieser Tiere sein, die sie wie viele andere in engen sozialen Gruppen lebenden Tiere besitzen. Ihr einziger Feind ist nur der Mensch. Er macht sich Wolfseigenschaften zunutze und ordnet sich den Wolfsabkömmling Hund im Aurignacien als erstes Haustier unter. Hundebellen, das Wölfen fehlt, haben die Menschen Hunden anerzogen, damit sie ihre Eigentümer vor Störungen warnen, schlafen doch diese ursprünglichen Nachttiere leichter als Menschen. Umgekehrt mag es sein, dass Hunde durch Bellen und Jaulen erlernt haben, die Aufmerksamkeit ihrer Herren zu erregen, ja zu erzwingen (manche rezenten Hundebesitzer unterwerfen sich fast ihrem Hund). Wann wird aus dem Aurignacien der erste schwäbische Hund aufgefunden werden? Hunde haben verkürzte Schädel und degenerierte Gebisse, sind anatomisch und osteologisch leicht vom Wolf zu unterscheiden.

Tierarten der mittleren Würmeiszeit vor 40.000 bis 30.000 Jahren. Aurignacien.
Nach Knochenfunden aus der Vogelherdhöhle der östlichen Schwäbischen Alb.
†† global ausgestorben.
Art
Biotop
Status auf der östlichen
Schwäbischen Alb
Pflanzenfresser: Bison Bison priscus Steppe
Gämse Rupicarpa rupicarpa Waldgrenze ausgestorben
Höhlenbär Ursus spaeleus Steppe -
Mammut Mammuthus primigenius Steppe -
Rentier Rangifer tarandus Steppe ausgestorben
Riesenhirsch Magaloceros giganteus Steppe -
Rothirsch Cervus elaphus Steppe/Wald überlebt bis 1920, dann
Wollnashorn Coelodonta antiquitatis Steppe -
Wildpferd Equus germanicus Steppe -
Fleischfresser: Dachs Meles meles Steppe/Wald überlebt bis heute
Eisfuchs Alopex lagopus Steppe ausgestorben
Rotfuchs Vulpes vulpes Steppe/Wald überlebt bis heute
Höhlenlöwe Panthera leo spaelea Steppe -
Höhlenhyäne Crocuta crocuta spelaea Steppe -
Vielfraß Gulo gulo Steppe ausgestorben
Wildkatze Felis silvestris Steppe?/Wald überlebt bis 1883, dann
Wolf Canis lupus Steppe/Wald überlebt bis 1843, dann

Steinzeitliche Techniker

Dass eine Nähmaschine nicht von der Natur, sondern von der Technik stammt, weiß man, ohne ein Kriterium zu kennen. Bei einem Fund aus der Steinzeit muss man es suchen. - Friedrich Dessauer (1928).

Venus von Schelklingen. Aus dem Hohlen Fels 2008. Aurignacien.

In Lonetalhöhlen bearbeitet Homo sapiens Stein, Holz, Geweih, Mammutelfenbein mit technischen Mitteln. Vergleicht man deren langsame steinzeitliche Entwicklung mit moderner technischer Schnelligkeit, fragt man sich: Was will die Technik und was ist sie? Sie entspringt fortwährender Unzufriedenheit vom Homo sapiens mit einer als unbefriedigend empfundenen Gegenwart und Wirklichkeit. Dank seiner erfinderischen Phantasie erdenkt, erfindet und gestaltet er eine bessere, schönere, mindestens aber andere als die gegenwärtige Welt und tritt zu deren materiellen Verwirklichung auf als Homo technicus in drei technischen Prozessen: Erforscher homo investigator, Erfinder homo inventor und Schöpfer homo faber. Seine technisch erschaffenen Bilder von Jagdtieren oder von der Venus von Schelklingen sind materielle Abbilder seiner in die Vegangenheit verflossenen oder in die Zukunft ersehnten Erlebnisse! Für diese technisch und materiell erschaffenen Gegenstände ist der zweifelhafte Begriff, was Kunst damals und heute überhaupt sei, fast entbehrlich: Technische Können (woher der Begriff Kunst kommt) erzeugt sie! Der technische Schaffensprozeß und seine Absichten sind genauso oder noch mehr der Aufmerksamkeit wert als das Schaffensergebnis, das man rezent Eiszeitkunst nennt.

Natur und Steinzeitreligion

Die empirisch fassbaren Quantitäten der Natur beruhen auf Urbildern gleich ewig wie Gott, ja Gott selbst. - Johannes Kepler (1621), schwäbischer Naturforscher, in der zweiten Auflage seines Mysterium cosmographicum.

Homo sapiens malt vor 31.500 Jahren Höhlenlöwen Panthera leo spaelea an Wände der Grotte Chauvet im Tal der Ardèche (Südfrankreich). Aurignacien.

Aus Elfenbein fertigt der Homo sapiens des Aurignacien im Lonetal Plastiken seiner mit ihm lebenden Tiere. Seine Art- und Zeitgenossen malen noch naturalistischer, da mit leichterer Maltechnik ausgeführt, Höhlenlöwen an die Wände der Grotte Chauvet in Frankreich. In diesem Bestreben, sich der Natur möglichst weit anzunähern, ja sich mit ihr im Löwenmenschen des Lonetals zu vereinigen, erblicke ich (H. Wf) eine pantheistische Gleichsetzung Natur = Mensch = Gott, so wie Kepler oben sagt (äußert an anderen Stellen seiner Werke auch den Glauben an einen persönlichen Gott). Davon unterscheidet sich der folgende bronzezeitliche Gottesglaube der Juden an einen außernatürlichen und außermenschlichen Gott, dem Menschen als freie Wesen gegenübertreten, der sich ihnen offenbart, über sie zu Gericht sitzt, sie belohnt oder bestraft. Diesen Glauben an einen persönlichen Gott übernehmen die Christen. Er scheint ungleich zu sein der eiszeitlichen Religion.

Aurignacien der Schwäbischen Alb. Steinzeitwerkzeuge aus der Vogelherdhöhle: Zwei Schaber, zwei Klingen, ein Stichel aus Riek (1938). Löwenmensch aus dem Hohlenstein, seine Teile 1939 gefunden, 1970 wieder zusammengesetzt. 2010 weitere Stücke gefunden und angesetzt.

Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg
Albertus-Magnus-Tagung in Giengen/Brenz
25. Oktober 2008
Karst, Höhlen und Eiszeit der Schwäbischen Alb
Vogelherd- und Charlottenhöhle

EXKURSION

Vorführung von Replikaten eiszeitlicher Speere an der Vogelherdhöhle

Von der Donau zogen Nebel ins Lonetal herauf. Bei Stetten ob Lontal (Stadt Niederstotzingen) begrüßte Dipl.-Ing. Hans Wolf von der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg die ungefähr fünfzig, meist von weither angereisten Teilnehmer an der Vogelherdhöhle. Zu dieser bedeutenden Fundstätte der Eiszeitarchäologie führte Oberstudienrat Hermann Huber vom Naturkundeverein Heidenheim. Er hatte von ihm selbst gefertigte Repliken eiszeitlicher Schleuderspeere dabei und machte einige eiszeitliche Speerwürfe: Eiszeitmenschen der Art Homo sapiens beobachten das Verhalten von Mammut und anderen Großtieren und entdecken, wie diese erst bei naher Annäherung oder Körperkontakt zu Gegenangriff oder Flucht übergehen: homo investigator. Ersinnen und erdenken Fernwaffen: homo inventor. Erbauen zur künstlichen Hebelarmverlängerung und Vergrößerung der Wurfweite Schleuderspeere (Bild): homo faber.

Stalagmit der Charlottenhöhle
Man durchsteig die über fünfhundert Meter lange Charlottenhöhle, hoch über dem Hürbetal (Stadt Giengen) gelegen. Über diese Tropfsteinhöhle referierte Hermann Huber: Durch den Kalkstein der Höhlendecke sickert Regenwasser, löst den Kalk auf und scheidet ihn in Tropfsteinen ab, oben Deckenzapfen oder Stalaktiten und unten als Gegenstücke rundere Bodenzapfen oder Stalagmiten. Die ehemalige Durchflusshöhle hat ein unterirdischer Fluss ausgehöhlt. Ans Tageslicht ist er wieder auf Höhe der früher durchs Hürbetal fließenden Brenz ausgetreten. Die damalige Brenztalsohle wird ins Jungpliozän vor etwa 3 bis 2,5 Millionen Jahren taxiert. Der heutige Höhlenausgang liegt 37,5 Meter höher als das mittlerweile von der Brenz verlassene Hürbetal. So hoch hat sich die Alb emporgehoben und haben sich Brenz und Hürbe unter die Charlottenhöhle eingetieft. Die an Lampen siedelnden Moose zeigte Gerd Höhenberger aus Nördlingen und verglich sie mit natürlich beleuchteten Artgenossen: Die Höhlenpflänzchen sind oft verlängert (Etiolierung), ihre Stängel verdünnt, die Stängelblätter auseinandergerückt, Blattflächen einiger Arten verkleinert, alles Folgen des schwachen und im Winter gänzlich fehlenden Lampenlichts.

Höhlenbär Ursus spaeleus, im Hohlenstein des Lonetals. Ausgestorbene eiszeitliche Bärenart mit Winterschlafplätzen, Wurfplätzen und Sterbelagern in Höhlen der Schwäbischen Alb. Das Skelett oben aus dem Hohlenstein im Lonetal 1861 ausgegraben (Fraas 1866: S. 55).

VORTRÄGE

Weißjura = Oberjura: Oxfordium (ox), Kimmeridgium (ki) und Massenkalke (joM). Braun undurchlässige Mergel. Blau verkarstete, wasserführende Kalke (Bankkalke, Massenkalke). Obenauf Feuersteinlehmen (Fl).


Brenzquelle in Königsbronn

Dr. Wilhelm Schloz aus Esslingen sprach über Hürbe, Lone, Brenz und das Karstgrundwasser der Ostalb. Regenwasser und Flusswasser dringen durch Ritzen, Spalten, Klüfte und Höhlen ins Kalkgebirge ein. Das eindringende Wasser sammelt sich über un- und schwerdurchlässigen Mergelschichten zu einem rheinseits vorherrschenden Seichten Karst mit frei ausfließenden Hangquellen und einem donauseits überwiegenden Tiefen Karst mit von der Tiefe her gespeisten Quellen und Quelltöpfen wie etwa die Brenzquelle in Königsbronn. Manche Starkniederschläge schlagen aus offenen unterirdischen Wasserwegen schnell in die Quellen durch. Das meiste Karstgrundwasser aber durchläuft mit langsamer Fließgeschwindigkeit enge, auch erdgefüllte Ritzen, Spalten und Klüfte und verweilt so im Seichten Karst 14 bis 18, im Tiefen Karst 22 bis 77 Jahre. Solche langen Verweilzeiten hat das Wasser, das dem Buchbrunnen im Egautal bei Dischingen entspringt; dieser schüttet immer noch eine Restmenge des seit etwa 1960 angewandten, seit 1988 aber verbotenen Herbizids Atrazin, derzeit (2007) bei schwach fallendem Trend etwa 0,1 Mikrogramm pro Liter, also ungefähr gleich dem zulässigen Grenzwert der Trinkwasserverordnung. Die Schüttung dieser großen Karstquelle ist etwa 600 Liter pro Sekunde zur Trinkwasserversorgung von rund 350000 Menschen [täglicher Wasserbedarf eines Menschen etwa 150 Liter]. Dem Karstgebirge der Ostalb insgesamt fließen aus seinem 1500 Quadratkilometer großem Einzugsgebiet sekundlich 13,5 bis 16,5 Kubikmeter Wasser zu, welchen Zustrom man Grundwasserneubildung nennt. Davon werden etwa ein Fünftel zur Trinkwasserversorgung von Menschen entnommen und benutzt.

Elfenbeinernes Pferd Equus germanicus. Aus Vogelherdhöhle 1931. Aurignacien.

Professor Dr. Harald Floss, Universität Tübingen, sprach über Eiszeitkunst der Vogelherdhöhle und älteste menschliche Kunstwerke. Diese haben genetisch moderne Menschen vor etwas über 30.000 Jahren geschaffen und beeindruckende Malereien und Plastiken hinterlassen. Eine der bedeutendsten Fundstätten ist die 1931 entdeckte und von Gustav Riek ausgegrabene Vogelherdhöhle bei Stetten ob Lontal (Stadt Niederstotzingen). Aus ihr wurde über ein Dutzend kleiner eiszeitlicher Plastiken geborgen, die bekannteste ein Wildpferd darstellend, eine nur etwa 4,8 Zentimeter große Plastik aus Mammutelfenbein. Diese Gegenstände gehören zu den ältesten bisher gefundenen menschlichen Kunstwerken. Aus ungefähr gleicher Zeit stammt menschlicher Schmuck aus einem Felsüberhang der Französischen Pyrenäen bei Aurignac, von Edouard Lartet schon 1860 ausgegraben, weswegen die Epoche Aurignacien genannt wird, geologisch ein Abschnitt der mittleren Würm-Eiszeit (Jungpleistozän). Am eindrucksvollsten aus jener Zeit sind wohl die Höhlenlöwen, welche Steinzeitmenschen an die Wände der Grotte Chauvet im Tal der Ardèche gemalt haben (Bild ganz oben links). Diese Höhle ist gewöhnlichen Besuchern aus konservatorischen Gründen verschlossen. Der Referent durfte sie, nachdem er aus dem Flusstal aufgeklettert ist, betreten und besichtigen. Sein Kernsatz: Die steinzeitlichen Jäger und Sammler entwickeln eine hohe künstlerische Kultur, leben nicht am Existenzminimum.

Allgemeine Naturkunde, Geologie, Hydrologie. Mayer, Louis (1847): Stahlstich der Nebelhöhle. - Aus: Schwab, Gustav (1847): Das malerische und romantische Deutschland. Band II: Schwaben. - Leipzig (C. A. Haendel), 200 S. + 30 Stahlstiche. Stich gegenüber S. 100. - Krauss, Ferdinand (1883): Zuwachs der Vereinssammlungen. A. Zoologische Sammlungen. - Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde 39: S. 5-14. S. 5: Alter 15 Pfund schwerer Wildkater Felis silvestris von Revierförster Fröhner aus Oberkochen eingereicht. - Königliche Ministerialabteilung für den Straßen- und Wasserbau (1903): Verwaltungsbericht für die Rechnungsjahre 1899 und 1900. II. Abteilung. Wasserbauwesen. - Stuttgart (Strecker & Schröder), 160 S. + 41 Plan- und Kartenbeilagen. S. 73-142 Beschreibung der Brenz und ihres Einzugsgebiets. - Wagner, Georg (1960): Einführung in der Erd- und Landschaftsgeschichte mit besonderer Berücksichtigung Süddeutschlands. - Öhringen (F. Rau), 694 S. + 208 Tafeln. S. 70: Wassertemperatur der Egauquelle (Buchbrunnen bei Dischingen) konstant 9 Grad.- Fehringer, Otto (1936): Wildtiere und Haustiere. Stuttgart (Kosmos), 80 S. S. 10 über die von Menschen bezweckte Entwicklung vom Heulen des Wolfes zum Bellen des Hunds. - Vogel, Richard (1938): Die Tierwelt des Kreises Heidenheim. In: Land und Leute um den Hellenstein. Heidenheimer Heimatbuch (Herausgeber Fritz Schneider): S. 183-204. - Heidenheim (Verlag C. F. Rees), 416 S. S. 184 über Letzterlegungen: Letzter Wolf 1843 bei Nattheim, ein Überläufer. Letzter Rothirsch, ein Kronenzehner, 1909 bei Zang durch Forstwart Beck aus Bartholomä, letzte Hirschkuh 1920 von Forstmeister G. aus Essingen. - Adam, Karl Dietrich, Hans Binder, Klaus Eberhard Bleich & Klaus Dobat (1974): Die Charlottenhöhle bei Hürben. Abhandlungen zur Karst- und Höhlenkunde. Reihe A. Speläologie. Heft 3. - Blaubeuren (Mangoldsche Buchhandlung), 56 S. + 1 Beiblatt . - Binder, Hans (1979): Höhlenführer Schwäbische Alb. 2. Auflage. - Stuttgart und Aalen (Konrad Theiss Verlag), 200 S. S. 110 und 111: Vogelherd- und Charlottenhöhle. - Bennecke, Norbert (1994): Der Mensch und seine Haustiere. Die Geschichte einer jahrtausendealten Beziehung. - Stuttgart (Konrad Theiss Verlag), 472 S. S. 72f.: Zähmung von Wolfswelpen vielleicht aus Pflegetrieb von Menschen gegenüber allen Jungtieren, Alttiere sind unzähmbar. S. 208f.: Verbreitung des Wolfs über die ganze nördliche Erdhalbkugel auf die paläarktische, nearktische und Teile der orientalischen Region. - Plum, H., R. Prestel, W. Schloz & V. Kolokotronis (2002): Hydrogeologische Karte von Baden-Württemberg. Ostalb. - Freiburg (Landesamt für Geologie), 131 S. + 10 Karten + 1 CD. Nach Abb. 4 auf S. 19 der obige Prinzipschnitt gefertigt. - Koenigswald, Wighart von (2002): Lebendige Eiszeit. Klima und Tierwelt im Wandel. - Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft), 190 S. S. 95: Wisent wandert mit Ausklang der Eiszeit aus Asien ein, nicht aus dem Steppenbison hervorgegangen. - Drauschke, Jörg & Sunhild Kleingärtner (2007): Spurensuche in der Brenzregion. - Heidenheim (Landratsamt), 300 S. + 17 Wanderkarten. Führer zu allen hier besprochenen Orten.


Elfenbeinernes Mammut Mammuthus primigenius. Aus der Vogelherdhöhle 2006. Aurignacien.

Paläonthologie. Fraas, Oskar (1862): Der Hohlestein und der Höhlenbär. - Jahreshefte des vaterländischen Vereins für Naturkunde in Württemberg 18: S. 156-188. Knochenfunde des ausgestorbenen Ursus spelaeus. - Fraas, Oskar (1866): Vor der Sündfluth! Eine Geschichte der Urwelt. - Stuttgart (Hoffmannsche Verlagsbuchhandlung), 515 S. - Anonymus (1910): Eine Beschreibung des Hohlensteins im Lonetal von 1783. - Blätter des Schwäbischen Albvereins 22 (6): Spalten 170-172. Abschrift einer vorwiegend geometrischen Beschreibug des Stadels und des eigentlichen Hohlensteins durch den Ulmer Zeugamtsschreiber Daniel Uhl. - Riek, Gustav (1937): Die Mammutjäger vom Lonetal. Zweite Auflage. - Stuttgart (K. Thienemanns Verlag), 96 S. S. 14-28: Mammutjäger benannte Moderne Menschen besiegen eine Minderzahl Bärenjäger benannte Neandertaler. - Riek, Gustav (1938): Die Altsteinzeit und die Mittelsteinzeit im Kreis Heidenheim. In: Land und Leute um den Hellenstein. Heidenheimer Heimatbuch (Herausgeber Fritz Schneider): S. 256-267. - Heidenheim (Verlag C. F. Rees), 416 S. - Hahn, Joachim, Hansjürgen Müller-Beck & Wolfgang Taute (1973): Eiszeithöhlen im Lonetal. Archäologie einer Landschaft auf der Schwäbischen Alb. Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern in Württemberg und Hohenzollern. Heft 3. - Stuttgart (Verlag Müller & Gräff), 191 S. + Karte. - Rathgeber, Thomas (1993): Ergebnisse paläonthologischer Forschung auf der Ostalb. In: Karst und Höhle 1993. Karstlandschaft Schwäbische Ostalb: S. 225-251 + Tafeln. - München (Verband der Deutschen Höhlen- und Karstforscher ), 480 S. + XVI Tafeln + 1 topografische Karte. S. 225f. über urzeitliche Tiere. Daraus die Tabelle links erstellt. - Rosendahl, Wilfried, Robert Darga, Ralph Kühn & Martina Pacher (2000): Der Höhlenbär in Bayern. - München (Verlag Dr. Friedrich Pfeil), 48 S. S. 5: Erster fränkischer Nachweisdes Höhlenbären aus dem Jahr 1794. S. 20-30: Seine Lebensweise, Nahrung und sein Verhältnis zu Menschen. - Waiblinger, Jürgen (2001): Datierung und Umwelt des Jungpaläolithikums. In: Eiszeitkunst im süddeutsch-schweizerischen Jura. Anfänge der Kunst (Herausgeber Claus-Stephan Holdermann, Hansjürgen Müller-Beck & Ulrich Simon): S. 15-21. - Stuttgart (Konrad Theiss Verlag), 143 S. Im Aurignacien keine extreme Kaltzeit, in Tälern etwas Baumwuchs. - Conard, Nicholas J. (2006): Sind sich Neandertaler und moderne Menschen auf der Schwäbischen Alb begegnet? In: Vom Neandertaler zum modernen Menschen (Herausgeber Nicholas J. Conard, Stefanie Kölbl & Wolfgang Schüle): S. 131-152. - Ostfildern (Jan Thorbecke Verlag), 208 S. Im Aurignacien Neandertaler und Moderne Menschen zugleich in Europa. Datierungen, wann dort der Neandertaler ausstirbt und der moderne Mensch auftritt. Bisher kein Beweis möglich, ob sich die beiden Menschenarten auf der Schwäbischen Alb begegnet sind oder nicht. - Conard, Nicholas J. (2006): Die letzten Neandertaler und ersten modernen Menschen auf der Schwäbischen Alb. In: Roots. Wurzeln der Menschheit. Rheinisches Landesmuseum Bonn. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Jahr 2006: S. 227-242. - Bonn (Rheinisches Landesmuseum), 360 S. Technik- und Kunstgegenstände des Aurignaciens der Schwäbischen Alb Modernen Menschen zuzuordnen. - Conard, Nicholas J., Michael Lingnau & Maria Malina (2006): Einmalige Funde durch die Nachgrabung am Vogelherd bei Niederstotzingen-Stetten ob Lontal, Kreis Heidenheim. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2006: S. 20-24. - Stuttgart (Konrad Theiss Verlag), 280 S. Mammutfigurine aus Elfenbein gefunden (Bild oben). - Floss, Harald (2006): Als der Mensch schuf, schuf er richtig - Europas kreativer Urknall von 35000 Jahren. In Roots wie oben: S. 209-226. - Floss, Harald (2006): Das Aurignacien und die Anfänge der Kunst in Europa. Höhlen und Steinzeitkunst auf der Schwäbischen Alb und in den französischen Pyrenäen. - Heidenheim (Landratsamt), 28 S. - Germonpré, Mietje, Mikhail V. Sablin, Rhiannon E. Stevens, Robert E.M. Hedges, Michael Hofreiter, Mathias Stiller & Viviane R. Despres (2009): Fossil dogs and wolves from Palaeolithic sites in Belgium, the Ukraine and Russia: osteometry, ancient DNA and stable isotopes. - Journal of Archaeological Science 36 (2): S. 473–490. Fossiler Hundeschädel aus der Goyet-Höhle in einem Nebental der Maas bei Andenne (Belgien) wird mittels Radiokohlenstoffdatierung auf 31700 Jahre vor heute datiert in die Kulturstufe des Aurignacien. - Kölbl, Stefanie (2010): Geborgen aus der Kulturwiege der Menschheit. Die Venus vom Hohle Fels. - Blätter des Schwäbischen Albvereins 5 (116): S. 8-9. Bericht über Ausstellung der Venus von Schelklingen im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren. - Anonym (2011): löwenmensch aus der Stadelhöhle. - Blätter des Schwäbischen Albereins 117 (3): S. 44-45. Weitere Stücke zum Löwenmenschen gefunden.

Technik, Kunst, Religion. Kepler, Johannes (1621) aus Krafft, Fritz (2005): Johannes Kepler. Was die Welt im Innersten zusammenhält. - Wiesbaden (Marix Verlag), LXI + 701 S. Auf Seite XV der zitierte pantheistische Satz Keplers. - Baeck, Leo (1925): Das Wesen des Judentums. Vierte Auflage. - Wiesbaden (Nachdruck Fourier), 327 S. S. 164ff. über den Glauben an den Menschen, wonach dieser als freies Wesen durch Gott und in Gott lebt, doch "scheidet sich das Judentum von der pantheistischen Erlösungsreligion und der bloßen Mystik, die Gott nur in allem und alles nur in Gott finden, denen die Schöpfung und der Schöpfer zu einem werden". - Einstein, Albert (1927), der Kepler verehrt (und sich in seinem Kepler-Aufsatz einen Schwaben nennt) sagt: "Ich kann mir keinen persönlichen Gott denken, der die Handlungen der einzelnen Geschöpfe direkt beeinflusste oder über seine Kreaturen zu Gericht säße." S. 174 von Calaprice, Alice (2005): Einstein sagt. Zitate, Einfälle, Gedanken. - München (Piper), 287 S. - Dessauer, Friedrich (1928): Philosophie der Technik. - Bonn (Friedrich Cohen), 184 S. Auf S. 5 das Zitat mit der Nähmaschine und dem Steinzeitfund. - Dessauer, Friedrich (1956): Streit um die Technik. - Frankfurt am Main (Verlag Josef Knecht), 472 S. Umgrenzt auf S. 225f. den technischen Mensch als homo investigator, homo inventor und homo faber.